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Munich Mule Cocktail | Mixology Mixology — Magazin für Barkultur

Munich Mule: Vom Mysterium zum Publikumsliebling

Was ist eigentlich ein Munich Mule Cocktail? Die Verwirrung bei Gast und Bartender war seinerzeit groß: Paris, Moskau oder München. Der klassische Moscow Mule hatte plötzlich je nach abgeänderter Zutat eine andere Stadt im Namen. Aber was genau ist im Munich Mule Cocktail drin? Wir schauen einmal in den Verlauf der Historie.

Woher stammt der Munich Mule Cocktail?

Man kennt diese Situation. Unentschlossene Gäste sitzen an der Bar und versuchen einen Drink zu rekonstruieren, den sie irgendwann, irgendwo mal getrunken haben. Meist sind aber Name und Hauptzutaten gerade entfallen. Gerne auch beides.

Das Gegenteil ist umso überraschender. Nämlich dann, wenn mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit ein Drink geordert wird, dessen Namen man noch nie gehört hat. Jenes Phänomen geisterte vor einigen Jahren durch München. Und zwar nicht von ungefähr: Es war etwa um das Jahr 2010 oder 2011, als es plötzlich vermehrt Ginger Beer zu kaufen gab und der lange verloren geglaubte Moscow Mule wieder ans Tageslicht der Bars kam.

Immer wieder hörten Bartender in München dann auf einmal den »Munich Mule« als Bestellung. Auf kurze Nachfrage, ob vielleicht der Moscow Mule gemeint sei, wussten Gäste mit der üblichen Bestimmtheit zu sagen: Nein, der heißt ganz sicher Munich Mule. Genaue Zutaten konnten in der Regel nicht genannt werden.

Nur auf Gin und Gurke legen sich beinahe alle Gäste fest. Nun kennt zwar jeder Bartender den besserwissenden Gast zur Genüge. Im Falle des Munich Mule war es aber anders; denn es waren schlicht zu viele Gäste, die unabhängig voneinander nach dem Cocktail fragten. Es musste also etwas dran sein am mysteriösen Munich Mule.

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Ein Munich Mule, das ist im Prinzip nichts anderes als ein simpler Highball aus Gin, Limette, Gurke und Ginger Beer. | ©Caroline Adam

Munich Mule Cocktail: Eine Verwirrung für die Fachkollegen

Auch die damalige Nachfrage bei führenden Münchener Barleuten brachte eher Verwirrung als Erhellung: Oliver von Carnap hielt den Munich Mule für ein Missverständnis, das dem Wiederaufleben des lange nicht regulär erhältlichen Ginger Beer geschuldet gewesen sein solle: »Man hat den Moscow Mule immer mit Ginger Ale bekommen.

Um seit dem Aufkommen von Ginger Beer differenzieren zu können, hat sich vielleicht dieser Name etabliert«, konstatierte der Bartender, der in München zuletzt mit seinem temporären Projekt »Madam Bar« überzeugen konnte, im Jahre 2012. Einen kurzen Beitrag, der in eine vergleichbare Richtung ging und die These von Carnaps teilweise stützte, hatte die SZ bereits 2009 gebracht.

Cihan Anadologlu hingegen definierte den Drink schon damals ganz klar und gewohnt selbstsicher: The Duke Gin aus München, Minze und/oder Gurke sowie Ginger Beer ergäben einen Munich Mule. Immerhin: Ende 2008 kam The Duke auf den Markt, als einer der ersten überregional erhältlichen neuen, deutschen Gins überhaupt. Dass sich vielleicht dieses Ereignis mit der Entstehung des Munich Mule synchronisieren lässt, darf zumindest nicht komplett abgestritten werden.

Munich Mule Cocktail

Zutaten

5 cl Gin
1-2 cl frischer Limettensaft
8-10 cl Ginger Beer

Zubereitung

Das vorgekühlte Glas komplett mit Eiswürfeln füllen. Erst Gin und Limettensaft hineingeben, anschließend mit dem Ginger Beer auffüllen. Mit einem Barlöffel vorsichtig umrühren und garnieren.

Glas

Highball oder Kupferbecher

Garnitur

Dünn geschnittene Gurkenscheiben und frische Limettenscheibe

Nun doch Moskau? Oder Mumbai?

Klaus St. Rainer wiederum, dessen Goldene Bar damals noch in den Kinderschuhen steckte, hatte bereits damals seine Schwierigkeiten mit dem Namen. Nach kurzem Gespräch mit seinen Gästen hätten die meisten dann schlicht einen Moscow Mule gewählt, gab Rainer seinerzeit zu Protokoll.

Aus seiner Zeit im Schumann’s erinnerte sich Klaus St. Rainer aber auch an einen ganz anderen Cocktail mit dem Namen Munich Mule. Doch auch diese Spur entpuppte sich als kalt: Tatsächlich hatte die Cortiina Bar zeitweise einen abgewandelten Bombay Crushed auf der Karte, der u.a. mit Bombay Sapphire und Gurke zubereitet wurde – sein Name damals allerdings: Bombay Mule.

Realität und Historie liefern das Rezept des Munich Mule

Will man letztlich ein verbindliches Rezept für den Munich Mule schriftlich erfassen, hilft nur eins: Das, was der Historiker »Quellenkritik« nennen würde. Und so schauen wir einerseits auf die zahllosen Varianten und Spielarten, die im Netz unter dem Schlagwort Munich Mule zu finden sind. Siehe da: Gin und Gurke als tragende Säulen bestätigen sich auch heute, zehn Jahre nach dem mutmaßlichen ersten Aufkommen des Begriffs, noch immer; ab und an auch mal ergänzt um einen Minzezweig in der Garnitur.

Nehmen wir dann in bester Schulbuchmanier noch an, dass die Drink-Kategorie »Mule« als Formel »Spirituose plus Limette plus Ginger Beer« mittlerweile doch recht verbreitet und bekannt ist, dürfte die Detektiv-Arbeit also fürs Erste ihren Abschluss finden: Ein Munich Mule, das ist im Prinzip nichts anderes als ein simpler Highball aus Gin, Limette, Gurke und Ginger Beer. Und dagegen kann ja nun eigentlich niemand etwas haben. Ganz egal, wie man den Drink am Ende dann nennt.

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Dieser Artikel erschien im September 2012 und wurde zuletzt im Juni 2019 überarbeitet.

Credits

Foto: Caroline Adam

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