Inventur am 11. November 2018

News 11.11.2018

Alaaf und so! Heute feiern wir bei MIXOLOGY wie üblich keinen Karneval, schauen aber wie gewohnt auf die Themen der Woche. Darin diesmal digitaler Supercognac, ein skeptischer Spitzenkoch, am Tisch mit einem legendären Fachjournalisten und ein wenig Quatsch mit David Wondrich. Fertig? Dann los!

Ein herzliches Willkommen zum St. Martins-Tag. Wohlwissend, dass man in Köln, Düsseldorf und einigen anderen Städten rund um Rhein und Main heute wohl eher weniger die Lektüre längerer Texte im Sinn hat, freuen wir uns natürlich trotzdem, wie jeden Sonntag einen Blick auf die Themen und News der Woche zu werfen. Los geht’s!

Christian Rach mit viel Skepsis 

„Der Gastronom hat eine Preisangst, die unglaublich tief verwurzelt ist.“ Dies ist nur eines von vielen starken, pointierten Statements, die Christian Rach im großen Interview mit dem Mahlzeit-Magazin zu Protokoll gibt.

Insgesamt zeichnet der erfahrene Koch und Restaurantbetreiber (sowie früherer „Restauranttester“ in Diensten von RTL) ein düsteres Bild von der Zukunft des Gastgewerbes. Das Gute wiederum daran: Er vergibt nicht den einen klassischen Schwarzen Peter, sondern benennt viele unterschiedliche Faktoren, die zu einer problematischen Lage führen. So bringt er etwa überarbeitungsbedürftige Arbeitszeitregelungen ebenso ins Gespräch wie mangelndes kaufmännisches Denken vieler Gastronomen und die völlig verquere Preiserwartung vieler Gäste. Und zu guter Letzt spricht er auch die verzerrte Wahrnehmung des Berufs an, der durch die enorme Präsenz sogenannter „Fernsehköche“ an – zu denen Rach selbst lange zählte. Zu dem kompletten, sehr lesenswerten Gespräch geht es hier.

Auf ein Glas mit William Grimes

Ein Name, den man in der Barszene auf dieser Seite des atlantischen Ozeans eher selten hört, ist William Grimes. Dabei hat Grimes, langjähriger Redakteur und Restaurantkritiker der New York Times, damals – ganz am Anfang, als die Cocktail-Renaissance noch eine zarte Blüte war – ganz erheblich zu ihrer Verbreitung beigetragen: Mit seinem Buch Straight Up or On The Rocks von 1993, das mittlerweile vielen Experten als eines der wichtigen Referenzwerke nicht nur jener Anfangstage gilt.

Für PunchDrink hat sich Robert Simonson, heute ebenfalls u.a. fester Autor der New York Times, mit Grimes zum ausführlichen Gespräch getroffen. Darin geht es nicht nur um die Vergangenheit, sondern gleichsam um den Stand der Dinge und um viele der feinfühligen Beobachtungen, die Grimes im Laufe seiner Tätigkeit gemacht hat. Und das alles liest sich sehr spannend daher, fast wie ein kleines Theaterstück. Wenn allein dieser Umstand dazu führt, eine der wichtigsten, mittlerweile ziemlich stummen Stimmen der frühen Bar-Revolution mal wieder etwas lauter zu hören – dann hat Simonson sein Ziel bereits erreicht.

Was wir noch zu lesen hätten…

Einen schönen Artikel aus der Rubrik „Was als blödsinnige Idee am späten Büro-Abend begann“ hat Cocktailhistoriker, Branchenkenner und Schriftsteller David Wondrich für die Kollegen von The Daily Beast nun Wirklichkeit werden lassen: „The Drink Books That Need To Be Written“ lautet Wondrichs neuer Streich.

Denn, so wohl die Prämisse des nie um ein humorvolles Statement verlegenen Autors, so sehr sich auch die Fachliteratur doch immer mehr reichhaltiger und diversifizierter zeigt, gibt es doch noch Felder und Themen, die bislang sträflich vernachlässigt werden: Ein Buch mit 500 Witzen für Bartender, beispielsweise. Oder eines über mehr als Popcorn. Sonst vielleicht ein Bildband über Fruchtfliegen? Auch Sie werden bei der Lektüre – neben einigen Schmunzlern – zugeben müssen: All diese Bücher wird es niemals geben. Und das wiederum ist sehr schade!

Louis XIII wird futuristisch?

Was haben High-End-Prestige-Cognac und hochmoderne IT-Trends miteinander zu tun? Eigentlich nichts, möchte man meinen. Zumindest einmal abgesehen von einigen Internetmilliardären, die sich ein teures Fläschchen kaufen. Im Hause Louis XIII, der Prestige-Linie von Rémy-Martin, sieht man dort aber wohl noch andere Bedürfnisse des Kundenkreises.

Daher gibt es demnächst, so lesen wir bei The Spirits Business, im Korken eines jeden Louis-XIII-Dekanters einen eingebauten Chip zur Near Field Communication (NFC). Über dieses Gadget kann sich der stolze Besitzer der raren Flasche dann mittels seines Smartphones in die Website der „Louis XIII Society“ einloggen und sich mit Dingen wie Limited Editions, Flaschengravuren, Tasting-Terminen oder sonstigen Dingen befassen. Nun ja. Man könnte den Korken auch einfach aus der Flasche ziehen, sich einen Schluck des edlen Inhalts ins Glas füllen und einem kleinen Genussmoment frönen. Aber dann wüsste die Society ja nicht, dass man ein Smartphone hat.

Photo credit: Shutterstock

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