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Morning Glory Fizz. Der frische Schotte.

Dass Scotch, sowohl als Blend aber auch als Single Malt, eine hervorragende Mixspirituose ist, wurde ja bereits hinreichend thematisiert. Wieso die meisten Barkarten allerdings nur mit Bourbon befeuert werden und ob es auch mit den Gästen zu tun hat, die andere Zugaben als Wasser zu ihrem Scotch für Blasphemie halten, versucht unser Autor diese Woche zu ergründen. Und liefert noch einen Anreiz für das Mixen mit Scotch.

Ein bisschen weniger Respekt bitte

Allein der Preis wird kein Ausschlusskriterium sein, um mit Scotch zu mixen. Und die Komplexität und Aromenvielfalt lädt doch den modernen Bartender geradezu dazu ein, um mit Scotch zu spielen.

Also, weg mit der Ehrfurcht vor den fein zerfließenden Tränen im Nosing-Glas. Füllen wir die Shaker mit großen Schotten. Als Paradebeispiel wie gut ein Scotch in einem Cocktail funktioniert, soll an dieser Stelle der Morning Glory Fizz stehen.

Wenn wir alle Rentner sind

Zu einer Zeit, als man sich über die Folgen übermäßigen Alkoholkonsums nicht in dem Maße bewusst war wie heute, war dieser Drink tatsächlich einer, den man in der Früh zu sich nahm, um die Nerven zu beruhigen und gelassen in den Tag zu gehen. Aber auch am Abend bietet der Morning Glory Fizz eine tolle Erfrischung.

Und bis wir dann in ein paar Jahren mit diesem und ähnlichen Drinks, den Tanztee in der Seniorenresidenz aufpeppen, feilen wir am perfekten Rezept.

Zitrone oder Limette? Beides

Nachdem die erste Erwähnung in Kappelers „Modern American Drinks“ zu finden ist, möchten wir uns am Rezept in Harry Johnsons „Handbuch für Bartender“ orientieren. Der eigentlich Unterschied liegt in der Säure. Empfiehlt Kappeler nur Zitronensaft, erscheint die Kombination aus Limette und Zitrone ausgewogener. Mit Zucker und einem frischen Eiweiss ergibt sich eine tolle Textur, in der sich Scotch und Absinth gegenseitig aufbauen können. Der erfahrene Bartender macht an dieser Stelle dem Commis eine Freude und macht aus langem, intensiven Shaken eine Unterweisung.

Die Wahl des Whiskys ist dem persönlichen Geschmack überlassen. Er sollte allerdings genug Volumen mitbringen, um vom Absinth nicht erschlagen zu werden. Sowohl Blended Scotch als auch Single Malts konnten im Test überzeugen. Freunden torfintensiver Islay-Whiskys sei ein Versuch mit Lagavulin ans Herz gelegt.

 

Morning Glory Fizz (adaptiert aus „Handbuch für Bartender“, Harry Johnson, 1900)

6cl Scotch Whisky (z. B. Monkey Shoulder Vatted Malt)

1,5 cl Limettensaft

1,5 cl Zitronensaft

2 cl Zucker

3 dash Absinth

1 Eiweiss

Soda

Glas: Fizz-Glas / Highball

Garnitur: Zitronenscheibe

Zubereitung: Alle Zutaten, bis auf Sodawasser, im Shaker auf Eiswürfeln lange und intensiv shaken. In vorgekühltes Gästeglas abseihen und mit einem Schuss Soda toppen.

 

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Foto: aboutpixel.de / Sunshine Glory © cu-viper

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