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Der Mount Rushmore: Monument für einen Amaro

Der Mount Rushmore Cocktail wurde von Patrick Pistolesi aus dem Drink Kong in Rom entwickelt. Es handelt sich dabei um einen Boulevardier-Twist, in dem die Kombination aus Fino Sherry und Kaffeelikör den Wermut ersetzt. Ein einfacher, aber effektiver Twist, der einen Cocktail mit Tiefgang erzeugt.

Als wir auf MIXOLOGY Online vor einiger Zeit einen Beitrag über den Benton’s Old Fashioned brachten, entspannte sich abseits auf unserer Facebook-Seite eine kleine Diskussion. Deren Kern: Handelt es sich dabei um einen Neo-Klassiker bzw. vielmehr: Was muss ein Neo-Klassiker mitbringen, um als solcher zu gelten?

Damien Guichard, Barchef des Truffle Pig, argumentierte, dass es die Verfügbarkeit sämtlicher Original-Zutaten einer Rezeptur ist. In diesem Fall also der spezielle Benton’s-Speck, der dem Drink eben zu dem mache, was er ist. Gegenstimmen wiederum vertraten die Ansicht, dass ein (rauchiger) Speck wohl überall vorhanden sei und es sich nicht zwangsläufig genau um eben jenen Benton’s handeln müsse, mit dem man dem Bourbon einem Fat Washing unterzieht.

Mount Rushmore

Zutaten

3 cl Bourbon
3 cl Amaro
3 cl Fino Sherry
0,5 cl Kaffeelikör

Alle Wege führen nach Amaro

In diesem Sinne könnte man auch über den in Rom ersonnenen Mount Rushmore Cocktail eine Diskussion führen, ob er ein Neo-Klassiker ist oder nicht. Denn die Zutaten Bourbon, Amaro, Sherry und Kaffeelikör kann man wohl als solche betrachten, die weitestgehend überall verfügbar sind. Ersonnen hingegen wurde der Mount Rushmore jedoch für einen ganz bestimmten Amaro, der wiederum vielleicht nicht immer und überall zur Hand ist.

„Der Mount Rushmore wurde von mir und meinem Team anlässlich der Bar-Show in Rom für Amaro Montenegro kreiert“, erinnert sich Patrick Pistolesi, der nach wie vor stolz ist auf diese Auftragsarbeit. „Wir wollten bewusst tiefe, trockene Noten durch den Bourbon und den Sherry und würzige Akzente vom Kaffeelikör“, schildert er die Herangehensweise.

Der Drink-Kong-Mitbetreiber sieht aktuell auch vermehrt Nachahmer, die dem Bitterlikör eine Chance geben: „Amaro wächst in der Bartender-Community Tag für Tag.“ Scharfsinnig trennt der Italiener, der lange in London gearbeitet hat, dabei aber die Trinkkultur seiner Heimat von der Bitter-Intoleranz im Rest Europas ab. „Gäste in Großbritannien stehen auf Made in Italy und auch unsere Community ist dort stark, vor allem aber wird auch gerne was Neues vom Gast ausprobiert und mit Geschmäckern experimentiert. In Italien wiederum sind die Leute viel mehr gewöhnt, Amaro pur zu trinken. Da haben wir noch Arbeit vor uns.“

Aus drei mach vier

Zumindest er selbst arbeitet mit verschiedenen Amari in einigen Cocktails, nicht nur dem Mount Rushmore. Doch auch Patrick Pistolesi sieht die Erzeuger in einer Bringschuld, wenngleich sich das langsam ändere: „Amaro Lucano oder Amaro Montenegro machen da einen guten Job bei der Weiterbildung.“

Letztlich ist der Mount Rushmore eine Boulevardier-Variante, in der die Kombination aus Fino Sherry und Kaffeelikör den Wermut ersetzt. Ein einfacher, aber effektiver Twist, der einen Cocktail mit Tiefgang erzeugt, der durchaus leicht reproduzierbar ist. So wird der Dreiteiler der Vorlage zu einem Cocktail aus vier Zutaten, was wiederum die Namensfindung erklärt.

Am Bekanntheitsgrad des Mount Rushmore schrauben

Jetzt müsste man eigentlich nur noch am Bekanntheitsgrad des Mount Rushmore Cocktail arbeiten. Denn nicht nur globale Verfügbarkeit, sondern die globale Bekanntheit macht einen Neo-Klassiker schließlich zu dem, was er ist. Und da hat der Drink aus dem Drink Kong noch Potential nach oben …

Die Zitate dieses Textes sind dem Dossier über Amaro aus der Print-Ausgabe MIXOLOGY 2-2021 entnommen.

Credits

Foto: Sarah Swantje Fischer

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