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Ohne Worte, Yamazaki Whisky prämiert

Nicht nur die einschlägig bekannten Medien der Getränkeindustrie berichten die Tage über eine, man könnte fast sagen sensationelle Nachricht. Auch Spiegel Online, Welt, Faz und der Stern haben die Schlagzeile ganz oben im Nachrichtenstrom.
Ein Whisky aus Japan wurde durch „Jim Murray’s Whisky Bible“ mit einer Punktwertung von 97,5 von möglichen 100 als bester Whisky der Welt noch vor den Schotten prämiert. Der Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013 aus der gleichnamigen Brennerei des Hauses Yamazaki. Abfüllungen des 12- und 18-jährigen sind bereits gängig im europäischen Raum.
Yamazaki blickt mittlerweile auf ein 100-jähriges Bestehen zurück. Die Brennerei wurde 1923 von Shinjirō Torii als erste Destillerie in der Präfektur Osaka in Japan eröffnet. Mit ihren Produkten Yamazaki 12y und 18y wurden sie bereits mit Gold prämiert.
Der Schottenschocker
Im Spiegel heißt es:“ Whisky aus Japan prämiert: Der Schottenschocker … Es ist eine herbe Niederlage für die schottischen Destillerien … Das Urteil ein Ritterschlag … “
In der Faz ist die Schlagzeile ebenso eindeutig: „Blamage für Schottland … In der Rangliste der weltbesten Whiskys kommt in diesem Jahr erstmals kein einziger Scotch unter die besten fünf.“ An dieser Stelle dürfen wir uns bei der Faz für die bisher noch unbekannte Nachricht bedanken, dass  „Jim Murray’s Whisky Bible“ tatsächlich die einzige Rangliste für internationale Whiskys ist. Wir gingen bisher immer von der Annahme aus, da gäbe es noch ein oder zwei mehr.
Weiter im Text sprechen sie vom Traditionshersteller Yamazaki. Also warum ihm nicht die Auszeichnung gönnen?
Im Sinne der Tradition
Wenn man bedenkt in welchem Land – nämlich Schottland – der Gründer der Yamazaki Brennerei gelernt hat, ist es kein Wunder, dass ein nachgefahrener passionierter Destiller, mit großem Engagement für Whisky, ein Produkt schaffen kann, das seinen Vätern ebenbürtig ist. Anstelle diese Nachricht einer Blamage gleichzustellen, sollte man sich vor Augen führen, ob es nicht eine Homage an die Erfolgsgeschichte des schottischen Whiskys ist, zumal Yamazaki den Kennern schon lange ein Begriff ist. Es ist eher der fachlichen Unkenntnis der großen Publikumsmedien zuzuschreiben, dass sie sich über ein derartiges Votum überrascht zeigen. Aber wer ist Jim Murray?
Der fehlbare Papst
Zu Jim Murray äußert sich die Netzgemeinde schwankend. In einigen Foren liest man von fragwürdigen, nicht nachvollziehbaren Bewertungsmethoden. Allgemein wird er als Papst der Whiskywelt betitelt. An dieser Stelle sollte man nicht vorenthalten,  dass er zunächst ein großer Bourbon-Fan ist und Päpste bekanntlich nicht unfehlbar sind. Sonst wäre die Erde noch immer eine Scheibe und die Sonne ein Trabant, der sich um sie dreht. Dass alle Geschmäcker einer subjektiven Meinung folgen ist selbstverständlich und daraus macht er auch keinen Hehl. Eben so, wie es sich für eine Bibel ziemt.
Die Stimmen der Anderen
Doch auch der Experte ist nicht die einzige Stimme der Whiskygemeinde. Andere Organe wie zum Beispiel die World Whisky Awards oder International Wine & Spirits Competition adressieren die Medaillen immer noch durchgängig an schottische Brenner. Die Glenfiddich 125th Anniversary Edition gewann die Trophäe für den besten Single Malt Scotch Whisky in der alterslosen Kategorie. Bei den über 15 Jährigen gewann der Bowmore Islay Single Malt 25y. Worldwide Whisky gewann Kavalan Single Malt. Also, Japan oder Schottland, das Destillat ist globalisiert und über die Kunst seiner Herstellung werden noch viele Worte verloren werden.
 

Credits

Foto: Whiskey Fass via Shutterstock

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