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OMG – tschechische Gin-Wucht

Zack, da ist wieder einer. Eine weitere Spirituose, deren Hauptaroma dem Wacholder entstammt. Genau, ein neuer Gin. Aber irgendwie übt dieser Gin eine seltsame Anziehung aus. Ob es das einfache, aber witzige Etikett ist oder schlicht die Tatsache, dass der Gin aus Tschechien stammt, kann dabei gar nicht genau begründet werden.
Tschechien, bisher eher berühmt für Becherovka als für Gin ist also das Herkunftsland des heute vorzustellenden Produkts. Das letzte Mal in den Schlagzeilen war Tschechien 2012 im Zusammenhang mit Alkohol, aber aus sehr unrühmlichen Gründen.
Leichterer Griff zu hochwertigen Produkten
Dieser unrühmlichen Anlass war der Skandal um mit Methanol gepanschte Spirituosen, die vor etwa 18 Monaten mehrere Todesopfer in Tschechien forderten und der dazu führte, dass der Ausschank von Spirituosen zwischenzeitlich untersagt wurde. „Als Resultat steht ein Anstieg in der Nachfrage nach hochwertigen Spirituosen, während billige Produktionen in den Regalen verstauben.“ So sieht es jedenfalls Martin Zufanek, Hersteller und Destillateur von OMG – Oh My Gin.
In zweiter Generation destilliert die Familie Zufanek mittlerweile im Osten Tschechiens. Was mit der klassischen Obstdestillation und dem wohlbekannten Slibowitz begann, ist mittlerweile ein florierendes Familienunternehmen, in dem sowohl die Gründer Marcela und Josef Zufanek tätig sind und in das mittlerweile auch die drei Söhne Martin, Josef und Jan ihre Arbeit einbringen.
In einer modernen Kolonnendestille wird neben den klassischen Obstbränden nun also auch Gin destilliert.
Ein Produkt für Bars
Insgesamt sind es 16 Botanicals die OMG seinen typischen Geschmack geben. Neben dem offensichtlichen Wacholder sind es unter anderem Lavendel, Kubebenpfeffer, Koriander auch Orangenschalen und Blätter der Winterlinde. Ein Teil der Zutaten werden für 36 Stunden mazeriert, zwölf Stunden vor der Destillation wird der zweite Teil der Kräuter hinzugefügt und direkt, bevor das Gemisch in die Brennblase wandert, werden noch Orangenschalen hinzugefügt. In zwei Kolonnendestillen mit jeweils 300 Litern Volumen wird dann destilliert und ein Gin mit etwa 80% Vol. Alkoholanteil produziert, welcher dann auf die 45% Vol.Trinkstärke verdünnt wird. Pro Batch werden 12000 Liter Gin produziert.
Verkauft wird Oh My Gin aus zwei einfachen Gründen in Halbliter-Flaschen. „Zum einen mag ich keine Literflaschen. Ok. für Wein, aber nicht für Hochprozentiges. Zum anderen wollen wir so den Gentleman Way of Drinking unterstützen“, benennt Martin Zufanek die Gründe für die Verkaufsgröße. Noch dazu ist der Gin ausschließlich in Bars oder auf kleinen, landwirtschaftlichen Märkten erhältlich, die sich komplett einem Bio-Zertifikat verschrieben haben.
Für Tschechien, wo das durchschnittliche Gehalt 2013 noch knapp unter der 1000 € Marke lag, ist der Verkaufspreis von 485 Kronen, also knapp 18 Euro, ohnehin alles andere als ein Schnäppchen. In den guten Bars der größeren Städte sind die Gäste allerdings scheinbar gewillt hohe Summen für hochwertigen Alkohol auszugeben. Laut eigener Aussage konnte man bei Zufanek in den letzten 5 Jahren ein Wachstum von 30% vermerken. Ein guter Moment also, um die steigende Bekanntheit zu nutzen und in den wachsenden Ginmarkt mit einzusteigen.


Die Verkostung
Seit Kurzem ist der Gin in Deutschland erhältlich und MIXOLOGY ONLINE hat ihn verkostet. Auf den Tisch kommt Oh My Gin in einer kleinen gedrungenen Flasche mit hellem Etikett. Optisch und haptisch sticht der blaue OMG Schriftzug hervor, ansonsten gibt man sich recht puristisch. Wacholder und Zitrusfrüchte beherrschen die Nase, begleitet von einer angenehmen Würze und einer leicht pfeffrigen Note. Im zweiten Moment wird die typische Frische von Koriandersaat sehr deutlich. Ein sehr positiver erster Eindruck.Im Mund dann eine Wacholderbombe. Wuchtig mit einer leichten Schärfe tritt der Gin an, zeigt sich dann würzig und bleibt ewig präsent im Mundraum. Ein angenehmer, klassischer Dry Gin, der sympathisch zurückhaltend mit Premium-Floskeln und dem Werben um Außergewöhnlichkeit umgeht.
Auch als Gin & Tonic macht OMG eine gute Figur. Ein frischer, sehr süffiger Longdrink, in dem der Gin das Tonic Water dominiert. Wacholder, Koriander und eine leichte Schärfe runden diesen Eindruck ab.
Bei der Vielzahl an Gin die in den letzten Monaten in Erscheinung getreten sind, eine sehr positive Kreation die mit knapp 30 Euro pro 0,5 Liter zwar kein Schnäppchen ist, aber eine gut sortierte Ginauswahl sinnvoll ergänzt.

Credits

Foto: Tschechien via Shutterstock

Comments (2)

  • Steffen

    Danke für den Hinweis, ich habe letzte Woche in Prag gleich mal zwei Flaschen gekauft (hat dort knapp 20€ gekostet) und bin auch sehr angetan von diesem Gin!

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