Van Nahmen. Privatkelterei mit ökologischem Spitzenprofil

Porträts 10.5.2011

Rote Sternrenette, Haschberger Holunder und Konstantinopler Apfelquitte sind wie Kaiser-Wilhelm-Apfel und Frambozen Rhabarber keine wüsten Frucht-Mixturen aus niederländischen Laboratorien. Sie sind vielmehr ehrwürdige und einstmals verbreitete Früchte, die heute als bedroht gelten. Am Niederrhein gibt ein Familienunternehmen diesen und anderen Sorten eine zweite Chance und darf sich nicht nur aus diesem Grund seit mindestens 1995 als Vorreiter des globalen Denkens und des regionalen Konsumieren verstehen.

Einige Familien widmen sich über Generationen hinweg einer gemeinsamen Leidenschaft. So auch die van Nahmens aus dem beschaulichen Hamminkeln im nordwestlichen Nordrhein-Westfalen. Das Familienunternehmen Van Nahmen kann auf nahezu ein Jahrhundert Geschichte zurückblicken. Im Jahr 1917 als „Rheinische Apfelkrautfabrik“ gegründet, wurde Mitte der 30er-Jahre, als Pasteurisierung auch in Deutschland üblich wurde, mit der Herstellung von Obstsäften begonnen.

In dritter und vierter Generation halten die Van Nahmens bis heute an ihrer handwerklichen Mostertradition fest, was ihnen unzählige Erfolge beschert hat. Allein 2010 wurden 19 Säfte des Hauses von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) ausgezeichnet.

Für Peter van Nahmen, den augenblicklichen Junior Chef des Hauses, stand es nie zur Debatte, ob er später einmal in die von ihm liebevoll als „Saftladen“ bezeichnete Privatkelterei mit einsteigen wird. Es war nur eine Frage der Zeit. Da er von klein auf „an der Presse mit Großvater gestanden“ sei, war die Berufung schnell erkannt. Zehn Jahre bei Schlumberger Deutschland dienten als Zwischenschritt und zur Sammlung von betrieblicher Erfahrung.

Lohnmosterei mit Hang zum Naturschutz

Die Privatkelterei der van Nahmens ist heute, wie schon vor knapp 100 Jahren, eine Lohnmosterei. Privatperson liefern immer noch an einer der 20 Sammelstellen ihr Obst ab und erhalten dafür einen bestimmten Umfang an Saftflaschen. Für Peter van Nahmen liegen die Vorteile auf der Hand: „Das Obst von privaten Beständen stammt, mit Plantagenbäumen verglichen, von relativ alten Gewächsen und ist daher zwangsweise intensiver.“

Dass dieses Obst in seinen Rundungen und Größenverhältnissen den üblichen EU-Normen nicht entspricht und daher im weitläufigen Obstverkauf wohl liegen bleiben würde, kümmert die van Nahmens wenig: „Hauptsache es schmeckt gut.“ Neben den anliefernden Privatpersonen konnten mit 188 regionalen Partnern Verträge abgeschlossen werden, die weiteres Obst nach eigenen und ziemlich exakten Vorstellungen zum Pressen anliefern. Zumeist handelt es sich dabei um unbehandelte und reife Früchte von Streuobstwiesen. Und immer öfter auch um vom Aussterben bedrohte Sorten.

Dies wird von den Privatkelterern offenbar würdig entlohnt, denn zur Ernte auf Streuobstwiesen konnte man vor wenigen Jahren nicht wirklich viele aus den Häusern locken. Im Gegenteil. Die vor 100 Jahren für die Verpflegung der Bevölkerung noch bedeutenden Wiesen wurden, im Zuge größerer Flurbereinigungen, in den 70ern und 80ern des vergangenen Jahrhunderts dem Kahlschlag ausgeliefert. Denn man konnte mehr Geld mit dem Fällen eines Baumes als mit dem Verkauf seiner Früchte verdienen.

Dies änderte sich erst wieder in den 90ern, als es, dank dem wachsenden Interesse am Naturschutz, offensichtlich wurde, dass der Erhalt der Streuobstwiesen für den Fortbestand einer natürlichen regionalen Biosphäre unabdingbar ist. Mit ihrem Einsatz für Streuobstwiesen sind die Kelterer vom Niederrhein schon lange nicht mehr alleine, doch nur die wenigsten können behaupten, seit nahezu zwanzig Jahren auf diese Weise im regionalen Naturschutz aktiv zu sein.

Weihnachtsäpfel und andere Einzigartigkeiten

Vor wenigen Jahren wagten sich die van Nahmens noch einen weiteren Schritt nach vorne. Auslöser war eine Obstsortenschau, für die sie ihre regionalen Partner baten, auch alte Sorten auszustellen. Am meisten Aufmerksamkeit wurde der Roten Sternrenette zuteil. Eine Apfelsorte, die vielen noch als Weihnachtsapfel bekannt ist, da sie früher stets ein integraler Bestandteil des Adventsschmuckes war. In Dekorationsläden ist der prägnant sternförmig gemusterte Typus heute noch als Plastikvariante zu ergattern. Neben der Musterung punktet der Apfel durch einen intensiven und eigenwilligen Geschmack. Es entstand daher die Idee eines sortenreinen Sternrenetten-Saftes.

Verkostungen unterschiedlichster Obstsorten und weitere sortenreiner Produkte folgten. Eine aufwändige und kostspielige Angelegenheit, für die viele der 25 Mitarbeiter im Van-Nahmen-Betrieb anfänglich nur ein Kopfschütteln übrig hatten: „Die waren sich sicher, dass es nicht funktionieren kann“, erzählt van Nahmen. „Denn immerhin mussten wir einen stolzen Preis für die sortenreinen Säfte verlangen.“ Doch Abnehmer wurden genügend gefunden, die anfängliche Unsicherheit legte sich und von den knapp 5000 Flaschen Sternrenetten-Saft des letzten Jahres ist keine mehr erhältlich. Für sortenreine Säfte aus Roter Sternrenette, Kaiser-Wilhelm Äpfel, Konstantinopler Apfelquitte, Morellenfeuer und Rubinette sowie einem Dutzend weiteren Preziosen finden sich übrigens nicht nur irgendwelche Abnehmer.

Für Staatsakte und die Spitzengastronomie

Kein geringerer als Jan-Göran Barth, der Küchenchef im Bundespräsidialamt, schenkt Van-Nahmen-Säfte an Gäste bei Staatsempfängen aus und nutzt sie auch bei der Zubereitung seiner Speisen. Zum jährlichen Sommerfest des Bundespräsidenten, zu dem Größen aus der ganzen Bandbreite der deutschen Gesellschaft geladen werden, reisten im letzten Jahr 10 Personen aus dem niederrheinischen Unternehmen an. Dieses Jahr wird Peter van Nahmen mit einigen Mitarbeitern wieder vor Ort sein.

In der gehobenen Spitzengastronomie sind neben dem Bergisch-Gladbacher Vendome, dass erst kürzlich wieder im internationalen Vergleich als bestes deutschsprachiges Restaurant bewertet wurde, viele weitere erstklassige Häuser auf der Referenzliste der Van Nahmens zu finden. Auch in der Barszene haben van Nahmen Säfte schon ihren Einzug halten können. In der international viel beachteten Kölner Capri Lounge räumt Barchef Volker Seibert einigen Produkten des Familienunternehmens seit drei Jahren einen Platz ein neben einem der umfassendsten Spirituosensortimente im deutschsprachigen Raum. Auskunft in Köln über Erfahrungen mit der Marke waren schnell eingeholt: „Einen der Apfelsäfte haben wir vergangenen Winter für den Hot Buttered Rum benutzt, was sehr gut ankam“, so Seibert. „Quittensaft verwenden wir für alkoholfreie Cocktails und den Rhabarbernektar, ein ausgezeichnetes Produkt, haben wir neben weiteren sortenreinen Apfelsäften des Hauses ebenfalls auf der Karte.“

Peter van Nahmen selbst hatte natürlich durch seine Arbeit beim Vertriebsunternehmen Schlumberger bereits Kontakt zu vielen Bars. Gegenüber Mixology zeigte er sich beeindruckt und erfreut über die Entwicklung der letzten Jahre und wünscht sich eine noch weiter greifende, intensivere Auseinandersetzung mit regionalen Produkten.

Ein Prozess der bereits vielfach angestoßen wurde und im Zuge des größeren Kundeninteresses an Produkten aus heimischen Gefilden durchaus auch in den nächsten Jahren an Boden gewinnen dürfte. Sicher werden da auch die Säfte aus dem Hause van Nahmen ihren Platz finden.

Denn neben den außergewöhnlichen Sorten, die die Marke bietet, bestechen die Säfte, wie eine redaktionsinterne Verkostung zeigte, auch durch herausragende Qualität und beeindruckende Geschmacksintensität. Dieses Tasting wurde dann umgehend durch eine von Bartendern durchgeführte Blindverkostung für die kommende Mixology-Ausgabe unterstrichen. Das exakte Ergebnis kann Anfang Juni in Mixology Issue 3/2011 in der Rubrik „Verkostet und Bewertet“ nachgelesen werden.

 

Kontakt:

Obstkelterei van Nahmen KG

Diersfordter Straße 27

46499 Hamminkeln

 

Tel.: +49 (0) 28 52 / 53 35

Fax: +49 (0) 28 52 / 54 40

 

Link: www.vannahmen.de

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