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Die Top 10 Bar-Eröffnungen des Jahres 2018

Die Dynamik der Neueröffnungen im deutschsprachigen Raum macht eine Auswahl immer schwieriger. Doch hier sind die besten Bars des Jahres 2018. Dabei zeigt sich neben einer großen Diversität vor allem eines: München hat noch lange nicht genug.

Opulenz und Minimalismus, Materialschlacht und Zitrusschalen-Wegschmeiß-Geiz, 200 Sitzplätze und Steh-Locations. Alles schon einmal da gewesen und permanente Weiterentwicklung. Am besten suchen Sie sich aus, welche Überschrift das Bar-Jahr 2018 getragen hat. Denn im Grunde gilt konzeptiv alles und sein Gegenteil. Und das ist gut so. Denn je differenzierter die Konzepte, desto kundiger ist die Kundschaft. Selbst die Bar als reine Bespaßungsinstanz muss heutzutage zumindest klarmachen, welcher Heiterkeit sie frönt: Der trockene Dreiteiler-Humor hat andere Fans als der umständlich zur Sache kommende Tiki-Drink, der seine Pointe erst mit dem letzten Schlückchen Overproof zündet (dann aber richtig!).

Die besten Bars: Kurzweilig und inspirierend

Doch sie alle bedienen eine Klientel, die die Bar wieder in den persönlichen Lebenslauf integriert. Weil dort im besten Fall Könner am Werk sind, die dem Leben eine neue Klangfarbe zu geben vermögen. Ob das der liquide Blues für nachdenkliche Nachteulen ist oder quietschbunter Pop, der Mundwinkeln schon vor dem Trinken die Erdenschwere nimmt, bestimmt der Gast. Er kann wählen. Wir mussten – und kamen dieser Pflichtwahl im weiten GSA-Land gerne nach. Schließlich erinnerte sie uns an überraschende Drinks, inspirierende Gespräche und kurzweilige Stunden am Tresen. Möge das nächstes Jahr so bleiben! Hier sind unsere Top 10 Bar-Eröffnungen des Jahres 2018:

10) Ménage, München

Eröffnet wird bis zum Schluss. Und da die Letzten bekanntlich die Ersten sein werden, starten wir mit dem neuen Projekt der Kinly-Boys Johannes Möhring (seit Juli Teilhaber der Frankfurter Cocktail-Institution) und René Soffner. Ort des Geschehens ist München. Die eigentliche Sensation für Chronisten der Bar-Zeitgeschichte ist aber die Location der neuen „Ménage“: Es ist die Buttermelcherstraße, und beim Isartor nahm schon 2013 das „Gamsei“ die heute Standard gewordene Verarbeitung lokaler Kräuter á la minute vorweg. Was hingegen bei Johannes Möhring in die Shaker kommt, steht demnächst auf MIXOLOGY ONLINE!

9) Ory, München

Und wo wir schon in Minga sind, darf natürlich jene Trinkstätte nicht fehlen, die mit

Dietmar Petri, Alex Recknagel, Simon Köster und Lukas Motejzik nicht nur ein Münchener „All Star-Team“ hinter sich weiß. Falco Torini stieß aus Wien zu der Ory-Truppe im Mandarin Oriental, die seit Oktober am kreisrunden Tresen steht. Das prächtige Interieur lässt manchen Gast Ory von „oro“ wie Gold ableiten, doch es geht um „mem-ory“, also Erinnerung. Und tatsächlich fräst sich der beindruckende Champagner-Serve ebenso ins Gehirn wir mancher Drink. Vor allem jene mit dem zarten asiatischen Twist, der zur Hotelgruppe passt, etwa der mit Galgant im wahrsten Sinn des Wortes geerdete „Flying Carpet“.

8) Herbert’s Bar, Salzburg

Der volle Haarschopf Herbert von Karajans regiert nur im oberen Teil von Patric Roths zweitem Streich nach dem Little Grain. Dort, wo der Champagner fließt zur Festspiel-Zeit, aber auch die Highballs wohnen, ist der Dirigent Namensgeber von Altstadt-Platz und Bar zugleich. In der Unterwelt aber, dem „Rabbit Hole“, inspiriert Alice das Angebot. Oder der verrückte Hutmacher. So genau weiß man das nicht. Außer, dass die Drinks aus der Teekanne im Konglomerat-Keller verspielt Lewis Carroll zitieren. Dieses „Wunderland“ lässt die Cocktail-Freunde auch im zweiten Bestandsjahr staunen (so sie nicht die Herzkönigin erwischt): Ein Karotten-Gin mit Hasenohren aus Salbei gefällig? Oder doch „Mad Hatter’s Margarita“?

7) Bar am Wasser, Zürich

Es plätschert reichlich in der Bar am Wasser. Schampus, aber auch das hauseigene „Tonic Limmatien“ fließt am Stadthausquai, seit Dirk Hany die Türen des ehemaligen Angelsport-Geschäfts geöffnet hat. Mittlerweile ist die in der Cocktail-Karte abgebildete Crew nur ein Teil des Teams, das auf acht Personen angewachsen ist. „Wir suchen ab Februar zwei, ab März sogar drei neue Mitarbeiter“, nützt Hany den Rückblick gleich als Personal-Inserat. Denn dann sperrt Zürichs neuer place to be bereits ab 8 Uhr morgens auf. Und dann wäre 2019 noch die Sache mit dem Weinkeller. Noch ist man da aber diskret wie am Schweizer Bank-Schalter.

6) The Grid, Köln

Bambus, Humidor, DJ-Pult und über allem der Bar-Slogan „Enjoy yourself“, das ist Marian Krauses neue Heimstatt. Das Kölner The Grid bringt nicht nur Drinks ins Veedel, sondern auch eine Menge geometrischer Elemente. Schließlich steht der Name der Bar auch für „Raster“ oder „Muster“. Dem unterwirft sich die Bar-Karte in der Friesenstraße allerdings nicht; Aquavit ist im Spiel, die Highballs stehen neben Möhren-Mixen („Rabbit Habit“) oder einer ausgeklügelten Auswahl alk-freier Angebote wie dem „Beetray“. Wie würde die gleichnamige Nineties-Band über The Grid singen? Put Your Hands Together – für Kölns Neuzugang!

5) Das große Vorspiel, Wien

Ein Pop-up, das eigentlich keines ist und ein Vorspiel als Vor-Geschmack. Ihren Aktionsradius hat die Kleinod-Crew diesen Herbst beträchtlich erweitert. Der Fokus in der Bäckerstraße, wo man die ehemalige Kix übernommen hat, liegt auf Highballs. Einige davon hat Daniel Schober kreiert, der dafür sein Clandestino aufgegeben hat. Bruder David Schober und Oliver Horvath erweitern die Bar um ein Stockwerk. „Ein bisserl bauen wir die Eden Bar nach“, lacht Horvath mit einem Blick auf die wandfüllende Plan-Skizze. Sie zeigt, wie das „Prunkstück“ im Oktober 2019 aussehen soll. „Das große Vorspiel“ verkürzt die Wartezeit und braucht einen Gästeschlichter, auch wenn es vier Mal so groß wie das Kleinod ist.

4) Mr. Susan, Berlin

Cuisine Style, einmal anders: Mit den nose-to-tail-„Schlachtfesten“ und ihrem koreanischem Streetfood machte sich Susan Choi unter dem Label „Mr. Susan“ einen Namen unter den hauptstädtischen Foodies. Nun mischt sie mit dem liquiden Harmonien-Meister Damien Guichard und Shawn Beck, einer weiteren Bar-Größe, Berlin-Mitte auf. Dass man mit einer satisfaktionsfähigen Aperitif-Karte und Pastell-Tönen in den Abend startet, heißt ja nicht, dass die Nächte nicht noch verrückter werden. Mit im Shaker sind dann (auch) asiatische Zutaten wie Sesam-Öl. Ins Bier kommt dafür der Kimchi-Popsicle für eine Michelada, Mitte-Style. Und mittlerweile ist auch die Bar-Food-Ideenkiste prall gefüllt.

3) Tortue, Hamburg

An der Alster eskalierte 2018 die Hotel-Szene. Neben den Fontenay-Türmen, die Logistiker und HSV-Masochist Klaus-Michael Kühne ermöglichte, kam das Tortue. Eine Bar reicht dem von der Quantum Immobilien AG in den Stadthöfen etablierten Hotel nicht: Geraucht wird in der „Bar Bleu“, die „Bar Privé“ dient Veranstaltungen und die „Bar Noir“ kann als wichtigster Tresen im Zeichen der Schildkröte gelten – sie sorgt auch als Tagesbar für weniger steife Oberlippen. Dass die Drinks bei Richard Dührkohp und Florian Springer (von „L’avocat“ bis zu „Mon dieu!“) französischen Esprit atmen, erinnert an den Namensgeber: Zu Napoleons Zeiten gingen in der Hafenstadt die Franko-Müßiggänger mit Schildkröten spazieren.

2) Voodoo Reyes, Genf

Vom Bayou von New Orleans an den Genfer See: Cocktails im Krokodilrachen serviert, Draculas Version der Bloody Mary und ein gehöriger Anteil Frauenpower haben Helen Calle-Lins jüngstes Lokal in Genf schnell bekannt gemacht. Die Bartenderin hat sie von Marian Bekes Gibson, das sie mit-eingerichtet hat, aus London in die Schweiz geholt. Seither fungiert Katalin Bene als Voodoo Queen vom Lac Léman, die Tiki-Tränke mit einem Schuss Magie anrührt – mitunter auch im Pop-up in „Les Halles“. Doch am besten funktionieren diese Zaubertränke immer noch im Rattan-Sessel und bei Trockeneis-Nebel in der „Aschenbecher-Straße“. Laissez les bons temps rouler!

1) Wabi Sabi Shibui, München

Der Kreis der mixologischen Neuzugänge schließt sich in München. Denn mit der zweiten Bar von Klaus St. Rainer zog im Frühjahr japanischer Minimalismus an der Ludwigstraße ein. Eine Spirituose pro Kategorie muss hier reichen, gesäuert wird ausschließlich mit Limetten. Dazu gibt es Tees in der Gusseisen-Kanne, Onigiri sowie Ramen vom Feinsten, und wenn es mal ein „Entschuldigungsblumenstrauß“ (© Rainer) sein soll, führt den der Laden-Teil der Bar dank Leonie von Carnap auch. Denn bei Blutorangen-Sake oder einem klaren Yuzu-Negroni kann es schon mal später werden. Wenn auch nie später als Mitternacht. Da ist nämlich Schluss im Wabi Sabi Shibui. Genauso wie jetzt mit unserem Jahresrückblick 2018. Arigatou gozaimasou und Prosit 2019!

 

 

Credits

Foto: Shutterstock

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