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Pearl’z vor die Säue? Neustart in Bochum

Pott und Portwein? Maloche und Mojito? So ganz wollte das nie passen. Umso verdienstvoller ist der Neuzugang im Bochumer Bermudadreieck: Pearlz. Henning Riecken und seine Crew bieten der Generation Jumbo-Drink seit Kurzem ein überfälliges Upgrade an.

 

Nicht überall, wo „Bar“ drauf steht, sind gute Drinks drin. Eine Binsenweisheit, zu der man auch im Ruhrgebiet heftig nickt. Denn natürlich werden Hektoliter an Shots und bunten XXL-Drinks verabreicht auf der Partymeile Bochums, dem Bermudadreieck. Wo die Landnahme im öffentlichen Raum mittels Biergarten zur lokalen Folklore gehört, ist man schließlich auch beim Wirkungstrinken nicht wählerisch. Doch die XXL-Trinker von gestern werden ja auch älter, ruhiger, und wenn nach dem Abzahlen des ersten Eigenheims und der Scheidung noch Geld übrig bleibt, geben sie’s auch aus. Zum Trost und zum Trotz.

Bei den rund 80 Lokalen im Kiez beim Hauptbahnhof sind daher schon einige dabei, die moderne Um-die-Häuser-Zieher erwarten: Frische Burger werden gebraten, Craft Beer-Kneipen gab es als zeitgeistige Sahnehaube auf dem Italo-Kebap-Schluckstuben-Gemenge. Aber eben keine Bar mit mixologischem Selbstverständnis. Insofern darf man den Namen der „Pearl’z“ auch als Programm auffassen. Ein rares Schmuckstück urbaner Drinkkultur im Bermudadreieck, das Bochum wenig mondän gerne mit „3“ schreibt, als wäre man noch in den 1990ern.

Kampfzone Biergarten, Feindbild Pre-Mix

Henning Riecken uns sein Team machen das, was eigentlich jede gute Bar tut. Nur eben nicht dort, wo es auch alle anderen tun — so geht Pionierarbeit halt. Den Bekehrten predigen kann schließlich jeder. Der Missionar hingegen exponiert sich. Insofern wissen die Perlentaucher auch, dass man nicht übertreiben sollte mit der Kreativität. Ein wenig klingt es nach Bildungsauftrag, wenn Bar-Mastermind Henning Riecken seufzt: „den Basilikum im Gin muss man immer noch erklären“. Listig wird daher über eine mehr als kulante Preispolitik den Pott-Bewohnern die Schwellenangst genommen. Mit 5,90 Euro ist man beim Highball mit Bisongras-Vodka dabei, die Standards sind nahezu alle um 7,90 Euro zu haben. „In München und Hamburg würden wohl zwei bis vier Euro mehr zu Buche stehen“, gibt Riecken den Realo. Auch bei der Einrichtung – Sichtbeton, Holzregal im IKEA-Stil und zartes Karibikflair – wollte man nicht verstören.

Die Karte ist logisch aufgebaut und setzt unter ihren 35 alkoholischen Positionen auf moderne Klassiker (wie den schon angesprochenen Gin Basil Smash) und eine satte Highball-Auswahl, aber auch einen Signature-Mojito. Der stellt überhaupt so etwas wie den Angelpunkt dar, denn frische Säfte und Zutaten wie die lokal geernteten Himbeeren für den „Raspberry Mojito“ stehen für den deutlichen Unterschied zu den XXL- und Jumbodrinks nebenan. „Den Mojito kennen dann doch viele vom Hörensagen, aber hier bei uns bekommen sie ihn einmal frisch zubereitet“. Zumal der karibische Einschlag so etwas wie die thematische Kernausrichtung darstellt. Gerne arbeitet man mit Havana Club, kubanisches Feeling soll mit Drinks wie dem „El Draque“ auch ins Ruhrgebiet transferiert werden. Fragt man den Pearl’z-Bartender und MIXOLOGY-Autor Philipp Gaux, der gerade seine Schicht übernimmt, kommt das Angebot auch an: „Seit Februar werden die Gäste mehr. Vor allem der brechend volle Außenbereich macht viele neugierig, was hier abgeht“.

Showpieces statt Vodka-Exzesse

Mit Vodka hält man es in Rieckens Team vorsichtig, aber auch Craft Beer überlässt man weitgehend den anderen Dreieck-Bewohnern. „Bei uns sollen die Drinks im Fokus stehen“, so Riecken. Die Crew selbst hält sich dafür unter anderem durch gezielte Wettbewerbsteilnahmen á jour, die kreierten Showpieces wie der „Little Italy“ werden in den Normalbetrieb integriert: Der mit Rosmarin und Amaretto kombinierte Maker’s Mark passt hervorragend zum Sommer. Den „Señor Ximenez“ mit Auchentoshan, PX-Sherry und Brombeeren heben wir uns für den herbstlichen Besuch auf.

Anfixen mit der Cocktail-Kultur

A propos Jahreszeiten. Monatlich wechselnde Drinks sorgen für den saisonalen Touch: „wir arbeiten viel mit der Tafel“, so Riecken. Aktuell etwa serviert man einen mit Curry infundierten Havana Club mit Karottensaft. Dafür hat man 12 Gewürze kombiniert, denn eines signalisiert man in der Kortumstraße gerne: Wir gehen nicht den einfachen Weg. Zudem sieht die „Pearl’z“-Bar ihre Rolle als Cocktail-Leuchtturm auch strategisch: „Klar, zuerst muss ich die Leute heranführen, aber dann eben auch immer was Neues anbieten“. Immerhin folgen bereits etliche Gäste, die Rieckens Konzepte aus dem benachbarten Essen kennen, am Wochenende dem Ruf der Signale aus dem Bermudadreieck. Und wenn man schon einmal verschollen gehen sollte, dann sicher lieber hier im karibischen Drink-Meer als in der künstlich aufgepeitschten Premix-See rundum.

Comments (3)

  • AntonZ

    Jetzt wollen die alle mit Basilikum mixen!!! Schumann wird kotzen wenn er diesen Artikel lesen würde.
    Wie viel habt ihr kassiert um so ein Mist zu schreiben. Im ernst, jeder der aus Bochum kommt weiß daß der laden ein flop ist! “ Vor allem der brechend volle Außenbereich“ soll das ein Witz sein?? Waren Sie schon mal da? 7 Leute, 3 davon Personal machen keinen vollen Außenbereich !!
    Meine Wut gilt nicht dem Pearl’s, sondern diese schwachsinnige, billige, unrealistische Berichterstattung!

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    • Redaktion

      Lieber Antonz,

      vielen Dank für Ihren mehr als aufschlussreichen, hintergründigen und konstruktiven Beitrag. Wir machen uns derweil mit all dem kassierten Geld einen glamourös-teuren Sommer (der Bochumer Champagner bei uns fließt ohne Unterlass) und fragen uns, was genau ausgerechnet Charles Schumann mit Basilikum zu tun haben soll.

      Vielleicht schauen sie sich ja in Bezug auf ihre saftigen Vorwürfe einmal unsere selbst auferlegten Transparenzregeln an: https://mixology.eu/transparenz/

      Mit amüsierten Grüßen aus der Redaktion,

      Herzlichst // Nils Wrage

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  • THEb

    Hallo,

    ich möchte dann auch mal meinen Senf dazu geben.

    Ich selbst habe die Pearl´z Bar sehr weit oben auf meiner Favoriten-Liste und in Bochum und Umgebung sogar auf der Platz 1.

    Wer billigen Alkohol braucht, mal wo anders als zu Hause Fußball sehen will, oder einfach zu Hause kein Internet hat und einen Hotspot sucht, ist dort natürlich an der falschen Adresse 😉 Aber ich bin immer gerne dort um mit meinen guten Freunden und Bekannten zu quatschen, was leckeres und hochwertiges zu trinken und einfach einen angenehmen Abend in guter Atmosphäre zu verbringen.

    Kritik sollte wenigstens ansatzweise objektiv oder produktiv gestaltet sein. Ohnehin beruht jede eigene Meinung immer auf subjektiv empfundenen Erfahrungen. Daher: Wer genau so denkt wie ich wird dort sicher nicht enttäuscht werden.

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