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Piña Colada. Mit Mut zum Saft.

Bahama Mama und Piña Colada. Schon die Namen klingen nach karibischen Tagträumereien mit Strohhut und Hängematte. Warum also der schiefe Blick aus müden Bartenderaugen, wenn man ihn im kühlen Europa bestellt, um geschmacklich in die Ferne zu schweifen. Outet man sich tatsächlich als Dorfproll, der keine Ahnung von Drinks hat oder als verweichlichter Bodylotion-Nutzer, der es gern fruchtig-süß und ein bisschen cremig hat? Was ist falsch am puertoricanischen Nationalgetränk?

Zugegeben, der Piña Colada schwingt ein bisschen das Klischee von einem Drink mit, den man mehr oder weniger gut gemixt in Pseudostrandbars an 17-jährige All-inclusive-Touristinnen ausschenkt, um den Verlauf der Strandparty in eine gewünschte Richtung zu lenken. Dabei ist der Kokoscocktail schon bei einem ganz anderen Schlag von Menschen beliebt gewesen. Darf man dem gesponnenen Seemannsgarn glauben, so trank bereits der Pirat Roberto Cofresí eine Mischung aus Ananas, Rum und Kokoswasser. Überprüfbar ist diese Legende heutzutage zwar nicht mehr, aber durchaus plausibel, wenn man bedenkt, dass Kokoswasser oft als Trinkwasserersatz genutzt wurde und ‘ne Buddel voll Rum so eng mit Piratengeschichten vernäht ist, wie die schwarze Totenkopfflagge.

Wenn es um die Erfindung der Piña Colada geht, streiten sich einige Bartender noch heute. Obwohl die Geschmackskombination schon seit Jahrhunderten in der Karibik bekannt ist, machte das Caribe Hilton auf Puerto Rico den Drink 1954 populär. Mit dem Durchbruch des elektrischen Mixers und der kommerziellen Vermarktung von Kokosmark stand einem Siegeszug von Piña Colada und anderen Frozen Drinks nichts mehr im Weg. Zumindest bis zum heutigen Zeitalter, in dem Cocktailnerds lieber mit teeinfusioniertem Gin, anstelle von Karibikträumen hinter dem Tresen arbeiten.

Einem durchaus gelungen Kompromiss aus minutiös geekhaftem Cocktailmischen und einer fruchtigen Piña Colada verdanken wir dem Einzug von „Cusine Style“ hinter dem Tresen. Weißer Kokosschaum mit dem Aroma weißer Schokolade, karibischem Rum, Ananaspüree und tiefgefrorenen Ananasstücken. Alles geziert von einem kleinen Papierschirmchen. So bezaubert die Berliner Drayton Bar mit „This is not a Piña Colada“ den Gast und hinterlässt neben einem guten Gefühl auf der Zunge auch eine Frage, die man sich gerade bei den ersten warmen Sonnenstrahlen stellen kann:

Oh Saftdrink, du verpönter süßer Tikischatz, in dem so ferne Träume von weißem Sandstrand, türkisblauen Karibikbuchten und sich im Wind wiegenden Palmen romantisch mitschwimmen. Warum bestellt man an deiner Stelle einen  Manhattan oder Gin & Tonic, deren Namen allein nichts außer Betonklotztristesse in der Großstadt assoziieren.

 

Piña Colada

Adaptiert nach einer Rezeptur von Ramon ›Monchito‹ Perez, Caribe Hilton, Puerto Rico.

6 cl leichter puertorikanischer Rum (z.B. Don Q oder Bacardi)

4 cl Kokosmark

4 cm dicke Scheibe Ananas, ohne Rinde und Kern, in Stücke geschnitten

Glas: Tumbler

Garnitur: Ananaskeil, Ananasblatt

Zubereitung: Die Ananas in Stücke schneiden und mit den anderen Zutaten in den elektrischen Mixer geben. Zwei Schaufeln gestoßenes Eis dazugeben und den Mixer mit dem Deckel verschließen. Ca. 30 Sekunden bis eine Minute auf höchster Stufe blenden und ins Gästeglas füllen.


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Comments (3)

  • Die Drayton Bar verwendet Ananaspüree anstelle von Ananassaft.
    Nur der Form halber..:)

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  • Pingback: Pina Colada. Von Bartendern für Bartender.

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  • Hier wird ja auch kein Ananassaft verwendet 😉
    Aber über dieses Rezept kann man sich ja streiten, manche nehmen Saft, andere ganze Früchte im Blender, manche shaken die Pina Colada, ein anderer gibt Sahne dazu usw…
    Ich gebe gern etwas Overproof Rum in ein Shakerglas, neben Ananasstückchen und braunen Rohrzucker und zünde diesen an. Anschließend muddeln und ein Schuss Bacardi, Cream of Coconut, Sahne und ab in den Blender mit Cruched Ice 😉

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