Sexy Bitters. Der nächste Streich von Klaus St. Rainer.

News 4.12.2013

Der umtriebige Münchener, Klaus St. Rainer, wird nicht müde. Neben seiner Goldenen Bar, beschäftigt er sich mit der Herstellung eigener Shaker und von Barzubehör aus Silber. Er hat mit Aqua Monaco zusammen sein eigenes Tonic produziert und bringt nun seinen ersten eigenen Cocktail-Bitter auf den Markt. MIXOLOGY ONLINE hat ihn verkostet und gefragt was wir noch erwarten dürfen.

Bitters zu verkosten ist eine etwas komplexere Angelegenheit. Die meisten anderen Spirituosen kann man in der Purverkostung einordnen. Genießbar oder eben nicht. Im nächsten Schritt folgt dann die detaillierte Auseinandersetzung und abschließend meist der Versuch, wie sich eine Spirituose in einem Cocktail präsentiert.

Cocktail-Bitters pur sind nicht unbedingt eine Flüssigkeit, die in großen Schlucken genossen werden. Ist die Nase oft schon mit den verschiedenen Aromen überfordert, bekommt die Zunge stante pede eine schallende Aromenohrfeige. Die Tropfen heißen nicht umsonst Bitters.

Man wählt natürlich trotzdem diese Variante der Purverkostung um eine Ahnung zu bekommen, was man erwarten kann.

Während sich die Zunge erholt, stellen wir dem Kopf hinter Sexy Bitters ein paar Fragen:

Mixology Online: Wie kam es zu der Idee eigene Cocktail-Bitters auf den Markt zu bringen?

Klaus St. Rainer: Ich habe in den letzten Jahren einige Bitters kreiert. Die Sexy Bitters sind allerdings mein absoluter Favorit, und die, auf die ich in der Bar nicht mehr verzichten möchte. Für mich war sofort klar, dass diese als Erstes auf den Markt kommen müssen. Vor allem weil ich die letzten Jahre auch oft dazu aufgefordert wurde.

Ursprünglich habe ich die Bitters nur für meine Bar und als Geschenk für Freunde hergestellt. Nach einer ersten Special Batch für Cocktailian, die innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war, musste ich jedoch feststellen, dass mein Produktionslabor für größere Abfüllungen nicht geeignet war. Allein das Filtern wurde zum Alptraum. Da aber immer qualitative vor finanziellen Interessen in meinem Leben stehen, musste ich noch einige Zeit warten. Letztlich ergab sich die glückliche Fügung der Zusammenarbeit mit Markus Lion und Florian Faude.

MO: Wieso Sexy Bitters?

KSR: Die Namensgebung ist für mich immer der schwierigste Part einer Eigenkreation. Als ich zum ersten Mal tief in diesen Bitter gerochen habe, dachte ich mir: „Sexy“! Wow, Sexy Bitters!

MO: Welche Zutaten sind im Sexy Bitters enthalten?

KSR: Von Beginn an bildet 86%iger Reisetbauer Blue Gin Feinbrand die Basis. Hans Reisetbauer ist was Qualitätsdenken betrifft ein Seelenverwandter und hat mich von Anfang an unterstützt und mir immer wieder Feinbrand für meine Versuche zur Verfügung gestellt. Diesen hochwertigen Qualitätsbrand als Basis beizubehalten, war mir unglaublich wichtig. In erster Linie benutzen wir sehr warme und weiche Gewürzdrogen wie Tonkabohne, Sternanis, Zimt, Nelken und Orange. Außerdem echte Angosturarinde. Gesüßt wird mit Rock Candy Sirup. Verdünnt wurde im Original mit gefiltertem Münchener Leitungswasser, das als einzige Zutat durch Quellwasser vom Kaiserstuhl ersetzt wurde.

MO: Wie sieht die Herstellung des Bitter aus?

KSR: Markus Lion ist zuständig für den Einkauf der Gewürzdrogen und der anschließenden Vermarktung. Hans Reisetbauer liefert seinen Feinbrand. Alle Zutaten werden nach meiner Originalrezeptur vom Jungbrenner Florian Faude zur Mazeration in einen großen Edelstahlbehälter gegeben. Nach vier Wochen wird das Ganze aufwendig gefiltert und dann auf Alkoholgehalt und Süße eingestellt. Vier Monate Reifung auf der Flasche helfen dem Bitter, sich voll zu entfalten. Bis auf kleine Austrübungen bleibt der Bitter aber über Jahre aromatisch stabil. Das ist aufgrund von Rückstellproben über fünf Jahre bewiesen. Die Flaschen sind original Apothekerflaschen.

MO: Wieso Pipetten statt klassischer Dashbottle?

KSR: Ich habe für mich schon immer Pipetten genutzt und finde diese sehr praktisch und hochwertig. Heißt aber nicht, dass künftig alle meine Bitters so aussehen werden.

MO: Es sollen also noch weitere Bitters folgen?

KSR: Nächstes Jahr gibt es einen richtig außergewöhnlichen Bitter, der neue Dimensionen eröffnen wird. Dominiert von einer Hauptzutat, die omnipräsent und doch viel zu vernachlässigt ist.

MO: Gibt es generell Überlegungen neben Sexy Bitters und Goldene Bar Tonic weitere eigene Marken zu lancieren?

KSR: Im Moment arbeite ich daran bestehende Marken auszubauen. Die Shakermanufaktur bietet nun einen komplett handgeschmiedeten Rührlöffel aus Sterlingsilber an und ein neues Shakermodell wurde gerade vorgestellt. Die Limonadenrange soll erweitert werden und neue Bitters wird es wie gesagt auch geben. Ich will nicht alles machen, aber was ich mache, will ich immer perfekt machen.

MO: Was macht die Faszination Bitters so speziell für Dich?

KSR: Bitters sind das Umami der Drinks. Sie sollen keine Aromen überdecken, sondern dabei helfen sie vielschichtiger und breiter zu schmecken. Außerdem liebe ich diese kleinen Fläschchen.

MO: Für welche Getränke empfiehlst Du den Sexy Bitters speziell?

KSR: Alle Drinks die nach Aromatic Bitters verlangen. Sexy Bitters runden jeden Drink auf wunderbare Weise ab, liefern aber trotzdem die gewünschte kräftige Bitterkeit eines Aromatic Bitters. Egal ob Pink Gin, Brandy Crusta, Martinez oder Manhattan.

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Zurück zur Verkostung.

Wer vorsichtig an der Flasche riecht, wird an Weihnachten denken. Viel Zimt, Orange und der unverkennbare Duft von Lebkuchen dominieren die Nase. Eine leichte Schärfe lässt sich erahnen und ergänzt die feinen Aromen von roten Früchten und Beeren.

Wie bereits erwähnt, ist die pure Verkostung nicht einfach. Wenig überraschend ist die Flüssigkeit Bitter. Eine feine Schärfe lässt sich erkennen. Süße von Anis und Zimt spielt eine Nebenrolle. Die von Klaus St. Rainer angesprochenen warmen und weichen Gewürzdrogen, die einen so an Weihnachten erinnern, zeigen sich sehr deutlich.

Um den Bitter zu testen, wähle ich einen Martinez. Plymouth Gin und Punt e Mes sollen mit Maraschino und Sexy Bitters den Abend einläuten.

Die Handhabung mit der Pipette ist ein wenig ungewohnt. Wie voll muss die Pipette sein, um einen Dash zu haben? Ich dosiere großzügig und sorge mich sofort, ob der Einsatz von so viel Bitters den Drink vielleicht überlagert.

Macht er aber nicht. Ganz im Gegenteil. Der Bitters ist prägnant, sehr deutlich wahrnehmbar ohne sich aufzudrängen. Eine angenehme Schärfe steht im Hintergrund, vordergründig umspielen die fruchtigen Spitzen die des Wermuts hervorragend.

Ich will nicht sagen, dass ich meinen Martinez ab sofort nur noch mit Sexy Bitters trinken werde, aber diese Variante überzeugt definitiv. Für jeden Liebhaber von Cocktail Bitters und für alle, die der Meinung sind, dass ein Bitters allein nicht reicht ist Sexy Bitters eine klare Kaufempfehlung. Nach dieser Premiere darf man sich auf kommende Produkte aus der Hand von Klaus St. Rainer freuen.

 

KSR Sexy Bitters Cocktail Flavouring

Preis: ca. 15 Euro

Vertrieb: Lion Spirits

Herkunft: Deutschland

Füllmenge: 0,1 l

Alkoholgehalt: 40 Vol. %

Internet: www.lion-spirits.de

 

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Lion Spirits erhalten. Außer den Produkten – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)

Bildquelle: Bitterflaschen via shutterstock.com

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