INVENTUR AM 29. APRIL 2018

News 29.4.2018

Happy Sunday! Wir denken heute über mögliche Karriereschritte nach, vergleichen die Biermärkte in Deutschland und den USA und holen uns Tipps, lukrativere Barkonzepte zu entwickeln.

Außerdem berichten wir von menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in der Saftindustrie. Und auch dem ewig schwierigen Thema der alkoholfreien Cocktails wollen wir uns erneut nähern – diesmal in London. Cheers!

Wir wünschen einen feinen Sonntag! Sind Sie noch zufrieden mit ihrem Bar-Job? Immer mehr Bartender wählen ja als nächsten Karriereschritt einen völlig neuen (Neben-)Beruf und werden Markenbotschafter. Für Leute, die in der Gastronomie tätig sind, könne dies eine interessante Erfahrung sein. Das berichten einige, die es ausprobiert haben. Man könne miterleben und lernen wie Sales-Teams und Agenturen miteinander an der Vermarktung von Produkten arbeiten. Doch der Beruf wird in der Szene auch zunehmend kritisch diskutiert.

Ein „Brand Ambassador“ müsse die Marke allerdings „leben und atmen“, erzählen andere. 49 Prozent der Persönlichkeit solle man der Marke überlassen, lautet ein Rat. Da bleibt nicht mehr allzu viel der eigenen übrig. Ob es sich dennoch lohnt? Und wohin es anschließend geht? Schließlich sehen wir auch in Deutschland in den letzten Jahren vermehrt Menschen, die der „Industrie“ den Rücken kehren und wieder hinter die Bar wechseln. All diese Fragen diskutiert Liquor.com in einer aktuellen Geschichte. Wir schauen uns derweil an, welche Themen diese Woche sonst noch wichtig waren.

Moderne Sklavenarbeit in der Saftindustrie

Sklavenarbeit mag nach einem anderen Jahrhundert klingen. Doch moderne Formen, bei denen Arbeitsrechte systematisch verletzt werden, sind hochaktuell. Das brasilianische Arbeitsministerium führt eine sogenannte „Schmutzige Liste“, auf der Unternehmen auftauchen, die ihre Arbeiterinnen und Arbeiter Bedingungen „analog zur Sklavenarbeit“ aussetzen. Im April 2018 ist dort erneut der brasilianische Saftkonzern Cutrale zu finden, bei dem u.a. Coca-Cola und auch die deutsche Edeka-Gruppe einkaufen.

Die Christliche Initiative Romero und die Organisation Repórter Brasil haben für ihre Studie „Ausgepresst – Hinter den Kulissen der Saftindustrie“ zum dritten Mal Arbeiterinnen und Arbeiter auf Plantagen besucht und herausgefunden: Sie sind giftigen Pestiziden ausgesetzt und leiden unter Hungerlöhnen sowie körperlicher Schwerstarbeit. Solange Coca-Cola und Edeka sich nicht von den systematisch ausbeutenden Herstellern distanzieren, können Verbraucher gegenhalten, indem sie Rainforest-Alliance- und Fairtrade-zertifizierte Säfte kaufen.

Erfolgsrezept: Bier aus Deutschland braucht eine Essenskultur

Der Biermarkt in den USA verändert sich rasant, das Brauereiwesen in Deutschland genießt eher eine gewisse Unantastbarkeit. Mattias Neidhart, Importeur für deutsche Biere in den USA, sagte vor zwei Jahren in einem Interview mit dem FAZ-Bierblog, die Deutschen würden ihr Bier überschätzen. Jetzt bat ihn „Reinheitsgebot“ erneut um ein Gespräch und fragte, was Deutschland von den USA lernen könne. Ein besonders interessanter Ansatz beleuchtet dabei weniger das deutsche Bier als die deutsche Essenskultur.

Italienische Restaurants in den USA würden laut Neidhart neben Weinen zwei, drei Massenbiere aus Italien anbieten. Der Kreativbier-Trinker wolle hier nämlich nicht sein lokales IPA trinken, sondern eine „authentische Erfahrung machen“. „Es gibt hier ganz offensichtlich eine Lücke – Craftbier aus der entsprechenden Essensregion, und in diese Lücke gehen wir rein und sind damit sehr erfolgreich“, so Neidhart. Abgesehen von Bayern gäbe es in den USA allerdings keine deutsche Esskultur, erklärt der Importeur. Aye – könnte man ja mal dran arbeiten.

Lukrative Barkonzepte aus den USA

„Balance zwischen Kreativität und Verantwortung“, wie Experten in den USA predigen, ist eine für Barkonzepte meist erfolgversprechende Maxime. Unverrückbare, teils skurril anmutende Standards sind für Bartender in Deutschland jedoch oft ein Argument, nicht in Hotels zu arbeiten. SevenFifty Daily hat sich nun bei einigen US-Fachleuten erkundigt – die besten Tipps, um die eigene Bar lukrativer zu machen, kann man sich jetzt also ganz entspannt (!) herauspicken:

Wichtig sei es beispielsweise, die Kosten richtig einschätzen – 18 bis 20 Prozent des Drink-Preises sollten die tatsächlichen Zutaten decken. Bei der Ausstattung gelte es, nachhaltig zu denken: von Stahl habe man am längsten etwas. Außerdem sollten die Räumlichkeiten möglichst funktional eingerichtet sein, denn kurze Wege würden dem Personal nicht nur Zeit, sondern auch Stress ersparen und nebenbei die Kommunikation erleichtern. Zu guter Letzt empfiehlt Alex Day noch (im weiteren Sinne) kreativ zu werden: Der Besitzer der New Yorker Nitecap Bar hat beispielsweise eine „Aperitif Hour“ auf dem Programm – eine kostengünstigere Variante der „Happy Hour“.

Alkoholfreie Drinks erfordern Kreativität

Alkoholfreie Drinks verlieren gerade ihren saisonalen Charakter. Was bisher vor allem nach guten Vorsätzen im Januar bestellt wurde, verkosten Bartender jetzt vielerorts ganzjährig. The Spirits Business sprach anlässlich des Trends, der beispielsweise in London seit Beginn des Jahres nicht abreißen will, mit führenden Barleuten aus der britischen Hauptstadt darüber, wie Cocktails ohne oder mit nur wenig Alkohol gelingen können – schließlich wird der Geschmack in traditionellen Drinks vor allem von ihm getragen.

Virgin-Getränken müsse man aus diesem Grund laut Rich Woods entsprechend mehr Geschmack verleihen. Tatsächlich, so der Chef der Spirituosen- und Cocktailentwicklung im Duck & Waffle, erforderten sie mehr Kreativität. Walter Pintus, Barmanager in der Serge Bar, erklärt außerdem: um antialkoholische Gäste zu locken, müsse man sich an Zuckeralternativen orientieren – Stevia und Bio-Honig etwa. Schließlich würden viele aus gesundheitlichen Gründen auch auf den Alkohol verzichten.

Photo credit: Shutterstock

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