Das Labor in der Bar. Bartender kreieren ihre eigene Marke. (3)

Porträts 12.4.2012

Vom Experten zum Erzeuger: Im zweiten Teil unserer Serie stellen wir wieder drei Produzenten vor, die ihren eigenen Weg von der ersten Idee bis zum Vertrieb ihrer Marken diokumentieren.

Merkur galt nicht nur als Gott der Händler und Seefahrer, sondern auch der Künstler. Seine Schnelligkeit und Gewandtheit verliehen Merkur Flügel, so dass er an allen Orten gleichzeitig zu wirken schien. Der Beruf des Bartenders vereint ebenfalls diverse Berufsgattungen: Gastronom, Künstler, Conferencier, Diplomat, Chemiker und Designer. Grund genug, von einer Barwissenschaft zu sprechen, wenn wir all dies zusammen zählen.

Wird der Bartender  aber zum Barbesitzer oder schafft mit seiner Einrichtung gar eine Marke, ist es nur noch ein kurzer, aber bedeutsamer  Schritt  vom Entrepreneur zum Produzenten: Bartender suchen, testen und kreieren Getränke, entwickeln eigene Rezepte und setzen Trends. Was liegt also näher, dank der gesammelten Erfahrung und Fachkenntnis selbst zum Erzeuger zu werden und eigene Produkte auf den Markt zu führen? Nun, vergleichbar wäre die Entscheidung eines Autors, selbst zum Verleger zu werden: Die Sachkenntnis ist das Rüstzeug, doch die Marktkenntnis muß erst noch erworben werden.

Doch wann und warum wandelt sich Merkur vom Künstler zum Unternehmer? Unser Autor Daniel Khafif hat deshalb einige Unternehmer gefragt, wie sie ihre Produkte erfolgreich auf dem Markt platzieren konnten.  Ihre Antworten stellt MIXOLOGY ONLINE in einem spannenden Vergleich gegenüber.

So unterschiedlich manchmal die Vertriebs – und Produktionsschritte erscheinen mögen, ist allen Portraitierten eines gemeinsam: Eine ungebremste Leidenschaft zum Produkt,Wagemut und Lust am Unternehmen. In der aktuellen Folge, die wir aufgrund Ihrer Länge in zwei Teile aufgesplittet haben, stellen wir Ihnen wieder passionierte Entrepreneure und deren Produkte vor:

 

1)            Peter Kowalczyk, (PK) „Lebensstern Dry Gin“, Berlin.

2)            Daniel Biernatowski, (DB) „Beezkiz“- Honiglikör, Wadersloh.

3)            Mario Grünenfelder & Thorsten Bruchertseifer, (MG/TB) “Greenfield & Harter – Gin & Vodka“, Berlin.

 

5 – Welche Risiken entstanden bzw. entstehen bei Produktion und Vertrieb?

PK: Zusammen gefasst entstanden in erster Linie kaufmännische Risiken:

Schwierigkeiten, zum Beispiel bei der Produktion, wurden durch hochprofessionelle Unterstützung gelöst. Mit einer Kooperation mit den Inhabern der Marke „The Bitter Truth“ (Siehe Teil eins unserer Serie, Anm. d. Red.) entstand die Erstauflage des Lebensstern Pink Gin, welcher eine ganz eigene Gin-Gattung wieder neu aufleben ließ.

DB: Tja, wenn ich meine eigenen, zu diesem Likör minutiös ausgeklügelten Arbeitsschritte nicht haarfein abhandle oder die Witterung und auch die finanzielle Struktur nicht für alle Zutaten zum passenden Moment genügt, kann hier schnell mal ein ganzer Ansatz von 30 Litern verloren gehen. Und das tut natürlich weh.

Im Vertrieb herrscht stets ein feines Zusammenspiel zwischen Souveränität und Verspieltheit.  Nachmachen kommt überhaupt nicht in Frage – bei uns geht es vielmehr um das gewisse Etwas. Es wird auf jeden Fall immer mal wieder etwas schief gehen können, doch daraus können wir, wie so oft, nur lernen.

TB: Das Risiko ist im Grunde relativ gering, da wir bislang immer nur so viel produzieren, wie wir tatsächlich benötigen. Wir hatten bisher auch keinen Vertrieb, also sind die Fixkosten noch minimal und sehr überschaubar. Das hält natürlich auch das mögliche Risiko sehr gering. Wir sind aber gerade dabei, Vertriebswege im In- und Ausland aufzubauen und welche Risiken dabei vielleicht entstanden sein werden, erzähle ich hier gern beim nächsten Mal.

 

6 – Wie funktionieren der Vertrieb und der direkte Absatz?

PK: Innerhaus erfolgt der Vertrieb über den Ausschank sowie über den Umstand, daß wir unseren Gästen das eine oder andere Fläschchen für den häuslichen Genuß zum Erwerb anbieten. Entsprechend bieten wir seit Neuestem den Lebensstern Dry Gin, den Lebensstern Pink Gin sowie den Lebensstern Elderflower Liqueur auch als Miniatur à 5cl an. Auch diese Formate erfreuen sich äußerster Beliebtheit.

Der bundesweite und internationale Vertrieb erfolgt indes über die Firma Haromex, so daß unsere Produkte auch regional sowie über den Fachhandel international Fuß fassen konnten.

DB: Wir zwei Partner haben uns im Unternehmen nach unseren Talenten aufgeteilt: Jens ist das geborene „Plappermaul“ mit Köpfchen. Er ist somit auch für den Vertrieb zuständig.  Dagegen bin ich der Mischer und der Genießer, mit praktischer Erfahrung in der Likörherstellung. Unser anfängliches Vertriebs-Tool war vorerst unsere Mundpropaganda, dann natürlich unsere persönlichen Netzwerke und letztlich auch das große Soziale Netzwerk mit dem kleinen „f“.

TB: Der Vertrieb wird in Zukunft Über die Firma Welifa funktionieren. International haben wir auch schon einen guten Partner gefunden, der uns zunächst in Spanien an die Hand nehmen wird. Wie es dann weiter geht, werden wir sehen.

 

7 – Wie verläuft die Kundenresonanz und wo (Medien, Messen, Bar) erzielen Sie die beste Aufmerksamkeit?

PK: Selbstverständlich bekommen wir die Kundenresonanz direkt von unseren Gästen. Ferner erreichen uns interessierte Zuschriften und Anfragen aus dem In- und Ausland, welche wir an unseren Partner Haromex Development GmbH weiterleiten. Darüber hinaus bekommen wir natürlich auch Resonanz über unseren Vertriebspartner. Unsere Lebensstern Produkte werden zur Zeit in mehreren europäischen Ländern über jeweilige Vertriebspartner vertrieben: Diese stellen unsere Produkte auf bzw. in  lokalen Messen aus, um den Publikum die Geschichte unseres Hauses, der Idee und der Entwicklung unserer Produkte mit sehr viel Liebe näher zu bringen.

DB: Da wir auf dem Markt im Grunde genommen noch echt „mini“ sind, bekommen wir unsere Resonanz schon noch direkt über die Theke. Messeauftritte und große Plattformen, in die zu investieren wäre, sind für 2012 bislang nicht geplant. Erst einmal brauchen wir ein wenig mehr Bekanntheitsgrad, weitere Absatztiefe und ergo Kapital.

 

8 – Sind zukünftig weitere Marken geplant?

PK: Das möchten und werden wir bestimmt nicht ausschließen. Wir werden aber unseren eigenen Weg weiterhin mit unseren Vertriebspartnern gehen, um auf Nachfrage und Angebot adäquat reagieren zu können.

DB: Ja, in der Tat: Beezkiz ist erst der Anfang.  Zehn saisonale Geschmacksvarianten sind bereits in Mazeration. Sollte Beezkiz weiter gut anlaufen und damit Kapazitäten für weitere Investitionen ermöglichen, haben wir auch noch die eine oder andere Überraschung im Köcher. Da wir unsere Liköre in jedem Schritt selbst herstellen, sind wir somit nicht an Mindestmengen und große Fixkosten gebunden. Das bedeutet, hier können wir auch sehr flexibel sein, wenn es um weitere Rezepturen und Zielgruppen geht.

TB: Wir planen auf jeden Fall noch weitere Produkte. Wir werden sicher noch einen anderen Gin machen und uns an den einen oder anderen Likör trauen. Zeitlich gibt es da allerdings noch keine Planung, alles zu seiner Zeit.

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