Inventur am 1. Juli 2018

News 1.7.2018

In der Champions League darf wieder gesoffen werden, Brown-Forman reagiert als erster US-Brenner auf die EU-Zölle und das Kohlendioxid fürs Bier wird knapp. Unsere neue Inventur geht dahin, wo es wehtut – auch in Sachen Lohnbrennverfahren.

Was gehört auf jeden Fall zu einem gelungenen Sonntag? Richtig: ein opulentes Frühstück, Brunch oder sonst irgendetwas Reichhaltiges zu essen, mit dem man sich für die zurückliegende Nacht oder Nachtschicht belohnt. Und was sollte zu diesem Essen eigentlich immer dazugehören? Wieder richtig: ein gutes Stück Brot.

Passend dazu starten wir heute unsere Inventur quasi „in eigener Sache“. Die Berliner Fotografin und Schauspielerin Ava Celik hat unser Magazin und auch den Bar Convent Berlin im Laufe der Jahre oftmals als Fotografin mit begleitet und für viele tolle optische Eindrücke gesorgt. Doch bei Celik steht nun etwas anderes auf der Agenda. Seit mehreren Jahren nämlich weiß sie um ihre Gluten-Intoleranz und sucht daher nach dem perfekten, echten, aber eben glutenfreien Sauerteigbrot – das es schlicht nicht gibt. Aus der Suche nach dem Brot ist mittlerweile eine Suche nach dem perfekten Rezept geworden, die Notwendigkeit ist für Celik zur Leidenschaft geworden. Eine Leidenschaft, die nun in einer eigenen Brotmanufaktur gleichzeitig ihren Ziel- und neuen Anfangspunkt finden soll. Dafür sucht sie aktuell nach einem geeigneten Objekt in der Hauptstadt. Ein sehr informativer Videobeitrag der Kollegen von Zeit Online vom Anfang der Woche stellt außerdem das Projekt und die Idee dahinter eindrucksvoll vor. Haben Sie schon Appetit? Gut so! Widmen wir uns also frisch gestärkt den Themen der Woche.

Champions League: Endlich wieder richtiges Bier

Wir wollten ja eigentlich nicht über Fußball reden, machen ja gerade eh alle. Doch wir kommen nicht drumherum. Denn da hat sich im Windschatten der WM in Russland eine Meldung von The Drinks Business geradezu im Nirgendwo verloren, die den Stadiongängern ein Grund zur Freude sein dürfte. Die UEFA hat nämlich in einer Sitzung ihres Exekutivkomitees beschlossen, den Verbot des Ausschanks alkoholischer Getränke in den Stadion bei Spielen der Champions League und Europa League aufzuheben (wir wussten gar nicht, dass dem so war).

Der einschlägige § 36 der entsprechenden Sicherheitsbestimmungen hatte bislang verboten, dass in den Stadien vor und während der Spiele kein Alkohol ausgeschenkt werden darf, also auch kein normales Bier. Fan-Zusammenschlüsse hatten dagegen schon lange protestiert, unter anderem mit Verweis darauf, dass solche Verbote sogar beim wesentlich wilderen Rugby nicht existieren. Die UEFA bewegt sich nun also auf jene Leute zu, die den Profisport durch ihre Stadionbesuche zu einem guten Teil mitfinanzieren. Man beruft sich als Begründung u.a. auf deine Studie von 2010, die besagt, dass sich Alkoholverbote in Stadien üblicherweise kaum oder gar nicht auf den Trunkenheitsgrad der Fans auswirken (gesoffen wird sonst eben vor dem Stadion oder eben heimlich). Aber auch die Vermutung, dass Interessenvertreter der Großbrauereien ein wenig Einfluss genommen haben dürften, wollen wir nicht ausschließen. Bleibt nur zu sagen: Prost!

Kein CO2, kein Bier!

Wir bleiben noch kurz beim Gerstensaft. Denn jener unterliegt zwar in Deutschland dem Reinheitsgebot, ist aber heutzutage für die meisten Hersteller auch nicht ohne industriell zugeliefertes Kohlendioxid produzierbar. Und genau jenes Gas, das fürs Prickeln in allen möglichen Getränken nötig ist, scheint derzeit auf dem Markt rar zu werden.

Besonders angespannt scheint die Situation aktuell in Großbritannien, wo Brauereien bereits beginnen, die Lagerbestände zu rationieren und auch mitunter schon einzelne Zapfhähne in den Pubs trocken bleiben. Der Deutsche Brauer-Bund stimmt zwar zu, dass die Lage nicht wie gewohnt sei, gibt aber zu Protokoll, dass die Probleme aktuell noch „überschaubar“ seien. Doch lesen Sie selbst, wie Pub-Freuden, Fußballgucken, Bierbrauen, Colatrinken und Düngemittel miteinander in Zusammenhang stehen. Ein hochinteressanter Beitrag der Frankfurter Allgemeinen.

American Whiskey: Jetzt geht’s doch los mit den Erhöhungen

Erst gut eine Woche ist es her, dass unser Autor Markus Orschiedt in seinem ausgiebigen Dossier über mögliche Preiserhöhungen in Sachen American Whiskey im Zuge neuer Gegenzölle der EU vor allem zu einem Ergebnis kam: Noch mag die Industrie nicht wirklich über das Thema sprechen. Man hielt sich bedeckt. Nun allerdings scheinen die vielerorts befürchteten Konsequenzen doch schneller zu kommen als zunächst angedeutet.

Mit Brown-Forman nämlich hat einer der größten Hersteller von US-Whiskey Mitte der Woche bekanntgegeben, im Zuge der eintretenden Bezollung die Endpreise seiner Produkte in der EU im Durchschnitt um rund 10 Prozent zu erhöhen. Das teilt etwa The Spirits Business unter Berufung auf den Konzern aus Louisville/Kentucky mit, der mit Jack Daniel’s den wichtigsten American Whiskey überhaupt herstellt, außerdem u.a. die Marken Woodford Reserve und Old Forester. Man darf davon ausgehen, dass Brown-Forman mit dieser Entscheidung und dem Mut, als erster geplante Erhöhungen zu kommunizieren, quasi die Blaupause für das Vorgehen anderer US-Hersteller geliefert hat. Hier die Meldung im Detail.

Eigene Spirituose, keine Brennerei – wie geht das?

Schnaps herstellen ohne Brennerei – nicht wirklich eine große Sache, wenn man sich ein wenig auskennt. „Lohnbrennen“ bzw. „Contract Distilling“ wird das genannt, und es ist eine vollkommen gängige Praxis. Jemand entwickelt ein Rezept für eine Spirituose, eine Brennerei fertigt dann das Produkt. Das klingt erstmal schrecklich kalt, falsch und unromantisch. Ist es sicher auch häufig – man denke an das mittlerweile etablierte Schmähwort „Agentur-Gin“ –, aber eben auch nicht immer. Zudem ist dieser Weg für viele kreative Köpfe der einzig mögliche Einstieg in die Welt der eigenen Spirituose.

Einen interessanten, umfassenden Einblick in diese oft eher totgeschwiegene Sphäre liefert SevenFiftyDaily in einem großen Artikel von Ryan Malkin. Der zeigt darin nicht nur, dass „Lohnbrennen“ auch bedeuten kann, dass Brenner und Entwickler wirklich zusammenarbeiten, er geht auch auf die verschiedenen Dimensionen, Möglichkeiten und Wahrnehmungen ein. Und er merkt beispielsweise den interessanten Umstand an, dass die Produkte der unter US-Bartendern wahnsinnig populären The 86 Company allesamt auch Lohnbrände sind, während der Großbrenner MGP dafür gescholten wird, zahlreichen Whiskeyherstellern zuzuliefern. Unbedingte Lese-Empfehlung für den Einstieg in ein oft nur sehr einseitig betrachtetes Thema.

Photo credit: Shutterstock

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.