Inventur am 8. Juli 2018

News 8.7.2018 2 comments

Happy Sunday! Heute schauen wir auf Zahlen aus Brooklyn, fehlende Volumenprozent bei Pernod Ricard und auf starke Statements von „Herrn Scholl“. Außerdem freuen wir uns auf die Berlin Beer Week und fühlen mit den Betreibern des weltberühmten Dead Rabbit. Willkommen zur Inventur!

Hereinspaziert, hereinspaziert! Sind Sie auch so durstig? Dagegen gibt es bald ein probates Mittel: Nur noch knapp zwei Wochen, dann beginnt in unserer wunderbaren Hauptstadt die mittlerweile vierte Berlin Beer Week. Vom 20. bis 29. Juli geht es in zahllosen Events, Verkostungen und Workshops in und um Berlin um alle Facetten des Gerstensaftes. Ausgerichtet wird die Bierwoche nach wie vor unter anderem von unserem geschätzten Bierexperten und freiem Mitarbeiter Dirk Hoplitschek, das soll nicht verschwiegen werden. Wenn Sie jedenfalls zu der Zeit an der Spree weilen sollten, möchten wir Ihnen das Programm der Berlin Beer Week wärmstens (oder lieber gut gekühlt?) ans Herz legen. Bis es losgeht, vertreiben wir uns die Zeit wie jeden Sonntag mit einem Blick auf die Themen und Texte der hinter uns liegenden Woche.

Bar Convent Brooklyn – hier sind die Zahlen

Knapp einen Monat ist es her, dass mit dem Bar Convent Brooklyn in New York der erste offizielle Ableger des Bar Convent Berlin seine Jungfernfahrt hatte. Nun liegt der offizielle Abschlussbericht des Veranstalters Reed Expo vor.

Insgesamt zeigt man sich extrem zufrieden mit dem Ergebnis der ersten Auflage: Über 3.100 Fachbesucher tummelten sich am 12. und 13. Juni im Brooklyn Convention Center, die sich die Stände von 155 Ausstellern anschauen konnten und denen insgesamt rund eine Viertelmillion Samples und Cocktails serviert worden sind. Auf den Bühnen traten mehr als 50 Redner von überall auf der Welt in Erscheinung, so dass die Premiere ebenfalls deutlich demonstrierte, wie wichtig man den Bildungsschwerpunkt des großen Berliner Bruders nimmt. Das verwundert es nicht, dass der Bar Convent Brooklyn bereits fest im Kalender steht und sogar mit Greenpoint Terminal um zusätzliche Ausstellungsfläche erweitert wird.

Auch Pernod Ricard beginnt mit „alkoholfreiem Gin“

Der generelle Trend, weniger Alkohol zu trinken, bleibet seit Jahren stabil. Nur nachvollziehbar, dass die großen Spirituosenhersteller allmählich beginnen, sich dieser Entwicklung in Form neuer Produkte zu widmen. Die „alkoholfreie Spirituose“ Seedlip aus dem zu Diageo gehörenden Hause Distill Ventures ist da das bislang prominenteste Beispiel. Und auch der nahezu alkoholfreie, in Dosen gefüllte Gin & Tonic von Weltmarktführer Gordon’s (ebenfalls Diageo) zeigt an, wie sehr man sich in den Chefetagen inzwischen der Thematik widmet – was nicht ohne Spott der Barszene abläuft.

Nun gesellt sich auch die weltweite Nummer zwei der Spirituosenindustrie, der französische Konzern Pernod Ricard, zu jenen Firmen, die mittels alkoholfreier Destillate versuchen, an Käuferschichten zu gelangen, die vermehrt auf Alkohol verzichten, aber dafür nicht auf Fruchtsäfte oder Limo zurückgreifen wollen. Wie Imbibe Mitte der Woche kommunizierte, bringt der Konzern zunächst in Großbritannien drei Qualitäten der Marke Ceder’s auf den Markt, die sich ganz dezidiert an Gin-Trinker richtet. Mit den drei Sorten „Classic“, „Wild“ und „Crisp“ bietet man sofort eine Auswahl innerhalb der Marke. Zu haben sein werden die Halbliterflaschen des „Alt-Gin“ zu einem Lancierungspreis von 19,99 britischen Pfund – also in etwas so viel ein anständiger Gin. Mal abwarten, was als nächstes kommt.

„Herr Scholl“ ist noch immer da

Man bekommt zwar nicht mehr so viel von ihm mit, doch Gregor Scholl – für alle und jeden stets nur „Herr Scholl“ – betreibt mit dem Rum Trader in Schöneberg noch immer die älteste freie Bar Berlins – eine echte Institution. Dazu gesellte sich die drei Jahre währende Episode mit dem Le Croco Bleu im Prenzlauer Berg. Und auch, wenn es still geworden ist um einen der Grandseigneurs der hiesigen Barszene, hat Herr Scholl doch noch immer viel zu sagen.

Das tut er aktuell in einem umfangreichen Interview mit den Kollegen vom Tagesspiegel – und das noch immer gewohnt meinungsstark. Sei es die Frage nach dem Dress Code im ca. 25 Personen fassenden Rum Trader, danach, ob sich die vielen derzeit in Berlin eröffnenden Bars alle werden halten können, oder aber die provokante Aussage, wer als Bartender einen Führerschein habe, der hätte den Beruf missverstanden. Der studierte Komponist, der seinerzeit beim legendären Hans Schröder den Barberuf gelernt hat, weiß um die Kunst der eleganten Provokation.

The Dead Rabbit stirbt vorerst den Feuertod

Eine schockierende Meldung für alle Barflys kam am 1. Juli direkt aus New York City: Denn dort zerstörte ein Feuer die weltberühmte Bar Dead Rabbit Grocery and Grog fast vollständig, wie zahlreiche Publikumsmedien am vergangenen Sonntagabend europäischer Zeit mitteilten.

Ausgebrochen sei das Feuer mutmaßlich während der Schließzeit der Bar in deren Küche, die Feuerwehr im New Yorker Financial District konnte zwar die umstehenden Gebäude schützen, das Dead Rabbit selbst wurde jedoch so gut wie vollständig niedergebrannt. Die Betreiber, Jack McGarry und Sean Muldoon, sprechen bislang von einer Schließung auf unbestimmte Zeit. Man darf also davon ausgehen, das die Bar für sehr lange Zeit geschlossen bleiben wird – wenn sie denn überhaupt wieder eröffnet.

McGarry und Muldoon hatten das Dead Rabbit 2013 eröffnet und als Reminiszenz an ihre nordirische Heimat inszeniert. Innerhalb kürzester Zeit erarbeitete sich die Bar einen herausragenden Ruf unter Bartendern und Barexperten, ein Ruf, der mit der Auszeichnung als „World’s Best Bar“ 2016 seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Ob und wann das Dead Rabbit wieder öffnen wird, werden die beiden Inhaber, die in New York unter anderem auch noch das Black Tail betreiben, zu gegebener Zeit bekanntgeben. Wir wünschen viel Glück!

Aktualisierung v. 9. Juli: Laut den Betreibern des Dead Rabbit wird die Bar voraussichtlich ab 19. Juli den Betrieb mit eingeschränkter Küche wieder aufnehmen können. 

Photo credit: Shutterstock

2 comments

    • Redaktion

      Hallo B.,

      ups, da müssen wir uns tatsächlich ankreiden, dass uns dieser Tweet just an dem Tag, an dem obiger Text verfasst wurde, leider entgangen ist. Wir entschuldigen uns für diese Unsauberkeit in unserer Arbeit, freuen uns, dass das Dead Rabbit so schnell wieder an den Start gehen kann, und wir bedanken uns ganz herzlich für Deinen Hinweis.

      Liebe Grüße aus der Redaktion
      // Nils Wrage

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