Inventur

Inventur am 21. Oktober 2018

News 21.10.2018 1 Kommentar

Ein herzliches Willkommen zur gewohnten Branchenschau am Sonntag. Und heute ist wirklich für Jeden was dabei. Etwa ein bedeutender Vertriebswechsel auf dem deutschen Markt, ein böser, prominenter Kommentar über die aktuelle Barszene, der erste reine Amazon-Whisky, sowie ein erneuter Hinweis darauf, dass die allermeisten Menschen zu viel trinken. Trotzdem: Prost!

Allmählich kehrt wieder Normalität ein in der Barbranche. Traditionell wird es nach MIXOLOGY BAR AWARDS, Bar Convent Berlin und German Rum Festival erstmal ein paar Tage lang recht still: Zahllose Bartender liegen dann krank daheim und lecken sich die alkoholischen Wunden der Festwoche. Doch die meisten dürften mittlerweile wieder einsatzfähig sein (so geht es jedenfalls uns in der Redaktion), so dass wir uns nun wie gewohnt auf die flüssigen Themen der Woche stürzen.

Life is bitter: Fratelli Branca wechselt von Borco zu Eggers & Franke

Eine gewichtige Verschiebung in der hiesigen Vertriebswelt wurde vor knapp einer Woche bekanntgegeben: Wie der hamburgische Borco Marken Import mitteilte, beenden die Hanseaten ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem italienischen Haus Fratelli Branca. Neuer Vertrieb für das Branca-Portfolio wird ab 1. Januar 2019 die bremische Eggers & Franke Gruppe, die wiederum seit einer Übernahme im Frühjahr 2018 Teil des Rotkäppchen-Mumm-Konzerns ist.

Während der langjährigen Zusammenarbeit gelang es Borco, Fernet Branca durch die „Life is bitter“-Kampagne neu zu positionieren und für eine der aufmerksamkeitsstärksten und kontroversesten Kampagnen der jüngeren Zeit zu sorgen. Zu den Marken von Branca gehören neben den eigenen Bitterspirituosen etwa auch die Wermuts aus dem Hause Carpano, also auch die an der Bar extrem relevanten Marken Antica Formula und Punt e Mes. Gründe für die Beendigung der Zusammenarbeit nannte Borco im Zuge der Bekanntgabe nicht.

Tim Philips rechnet ab

„If this is a golden age of bartending, why do so many drinks suck?“ Auf „ehrliches“ Deutsch übersetzt heißt das: Wenn dies gerade ein Goldenes Zeitalter des Bartendings ist, warum schmecken so viele Drink beschissen?

Diesen Federhandschuh wirft aktuell Tim Philips, namhafter australischer Bartender und globaler Gewinner von Diageos World Class 2012, in der neuen Print-Ausgabe sowie auf der Homepage des Magazins Australian Bartender. In seinem Kommentar zum aktuellen Stand der Dinge äußert sich Philips vor allem dahingehend besorgt, dass viele junge Bartender zu schnell zu viel wollen und sich an vermeintlich progressiven Arbeitstechniken probieren, bevor sie überhaupt die Basics beherrschen. Ebenso spricht er die vielen Verlockungen an, die die Branche dem Nachwuchs vorsetzt. Sein Diktum lautet: Bevor man nicht verstanden hat, dass Verdünnung im Daiquiri eine zentrale Rolle spielt, sollte man sich mit neuen Rezepturen zurückhalten. Ebenso wie man bedenken sollte, dass man Gäste eventuell belästigt mit bemüht innovativen Cocktails.

Moment, das Thema hatten wir doch schonmal, oder? Eigentlich sogar immer wieder. Der alte Zwist zwischen Jugend und Arrivierten? Oder berechtigte Kritik? Die Meinung muss sich jeder selbst bilden.

Bowmore mit erstem Amazon-Exklusiv-Scotch

Es musste ja irgendwann so kommen. Schließlich gibt es schon länger immer wieder bestimmte Sonderabfüllungen von Spirituosen, die nur über spezifische Handelskanäle zugänglich sind, etwa reine Gastronomie-Line-Extensions oder Sondereditionen, die nur im Travel Retail verkauft werden.

Bowmore geht nun einen Schritt weiter: Die Brennerei von der Torf-Insel Islay bringt als erste Single-Malt-Destillerie eine Abfüllung heraus, die exklusiv über Amazon verkauft werden wird. Der limitierte, 19-jährige Bowmore mit Reifung in französischer Eiche (Fässer vom Chateau Lagrange) kommt mit 48,9% Vol. in die Flasche und wird voraussichtlich ab dem morgigen 22. Oktober ausschließlich über den Online-Riesen zu haben sein, wie The Spirits Business berichtet. Den Konzern und seinen Gründer Jeff Bezos dürfte es freuen, unterstreicht doch eine solche Kooperationsentscheidung von Bowmore die Macht, die Amazon mittlerweile auch im prestigeträchtigen Geschäft mit Premiumspirituosen innehat. Auf der deutschen Amazon-Seite wird der Verkauf des Bowmore 19 Years French Oak zu einem Preis von 125 Euro ab dem 1. November angekündigt.

Drogenbeauftragte: Jeder sechste trinkt gesundheitsschädlich

Am 18. Oktober wurde in Berlin der Drogen- und Suchtbericht der Drogenbeauftragten des Deutschen Bundestages, Marlene Mortler, vorgestellt. In dem jährlich erscheinenden Bericht kommen Mortler und ihr Büro zu nach wie vor beunruhigenden Resultaten: So trinke im Schnitt noch immer jeder sechste Deutsche so viel Alkohol, dass von gesundheitlichen Beeinträchtigungen auszugehen sei, wie Mortler bei der Präsentation des Berichts noch einmal betonte: „(…) für Viele bedeutet Alkohol ein echtes Problem“, spricht sie über die vielen Menschen, die zwar kein landläufiges Alkoholproblem haben, aber dennoch zu viel und zu regelmäßig trinken. Unter Barleuten dürfte Mortlers Diagnose auf wenig positive Reaktionen stoßen. Insgesamt, so die Aussage der Drogenbeauftragten, belaufe sich der durch Alkoholkonsum verursachte volkswirtschaftliche Schaden pro Jahr auf rund 40 Milliarden Euro.

Der Drogen- und Suchtbericht führt jährlich zu kontroversen Debatten und setzt nachvollziehbarerweise vor allem die Tabak- und Alkoholindustrie massiv unter Druck. Erneut fordert der Bericht ein komplettes Werbeverbot für Tabak, außerdem wird der Konsum von Shishas und E-Zigaretten als massiv wachsender Problemfaktor genannt. Gleichzeitig kommt Mortlers Untersuchung zu dem Ergebnis, dass zumindest das sogenannte „Komasaufen“ unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine begrüßenswerte, rückläufige Tendenz aufweise. Die Tagesschau wies unterdessen in ihrer Sendung vom 18. Oktober mit Blick auf den Suchtbericht darauf hin, dass Alkoholmissbrauch bis heute unter männlichen Patienten noch immer die häufigste Ursache für einen Krankenhausaufenthalt sei. Rosige Aussichten für vernunftgeprägtes Trinken sehen anders aus.

Photo credit: Shutterstock

Ein Kommentar

  1. Mick

    Hat Tim Philips jetzt wirklich einen Handschuh aus Federn geworfen, was ja zu vergleichen wäre mit dem Werfen von Wattebäuschchen. Oder hat er einen Fehdehandschuh (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Fehdehandschuh) geworfen?

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.