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What’s hot and new: Craft Beer 2015

“Detox” zum Jahresanfang ist ein edles Ziel. Auch der Vorsatz, überhaupt weniger zu trinken, denn man merkt schließlich mit jedem Jahr mehr, dass zuviel Alkohol manchmal definitiv nicht gut tut. Aber, das sehen wir schon jetzt, die Vorsätze werden wieder nur eine Woche halten, denn es gibt auch 2015 viel Neues im Bereich deutsches Craft Beer zu probieren.

Aus der Rubrik “Unnützes Halbwissen”, Teil 2894: “Fastmoker/In” – jemand, der Schiffe mit Tauen an den Pollern der Kaimauer im Hafen festbindet. Ein „Festmacher“ auf Plattdeutsch, sozusagen.

Fastmoker ist aber auch Hamburgs neustes Pils und das erste Bier aus der Craft Beer-Schmiede „Wildwuchs Brauwerk“. Wobei: Friedrich „Fiete“ Matthies, Gründer und Braumeister derselbigen, lehnt den Begriff Craft Beer eigentlich ab. Der sei ihm zu amerikanisch, sagt er.

Er selbst würde seinen Fastmoker lieber als ein „handwerklich gebrautes, doppelt gehopftes Pils“ beschreiben. Whatever: Klingt für uns verdammt nach dem, was wir mit “Craft Beer” meinen. Und schmeckt auch so.

Norddeutscher Stolz auf internationalem Niveau

Seit Sommer letzten Jahres braut Fiete Matthies in einer Hälfte des Bleckeder Brauhauses, etwa 70 Kilometer südöstlich von Hamburg. Es ist ein ziemlich smarter Deal: Der junge Brauer hat sich für sein noch jüngeres Brauwerk nämlich erst einmal nur eine halbe Brauerei gemietet.

In der pittoresken Hausbrauerei Bleckede stehen derzeit sieben Gärtanks, drei davon voller Fastmoker. Für 2015 darf man sich aber auf etwas gefasst machen, erzählt das Hamburger Gewächs.

Da wird er unter dem Label Wildwuchs auch noch ein paar wildere Geschütze auffahren. „Vielleicht mache ich mal etwas mit Tee“, überlegt Fiete, „und ein Wildwuchs IPA wird es vermutlich auch irgendwann einmal geben.“ Lohnt sich also vor allem, aber nicht nur, im Norden der Republik die Augen aufzuhalten.

Im Regal übrigens ist das Wildwuchs-Bier kaum zu verfehlen: Von der Flasche lächelt nämlich der Braumeister höchst selbst. Ein recht einzigartiges und ungewöhnliches Labeldesign. „Erst war ich nicht ganz sicher, aber dann fand ich’s doch irgendwie gut“, sagt Fiete.

Mit Fiete Matthies startet 2015 eigentlich ein Brauer der “ersten Generation” in eine neue Runde. Matthies ist nämlich eine Hälfte des Gründungsteams der Kreativbrauerei Kehrwieder. Man sei sich nicht ganz einig gewesen, wie man die Zukunft gestalten wolle, erklärt Fiete, und habe sich so eben getrennt.

Er macht nun sein eigenes Ding, derweil Oliver Wesseloh die Kreativbrauerei Kehrwieder endlich, nach langer Suche, in den sicheren Heimathafen geschippert hat: Seit Kurzem hat der Gypsy-Brewer seine eigene Brauerei auf Hamburger Boden.

Die jungen Wilden bleiben dran…

Aber auch die zweite Generation der deutschen Craft Beer-Macher legt nach: Ganz neu am Start wären da weit im Süden etwa die drei Herren von „Headless Brewing“: Mit Jan Brücklmeier und Philipp Frauendörfer sind da zwei Brauingenieure plus Bernhard Sturm als „Bierliebhaber“ in Traunstein am Werk.

Bis jetzt haben sie mit „Indian Clipper“ ein sehr amerikanisches IPA im Angebot und mit „Night Flight“ ein Cascadian Dark Ale. Außerdem verschicken die drei Newbies über ihren Webshop immer wieder Sonder- und Versuchssude – for free (plus Versand). Einfach so, zum Probieren.

„Einzige Bezahlung ist für uns das die Leute einen online Fragebogen ausfüllen. Uns ist der Dialog mit unseren Fans extrem wichtig. Wir wollen nicht eine weitere Brauerei sein, die nur noch das braut, was sie selber gut findet. Wir wollen viel mehr das brauen, was die Leute mögen“, erklärt Jan Brücklmeier.

Aus den Ergebnissen der „Experimentals“ und dem Input der Community wollen die drei irgendwann auch spezielle „Community-Sude“ machen.

„Das werden eben Biere werden, bei denen unsere Fans wirklich mitbestimmen können, was in den Kessel kommt. Wir überlegen, diese Sude dann später auch mal in Traunstein als Public-Brewing-Event anzubieten.“ Außerdem haben sie sich für 2015 verschiedene Aktionssude vorgenommen: „Angedacht sind z.B. 2 Experimentals mit unterschiedlichen Stopfhopfen, 2 Clipper und 2 Night Flight in einer Box oder aber auch Aktionsboxen mit anderen Freunden, z.B. ein Whiskymalz-Porter zusammen mit einem Whisky in der Box.“

Ebenfalls im Bayerischen machte Tilman Ludwig mit „Tilmans Biere“ bereits gegen Ende des alten Jahres von sich reden. Ein Münchner Brauer, der Gypsy-Style im Münchner Umland braut. Zum Start gibt es erst einmal ein Helles, aber: „Es wird dieses Jahr auf alle Fälle das ein oder andere neue Bier geben. Habe da viele Ideen“, wie er sagt.

Auch hier sorgen die ziemlich ausgefallenen Etiketten für einiges Aufsehen. Echte Kunst auf der Flasche. Möglicherweise etwas, das die zweite Generation auszeichnet? Etwas mehr Wumms ins Sachen Optik und Design?

Zumindest bestätigt Berlins neustes Craft Beer-Label diese These: Mit „Brlo“ (sprich: Bärlo) aus Berlin ist nicht nur das Bier mit dem vermutlich schrägsten Namen sondern auch einer Verpackung aus der oberen Liga auf den Markt gekommen.

Handwerk  –  einmal nach Indien und zurück

Und auch die Generation Null legt nach. Wenn man das so aufteilen wollte: Erste Generation der deutschen Craft Brewer sind die alten Bekannten, die ab um 2011/2012 eine Craft Beer Szene hierzulande entstehen ließen, zweite Generation diejenigen, die nachlegten, als es Craft Beer in Deutschland schon gab, und die nullte Generation, das sind jene, die je nach Definition immer schon so etwas wie craft (oder auch nicht) sind, die kleinen, unabhängigen Handwerksbetriebe.

David Hertl etwa würde dazu zählen, Braumeister der „Braumanufaktur Hertl“ in Schlüsselfeld in Franken. Gemeinsam mit Christian Klemenz, Gründer des Bierlabels „St. Erhard“ in Bamberg, startet er mit einem St. Erhard-Saisonbier in das neue Jahr. Bisher hatte sich St. Erhard mit seinem Kellerbier eher auf den Auslandmarkt konzentriert (vor allem Indien), nun nimmt Klemenz sich die deutsche Bierlandschaft vor.

„Für 2015 sind auch sicherlich noch weitere Stile zu erwarten, wobei wir da auf jeden Fall wieder eher unausgetretene Pfade beschreiten werden und einen in Deutschland noch unterrepräsentierten Bierstil anpacken werden“, so der Bamberger.

In diesem Sinne also, Achtung Kalauer: Prost Neujahr!

Credits

Foto: Serie via Wildwuchs Brauwerk. Artikelbild via Shutterstock

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