Zufriedene Frauen braucht die Nacht.

Notizen 1.2.2012 10 comments

Frauen sind der Antrieb vieler Bestrebungen im Nachtleben. Doch man macht es ihnen auch nicht immer leicht. Mehr Idioten als man denkt, werfen Sand ins Getriebe. Dabei sollten Frauen an der Theke nicht nur ihre Würde behalten, sondern müssen auch regelmäßig auf Händen getragen werden. Eine größere Herausforderung für den Bar-affinen Gentleman oder den Bartender der Moderne als erwartet.

Das Nachtleben ist die Bühne der Brünftigen. Die Kulisse für Dates, Flirts, One-Night-Stands oder sonstige Anbandelungen. Im feinen Zwirn, rausgeputzt, voller Tatendrang stürzt sich augenblicklich nicht die erste Generation in die Nacht, um dort Vergnügungen zu erfahren. Egal warum oder wie. Fällt der Schleier der Dunkelheit, öffnet sich der Vorhang für das zauberhafte Possenspiel des Sehen und Gesehen werdens. Kein ungefährlicher Schauplatz. Darsteller stehen plötzlich im ungewollten Scheinwerferlicht, andere lechzen nach Paraderollen und bleiben unbeachtet. Auch Cocktailbars bieten überraschende Stolperfallen. Vor und hinter der Theke. Besonders für Frauen.

Unterwegs zum Drink

Eine Hose, ordentliche Schuhe, ein Hemd und ein Sakko. Mehr braucht Mann nicht, um in jeglicher Gesellschaft, zumindest visuell, bestehen zu können. Fällt die Cocktailwahl schwer, muss ein Bier die Entscheidung überbrücken. Vielleicht werden es auch zehn. Stört kaum jemanden. Am wenigsten ihn selbst. Wie kommt die Damenwelt zum ersten Glas?

Frauen halten meist die Schuhfrage für die schwierigste des Abends. Welcher passt zum Kleid und welcher zur angestrebten Bar? Fühle ich mich nach schwarz oder rot, flach oder hoch, spitz oder rund? Frau macht es sich nicht einfach wenn es ums Fußkleid geht. Doch wenn das Kopfsteinpflaster geschafft ist und die Handtasche am Tresen hängt, stellt sich die Frage: Sagt der Drink in der Hand mehr aus, als der Schuh am Fuß?

Ringt sich der Mann von Welt durch, einen Drink zu bestellen, ist die Erwartungshaltung hinterm Tresen zumeist klar: Alles kann, nichts muss. Alkohol wird wohl drin sein. Aber alle Mädels werden mit Sicherheit gleich etwas Sahniges bestellen. Fruchtig und süß soll es am Besten auch noch sein?

Der Cosmopolitan. Vor allem seit der Propaganda in Sex and the City hat dieser Drink einen reißenden Absatz gefunden, Gefallen und Irritation ausgelöst. Viele Anhänger von Carrie und Co. hätten eher einen fruchtig, süßen, als einen realtiv herben und kräftigeren Drink erwartet. Einige zweit- oder drittklassige Bars sind in der Not schon dazu übergegangen die klassische Rezeptur mit Sirup zu „verfeinern“, um den süßen Ansprüchen der Gäste entsprechen zu können. Dass diese fruchtig, süßen und wahlweise auch cremigen Getränkewünsche nur dem weiblichen Geschmacksnerv zuzuordnen sind, ist ein Gerücht. Nicht zu leugnen ist leider, dass viele Bartender, die etwas auf sich halten, diese „Geschmacksverirrungen“ mit einem genervten, gelangweilten oder mitleidigen Blick quittieren. Als weniger komplex, langweilig und nicht zeitgemäß gelten Drinks mit Saft, Sirup und Sahne. Trockener, herber Stoff ist also zu bestellen? Aber ist es charmant als Bartender weniger den Wunsch und Geschmack des Gastes zu respektieren und zu unterstützen, als nach eigenen Präferenzen zu entscheiden? Der Wunsch eines Gastes, und vor allem der eines unterzuckerten weiblichen Wesens, sollte doch Priorität haben.

Liebenswerte Zechkumpanin

Emanzipation brachte einiges mit sich. Mädchen, so sagt ein modernes Sprichwort, konnten früher so gut kochen wie Mutter und heute so gut saufen wie Vater. Immer öfter scheint es, dass trinkfeste Frauen gegenüber Männern eine diffuse Anziehungskraft entwickeln. Die Gleichstellung der Frau bedeutet auch die Akzeptanz der Frau bei einem Umtrunk. Ist die Frau von heute eine Zechkollegin?

Die brünette Lady am Tresen bestellt, ohne mit den perfekt getuschten Wimpern zu zucken, ihren fünften Tanqueray Ten Tonic. Bei den Herren kommt stille Bewunderung für die trinkfeste Barbesucherin auf. Als Frau eine Bar zu besuchen reicht oftmals völlig aus, um zumeist ungewollt zum Männermagneten zu werden. Wenn Frau dann auch noch trinkfest ist, scheint bei vielen Männern direkt das Bild des besten Kumpels mit riesigen Brüsten, vor dem inneren Auge aufzuploppen. Die Frau am Glas kennt viele Herausforderungen. Eine der Königsdisziplinen ist aber wohl der Spagat zwischen Ipanema nippelndem Mäuschen und sturzbetrunkener Fremdschäm-Schnapsdrossel. Geschlechterübergreifend ist festzustellen, dass ein torkelnder Gang und eine lallende Ausdrucksweise keine attraktivitätssteigernden Attribute sind. Und ja, auch Frauen bewundern trinkfeste Geschlechtsgenossinnen. Wenn Frau aber selbst nicht zu dieser Spezies gehört, gelten alle Bemühungen nach dem x-ten Glas dem aufrechten Gang auf 10cm Absätzen und der Bändigung der langsam entgleisenden Gesichtsmimik.

Frauen als Bartender? Nun, der Begriff Barmaid ist nicht erst im vergangenen Jahrzehnt entstanden. Aber ursprünglich meinte man damit vielmehr Animierdamen. Im klassischen Geschlechterbild hat die Frau hinterm Tresen wenig zu suchen. Körperlich zu schwach und gegenüber betrunkenen Männergruppen mit zu wenig Autorität ausgestattet. Sollte die Theke doch lieber in Männerhand bleiben?

Laut klassischem Geschlechterbild gehören die Gründung einer Familie, Sicherung und Aufzucht der Nachkommen und das Führen des Haushaltes zu den wichtigsten Lebensaufgaben einer Frau. Die Natur gab Frauen hierfür eine phänomenale Multitasking-Fähigkeit, starke Nerven und einfach fabelhafte, weibliche Reize. Denjenigen, die das klassische Frauenbild für überholt halten, steht also nichts im Wege, ihr weibliches Naturell hinter dem Tresen auszuleben. Jeder männliche Kollege sollte sich über emotionale Intelligenz, weibliches Einfühlungsvermögen und weniger egofixiertes Getue in seinem Team freuen. Schade ist nur, wenn die männlichen Bartender-Attitüden, die naturgegebenen weiblichen Reize einer modernen Barmaid überlagern. Denn Frau hat wahrlich besseres zu bieten, als ihre männlichsten Eigenschaften nach außen zu kehren, nur weil sie in einer männerdominierten Branche arbeitet.

Je komplexer und vielseitiger die Barszene wird, desto höher werden auch die Erwartungshaltungen an Gäste. Zusätzlich prägen offenbar klischeehafte Geschlechtervorstellungen die Bühne der Nacht. Viele Bartender haben das Augenverdrehen zum weiblichen Drink oder zur  mädchenhaften Kollegin schneller parat, als ihren japanischen Rührlöffel, wenn es an einen Manhattan geht. Gott behüte, dass die Damenwelt dies alles übel nimmt und sich von Bars abwendet. Ohne die Zierde der Menschheit wäre unser wunderbares, nächtliches Possenspiel nicht mehr möglich.

 

aboutpixel.de / blütenschuhe © Annika

10 comments

  1. B. Jordan

    Diese Männlich-Weiblich-Kategorien gehen mir seit jeher auf den Nerv. Außer um den Reiz beim Liebesspiel zu fördern, sind die für nichts zu gebrauchen. Diese scharf begrenz(t)en(den) Inseln sind doch eigentlich nur billiger Blickfang auf einem farbigen Teppich fließender Übergänge. Enjoy and shake it, Baby! – bj

  2. Robert Vogel

    Schöne Überschrift, versprach ein interessanter Artikel zu werden. Leider an Banalität nicht zu überbieten!
    Frauen werden auf Kleider- und Schuhhalter reduziert die cremig-süße Drinks bevorzugen.
    Auch hinter der Bar haben sie anscheinend nichts zu suchen, weil sie zu schwach für betrunkene Männergruppen sind. Das ganze wird als klassisches Geschlechterbild bezeichnet.

    Vor der Theke sind Frauen die angenehmeren Gäste. Sie lassen sich beraten, sind offen für neues und trinken selten in ausgetretenen Pfaden.
    Männer wollen den Drink so wie sie ihn immer kriegen und werden im Zweifelsfall dem Barkeeper klar machen das er nix kann wenn der Drink nicht perfekt ist (in Ihren Augen). Es endet immer in gegenseitigem Imponiergehabe das der Barkeeper aus Erfahrung nach kurzem Austausch von Argumenten beendet.

    Frauen hinter der Theke sind großartig. Das Handwerk beherrschen sie und sind in ihren Empfehlungen deutlich kreativer und abwechslungsreicher als Männer. Das Frauen schwächer sind und nicht mit betrunkenen umgehen können ist falsch. Frauen wirken in solchen Situationen deeskalierend, schaffen es ohne viel Aufsehens die „Herren“ zu entsorgen und es wird zu keinerlei gegenseitigen Provokationen oder gar Handgreiflichkeiten kommen.

    Als Zechkumpane sind Frauen auch deutlich angenehmer als Männer. Meistens vertragen sie mehr als Männer (bei vergleichbarem Körpergewicht, liegt am subkutanen Fettgewebe). In der Regel wissen sie aber wo die Grenzen sind und lassen es gar nicht erst zu entgleister Gesichtsmimik kommen.

    Ich möchte mal einen Mann sehen der nach dem fünften Gin Tonic auf High Heels eine gute Figur macht.

    Es sollten viel mehr Frauen hinter und vor den Theken sitzen und stehen. Es würde der „modernen Barkultur“ extrem gut tun.

    Mann nimmt sich leider viel zu ernst !

    In einem Magazin für Barkultur fand ich es überraschend einen Artikel voller Klischees und solcher Banalität zu finden

  3. Steffen Hubert

    Lieber Herr Vogel,
    danke für die Wiederholung dessen, was oben schon zwischen den Zeilen steht.

    Eventuell übersehen sie, dass der Artikel von zwei Personen verfasst wurde, explizit Klischees anspricht, im völligen Bewusstsein, dass es Klischees sind und darum schreit, dass man diese Klischees verlässt.

    Wenn sie den Artikel unter diesen Umständen als banal bezeichnen, komm ich nicht umhin, zu vermuten, dass der Artikel für Sie zu subtil war. Was erschreckend wäre. Denn eigentlich ist alles sehr offen angesprochen 😉

    Es grüßt Sie,
    Steffen Hubert

  4. Robert Vogel

    Sehr geehrter Herr Hubert,

    leider bedienen Sie genau diese Klischees mit Ihrer Antwort.

    Erst auf die zwei Autoren hinweisen und dann dem Leser unterstellen, das er den Artikel nicht verstanden hat, also zu dumm ist um die schriftstellerische Leistung überhaupt würdigen zu können.

    Genau diese Art von „Imponiergehabe“ geht mir auf die Nerven.

    Wir könne uns gerne weiter über diese Klischees und ihre Überwindung (speziell vor und hinter dem Tresen) austauschen, Meine E-Mail Adresse haben Sie ja.

    Viele Grüße

    Robert Vogel

  5. Steffen Hubert

    Lieber Herr Vogel,
    ich habe den Eindruck, wir reden an uns vorbei. Oder ich bin zu blöd, um Ihrer Argumentation zu folgen.

    Daher noch mal: Ich kann in ihrem ersten Kommentar nichts Neues oder Anderes finden, als Dinge, die schon im Text angesprochen wurden. Ebenfalls ist Ihre Conclusio mit der des Textes vergleichbar. Darauf machte ich Sie mit einem Augenzwinkern (!) aufmerksam. In diesem Zusammenhang machte ich mir keine Gedanken über Ihr Bildungsniveau. Unterschiedliche Interpretation voN Texten ist wahrlich nichts, was mit Intelligenz und Dummheit zu tun hat.

    Falls Sie MIXOLOGY ONLINE weiter verfolgen, werden sie regelmäßig Texte finden, die zum Denken und zur Debatte anstoßen und einladen sollen. Der Weg dahin kann vielfältig sein. Manchmal sind es eben Klischees, die vor der Nase rumgeführt werden. Das hat mE gar nichts mit Banalität zu tun und das lasse ich mir in diesem Zusammenhang auch ungerne vorwerfen.

    Der richtige Weg, um sich über Klischees und deren Überwindung weiter auszulassen, bzw. Ihre Meinung dazu kundzutun, wäre also in diesem Falle nicht der eMail Kontakt, sondern die Kommentarfunktion, die sie bisher nutzten. Dafür gibt es die Funktion und dafür wurde der Text geschrieben 😉

    Es grüßt,
    Steffen Hubert

  6. Britta Jordan

    Vielen Dank, Herr Vogel!
    Bin ganz Ihrer Meinung.

    Herr Hubert:
    Da brauchen Se ja nich so mit den Armen zu rudern… dit war nüscht.
    Na, kann ja mal passieren, wahrscheinlich waren Sie abgelenkt
    ….von der „Zierde der Menscheit“.

    Gruß,
    BJ

  7. Tierdompteur

    Vielen Dank Frau Jordan, vielen Dank Herr Woge und auch (exemplarisch) vielen Dank Herr Hubert.

    Der gerügte Beitrag ist leider mittlerweile symptomatisch für Mixology online (leider auch zunehmend im analogen Medium). Zweit bis drittklassische journalistische Qualität, die nach erstklassischem gastronomischen Anspruch ruft und – sollte eine Leser die Berichterstattung bemängeln – rechthaberisch „ihr habt mich nicht verstanden“ , oder „gib Ruhe Jean-Pierre Ebert“ schreit.

    Oder (eigentlich noch schlimmer) pubertäres „Warum wir Barkeeper „geil“ sind“- Gejohle, das sich nicht mal traut „geil“ ohne Anführungsstriche zu schreiben, weil dafür wiederum die Eier fehlen.

    (Darf man eigentlich „Eier fehlen“ einfach so schreiben, oder muss man es zwischen Anführungsstriche verstecken?)

    Ich habe bisher jeder Ausgabe der Mixology entgegen gefiebert, als wäre sie der Weihnachtsmann, mittlerweile fehlt es mir dann doch stark an Substanz, Qualität, Originalität und Charakter.

    Ich wünsche mir sehnlichst mehr Sorgfalt, weniger redundante Textbausteine (vor allem bei Barbesprechungen) und vielleicht als Messlatte das CLASS Magazine, in dem z.B. ein Artikel über die Diplomatico Destillerie auch mehr als zwei Seiten und SUBSTANZ haben darf. Weniger kann mehr sein, meine Herren!

    Zu den „zufriedenen Frauen“ fällt mir noch der Kommentar eines Dozenten während meiner Studienzeit ein:

    „Wenn sie eine Komödie machen und niemand lacht, dann ist es eine Tragödie“.

    In diesem Sinne noch eine lustige Nacht.

  8. Redaktion

    Sehr geehrter Tierdompteur,

    danke für Ihre anonyme Kritik auf die ich, stellvertretend für die Redaktion, als Chefredakteur eingehen möchte.

    Da Sie anonym kommentieren, kann ich Ihren Hintergrund nicht einschätzen. Allerdings besteht die Vermutung, dass ein anonymer Kommentator – noch dazu, wenn er sich derart pauschal äußert – „keine Eier hat“, um eine Formulierung von Ihnen aufzugreifen.

    Im Gegensatz zu Ihnen sind wir der Meinung, das beste MIXOLOGY Magazin zu produzieren, das es jemals gab. Dies bestätigen auch die geprüften Zahlen bei Abonnenten und Käufern am Kiosk. Noch nie wurde unser Medium von so vielen Menschen gekauft und wahrgenommen. Bei MIXOLOGY ONLINE haben wir unsere Reichweite seit dem Relaunch im letzten Jahr verdoppelt.

    MIXOLOGY wurde von Bartendern ohne journalistische Ausbildung gegründet. Bartender, die für Bartender und Gastronomen schrieben. Entsprechend emotional und „punkrockig“ (Sie verzeihen bitte die eierlosen Anführungszeichen) war oft der Stil in den ersten Jahren. Heute dagegen beschäftigt die Redaktion weitestgehend professionelle Journalisten und Autoren, die auch für renommierte überregionale nationale und internationale Medien arbeiten. Dass es angesichts dieser Tatsache bei Ihnen immerhin zur Zweit- oder Drittklassigkeit reicht, freut und ehrt uns. Und so dürfen wir uns den Hinweis erlauben, dass die Verwendung von Anführungszeichen als adäquates Stilmittel eingesetzt wurde. Hier handelt es sich um die mitgedachte ironische Brechung, da es sich bei „geil (sein)“ genaugenommen und bekanntermaßen um einen freudvollen physischen Zustand, nicht aber um ein Adjektiv handelt. Den meisten Lesern ist das – auch ohne Studium – nicht entgangen.

    Ich wünsche mir sehnlichst mehr Sorgfalt, weniger redundante Textbausteine (vor allem bei Barbesprechungen) und vielleicht als Messlatte das CLASS Magazine, in dem z.B. ein Artikel über die Diplomatico Destillerie auch mehr als zwei Seiten und SUBSTANZ haben darf. Weniger kann mehr sein, meine Herren!

    Als Leser müssen Sie natürlich keine Kenntnisse über die kommerzielle Seite eines Mediums haben. Wir helfen Ihnen aber gerne mit ein wenig Aufklärung. Class als Medium wurde Ende der 90er-Jahre von einem Getränkevertrieb mitgegründet, der heute unter dem Namen Coevintners agiert. Später wurde die Marke an William Reed Publishing verkauft. Nach unseren Informationen hält der Verlag immer noch die Rechte, die Simon Difford von Oddfirm of Sin, einer Firma, die in die Herstellung und Vermarktung mehrerer Produkte involviert ist, gestaffelt über mehrere Jahre zurückkauft.

    Auf der Internetseite von Class Magazine war bis vor Kurzem noch der Hinweis zu lesen, dass man jeden einzelnen Beitrag des Magazins kaufen könne. Nicht als Leser, sondern als Marke oder Produzent.

    Ihr Hinweis auf Class als Benchmark und einen mehrseitigen Artikel über Diplomatico hat hier in der Redaktion allerdings mit unserem Hintergrundwissen für erhebliche Heiterkeit gesorgt. MIXOLOGY als Medium agiert um Klassen transparenter als Class. Wir arbeiten mit Offenlegungen, hypen keine Daiquiri Bitters, die wir selbst produzieren und überlassen die Bewertung von Produktproben unabhängigen Bartendern. Wir haben bei der Produktion unserer Inhalte immer das Interesse des Lesers als Primat. Wenn Sie von „Substanz“ sprechen, meinen Sie dann monetäre Substanz?

    Wir persönlich halten Class für ein gut gemachtes Magazin, betreut von einem exzellenten Designer. Mit Ian Cameron hat Class außerdem einen erfahrenen Print-Profi im Team, der die Branche kennt. Aber unsere Benchmark liegt woanders. Brandeins ist Benchmark. Beef! ist Benchmark. Da stehen aber mit großen Verlagen andere Kräfte dahinter, als ein kleines Team in einem Hinterhof Kreuzbergs sie aufzubringen vermag.

    Daher ist es uns – trotz größter Bemühungen -, bisher nicht gelungen, so dicke Eier zu haben wie Sie. Aber wir arbeiten hart daran. Und so fiebern wir Ihrem nächsten substanzgeschwängerten anonymen Kommentar entgegen, als käme Shakespeare im Weihnachtsmannkostüm und trüge uns die Poetik des Aristoteles vor. Bis dahin streiten wir uns mit unseren Freunden, Lesern, Kritikern und produzieren mal Tragisches, mal Komisches.

    Herzlichst – Ihr Markus Orschiedt und das MIXOLOGY-Team

  9. Jean-Pierre Ebert

    „Besonders starkes machistisches Verhalten wird als auffälliges Muster oft einzelnen Subkulturen zugeschrieben, wie der Bodybuilding-Szene, Hooligan-Szene, Hip-Hop-Szene, Autotuning-Szene, Skinhead-Szene usw.“ (Wikipediaauszug: Macho)

    Sollten wir nicht Barkultur ergänzen? Unbedingt, ohne persönliche Wertung!

    Machismus, ein fast religöses Thema. Aber völlig ungeeignet, um auf der Basis die Qualität von Mixology zu diskutieren. Zudem, man muss es nicht allen recht machen, es ist gar unmöglich. Umgekehrt muss einem nicht alles Gefallen, wie hier bereits geäußert.

    Herr Chefradakteur, Ihre lange Antwort ist ehrenwert. Aber ist die positive Tendenz von offensichtlichen Merkmalen wie Auflage, Reichweite, Wachstum und denkbaren, unbekannten Merkmalen wie Umsatz, Einkünfte, Personalstärke nicht inherente Antwort genug? Ihre Antwort ist überflüssig. Schreiben Sie lieber etwas schönes, auf das wir etwas kurzweilig-interessantes zum Lesen haben.

    Sonnigen Gruss

    p.s. Ihr Lektorat ist wie immer willkommen.

  10. Britta Jordan

    Zufriedene Frauen braucht die Nacht … ?
    Heißt der Umkehrschluss:
    Die Nacht kann unzufriedene Frauen nicht brauchen?

    Der zufriedene Mensch, ob w ob m, geht nachts, sofern er nicht gerade dann sein Brot verdienen muss/will, wohl eher nicht raus, um seine Penunsen in mehr oder weniger schwer zu erreichende Alkoholika umzuwandeln.
    Dass Gäste (w/m) prinzipiell unzufrieden den Laden betreten, ist normal. Sollte der eine oder andere Bartender es zufällig schaffen, eine von uns zufriedenzustellen, dann hat er einfach mal gutes Karma an dem Abend. Mit Tür aufhalten und dem janzen behindertenfreundlichen Schnickschnack ist bei einem wirklich unzufriedenen Weib nicht viel auszurichten.
    Mehr als langweilige Verhaltensfloskeln und Kommunikationsriten ist tatsächliche Präsenz gefragt. Wirklich hinschauen… Augen, Mimik, Gestik, Tonlage. Nach all den Windbeuteln, die einem im Tagwerk einen guten Lauf versauen, möchte man fraulich- wie menschlicherseits des Nächtens endlich mal jemand Wahrhaftigen treffen, weil wenn, dann nur da mal Narrenfreiheit zu finden wäre. Und ein Narr ist , wer die Wahrheit spricht. Ein guter Lacher, auch über sich selbst, hat schon manches Magengeschwür trotzt zu süß gemixter Cocktails abgeschreckt. (Am Rande: Nicht jede meckert prinzipiell, es gibt tatsächlich zu saure Sours.) Und weil die Wahrhaftigen mit erkenntniserwachsenem Respekt vor Wesentlichem solche Edelsteine sind unter all dem Geröll, liebe ich auch die „geil-Anführungszeichen“ in der Überschrift des vom „Tierdompteur“ als „Gejohle“ beschimpften Artikels. „GEIL“ ist für jeden anders und trotzdem bleibt es GEIL, dass jeder weiß, was gemeint ist, obwohl es jeder anders meint. Das ist wohl ein paar „Gänsefüßchen“ wert.
    Der „Puls der Dunkelheit “ ist übrigens auch etwas völlig Anderes als der „Puls der Nacht“. Danke nochmal, Herr Hubert, sehr inspirierend!
    Ich selbst kann also durchaus substanziell Anregendes und sogar aufregend Poetisches hier finden. Dass letztlich die „Wer-hat-die-größeren-Eier-Fede“ mehr in Erinnerung bleibt, muss wohl an meiner weiblichen Konditionierung liegen…

    😉 BJ

    PS.: Was sagt Marie Zoe Constant eigentlich dazu?

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