Inventur am 23. September 2018

News 23.9.2018

Wir wünschen einen schönen Sonntag – und halten alle News bereit. Warum muss neuerdings alles „Craft“ sein und was bringt es, wenn Azubis im Hotel mehr mitentscheiden dürfen? Außerdem: Die wahrscheinlich berühmtesten Iren mischen bald im Whiskey-Business mit und Tony Conigliaro greift Bacardi mit einem offenen Brief an.

Der Herbst naht mit großen Schritten und bevor wir uns den Neuigkeiten der Woche widmen, lassen wir uns heute von ein paar Drink-Ideen inspirieren, denn Liquor macht mit fünf Cocktails Laune auf die neue Jahreszeit. Wie klingt beispielsweise ein „Bibbity Bobbity Boo“ mit Kürbis oder ein „Plymouth Old Fashioned“ mit Apfel, Honig und Walnussaromen? Ziemlich gut, finden wir auch. Besonders, wenn sie selbstgemacht sind. Nicht umsonst ist daraus inzwischen ein richtiger Trend geworden…

Zeugzusammenhang mit Zitrusaroma

Bier, Eis, sogar Cocktails – alles muss neuerdings „Craft“ sein und bloß keine minderwertige Massenware, schreibt Juliane Reichert, übrigens auch MIXOLOGY-Autorin, in der „Welt“. Aber was sagt uns dieser Trend eigentlich? Reichert machte sich an eine kleine Philosophie der neuen Kunstfertigkeit und kam zu dem Schluss: Wir sehnen uns nun mal nach Handwerklichkeit und träumen von einer Utopie des Echten und Wahren. „Die Suche nach Realness ist keine Erfindung der Millennials, bloß heißt sie heute nicht mehr ‚Zeug‘, sondern eben ‚Craft‘, und schmeckt nach Zitrusaromen.“

Hotel-Azubis entscheiden mit

Im Schlosshotel Britz in Berlin arbeiten vor allem junge Azubis. Dort haben sie mehr Entscheidungsfreiheit und Verantwortung als anderswo, berichtet der Tagesspiegel nach einem Besuch. Denn seit fast zehn Jahren betreibt das Neuköllner Hotel Estrel im Schloss Britz ein besonderes Azubiprojekt. „Ich will die Azubis an den Punkt bringen, dass sie selbstständig werden“, sagt der Leiter Uwe Lein gegenüber der Zeitung aus Berlin. Er wolle den Azubis die Kompetenz vermitteln, Dinge selbst zu entscheiden. Bei Veranstaltungen gebe Lein seinem Team vorher Anweisungen und schaue beispielsweise nach drei Stunden noch mal vorbei, um zu sehen, wie es läuft. Der Projektleiter möchte mit den Azubi-freundlichen Arbeitsbedingungen – bessere Bezahlung, flachere Hierarchie und mehr Freizeit etwa – dem Fachkräftemangel im Hotelgewerbe entgegenwirken.

Zweimal hochprominenter „Irish“

Es ist wohl wirklich keine Übertreibung: Innerhalb weniger Tage haben die wahrscheinlich zwei berühmtesten Iren offiziell bestätigt, dass sie künftig im Irish-Whiskey-Business mitmischen werden. So meldete die Londoner The Times am vergangenen Sonntag Mittag, dass U2-Frontmann Bono Vox sich mit einem größeren Investment an der im Bau befindlichen Destillerie seines Freundes Paddy McKillen beteiligen werde. McKillen plant, das Anwesen Ballykelly Mill mit einem Volumen von rund 50 Millionen Euro zu restaurieren und mit einer Destille an die Brenntradition des Ortes anzuschließen.

Schon deutlich konkreter ist es bei MMA-Ikone Conor McGregor: Der irische Kampfsportler, momentan angeblich am meisten gegoolteter Sportler der Welt, gab Anfang der Woche zunächst über seinen Instagram-Account bekannt, dass der Launch seines Irish Whiskey namens „Proper No. Twelve“ unmittelbar bevorstehe. Hergestellt wird der Whiskey in der geschichtsträchtigen Old Bushmills Distillery, der Name mit der Zahl Zwölf bezieht sich auf den Dubliner Vorort, in dem McGregor seine Kindheit verbracht hat. In den Handel kommt der auf Grain- und Malt Whiskeys basierende Proper No. Twelve zu einem Preis von 25 US-Dollar, wie Forbes mitteilt – von jedem verkauften Case gehen 5 Dollar jeweils an lokale Wohltätigkeitsorganisationen, werden McGregors Pläne von dem Magazin zitiert. Seine Absicht, einen eigenen Whiskey auf den Markt bringen zu wollen, hatte der UFC-Star schon mehrere Jahre lang immer wieder betont. Finanziell dürfte er als einer der bestbezahlten Sportler des Planeten ohnehin nicht auf ein weiteres Standbein angewiesen sein. Aber das waren ja andere A-Klasse-Promis – wie George Clooney, Justin Timberlake oder Ryan Reynolds –, die ihr Geld in Spirituosenmarken investiert haben, ebenfalls nicht.

Tony C greift Bacardi an

Da wurde ein (Fahrrad-)Handschuh geworfen: Am Mittwoch richtete Tony Conigliaro, Londoner Gastronomie-Unternehmer, gefragter Hospitality-Consultant und einer der wichtigsten Bar-Vordenker des letzten Jahrzehnts, einen offenen Brief an die globale Firmenleitung von Bacardi. Der Hintergrund: Der italienischstämmige „Tony C.“, wie der Unternehmer meist nur genannt wird, hatte im Jahr 2016 mit seiner Bar Termini erstmals das Charity-Event Bar Termini Milano-Torino bike ride veranstaltet, ein mehrtägiges Radrennen zwischen den beiden norditalienischen Metropolen, bei dem Spenden für das Great Ormond Street Hospital gesammelt wurden, ein auf Pädiatrie spezialisiertes Lehrkrankenhaus in London. Im zweiten Jahr kam der Bacardi-Konzern, dessen Flaggschiff-Marke Martini & Rossi aus Turin stammt, als Sponsor dazu.

2018 wiederum spaltete Bacardi sich von dem wohltätigen Event ab und veranstalte nur wenige Tage nach Conigliaros Veranstaltung eine medienwirksame, eigene Radtour. Conigliaro prangert dieses Verhalten als Plagiat sowie ein bewusstes Anlehnen einer profitorientierten Maßnahme an ein Charity-Ereignis an und macht dem Spirituosenkonzern auch abseits dessen schwerwiegende Vorwürfe, sich mit fremden Namen und Errungenschaften schmücken zu wollen. Abschließend kündigt er an, alle im Portfolio von Bacardi befindlichen Produkte aus all seinen Gastronomien entfernen zu wollen.

Von Bacardi Global gab es später am Tage ein Statement des globalen Marketing-Direktors, Jacob Briars, das im Wesentlichen besagt, die Trennung in zwei verschiedene Events sei im Einvernehmen geschehen. Den Vorwurf, Bacardi habe versucht, Conigliaro bei der Durchführung seines eigenen Events zu behindern, weist er als falsch zurück. Überdies betonte Briars, dass das Engagement der Marke Martini im Radrennsport eine über viele Jahrzehnte gewachsene Tradition besitze. Das Statement ist u.a. hier einsehbar. Weitere Stellungsnahmen gegenüber MIXOLOGY machten Briars bzw. die PR-Agentur von Bacardi Global trotz vorheriger Ankündigung nicht. Was bleibt, sind zwei unterschiedliche Darstellungen eines Sachverhaltes, aus denen bei bloßer Sichtung der Texte der Eindruck hervorgeht, dass jene von Briars ausgeglichener und weniger eindimensional wirkt. Eine direkte weitere Reaktion Conigliaros auf Briars’ Stellungnahme ist (Stand 21. September) nicht bekannt. Gleichzeitig fliegt Conigliaro seine eigene Vergangenheit um die Ohren, denn im Zuge der Debatte um seinen offenen Brief und seine Ausführungen über Moral und Respekt ließen öffentliche Vorwürfe zutage treten, er habe seine frühere Ehefrau Ria Soler regelmäßig geschlagen und erniedrigt. Doch das ist dann wieder ein andere Sache, zu der es ja vielleicht kommende Woche mehr zu berichten gibt…

Photo credit: Shuttertsock

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