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Prestige Selection Tour #3: Chivas

Ab ins Herz der Speyside! Da ließ sich Klaus St. Rainer nicht zweimal bitten. Gemeinsam mit Markenbotschafter Ian Logan ging es auf Streifzug durch die Stillhouses. Mit dabei: jede Menge Aroma, viel Spaß, eine gute Portion Haggis und ein tiefer Einblick in einige der traditionsreichsten Whisky-Häuser.

Ian Logan ist ein Mann wie ein Baum. Tatsächlich ist der wuchtige Mittvierziger mit seinem hellen Teint, den rötlichen Locken, dem imposanten Nacken und dem Akzent, der besonders beim gerollten „r“ und dem kurzen „i“ in „time“ auffällt, schon ein ziemlich schottischer Schotte. Aus Sicht des Klischees fehlen ihm zur Perfektion wahrscheinlich nur zwei Dinge: ein ebenso rötlicher Vollbart und ein „Mac“ am Anfang des Nachnamens.

Doch damit nicht genug. Denn Logan ist außerdem internationaler Markenbotschafter für die Whiskies aus dem Hause Chivas Brothers. Dazu gehören – neben den Single Malts wie z.B. The Glenlivet, Scapa und Aberlour – auch die beiden weltberühmten Blends Ballantine’s und Chivas Regal mit seinem Stammsitz, der Strathisla-Destillerie im Örtchen Keith, mitten im Herzen der Speyside. Jener kleine Landstrich also in den endlosen Highlands, an dem sich die Brennereien konzentrieren wie sonst nur die Schafzucht.

Eine Einladung, die Malt-Liebhaber neidisch werden lässt

Gemeinsam mit den Single Malts der genannten Brennereien gehören die höherwertigen Blends von Chivas Regal zur neu formierten Prestige Selection. Jener Auswahl, in der der Pernod-Ricard-Konzern seine kostbarsten und edelsten Abfüllungen zusammenfasst. Und so lud Ian Logan gemeinsam mit Max Warner, ebenfalls internationaler Brand Ambassador für die Chivas Brothers, hohen Besuch in die Speyside und nach Edinburgh ein: für den Münchener Bar-Impresario Klaus St. Rainer und den Fotografen Claus Föttinger hieß es also „Scotch voraus“.

„Scotch ist nach wie vor meine absolute Lieblingsspirituose“, räumt Rainer gleich zu Beginn des ersten Abends in der berühmten Edinburgher Bar Bramble ein. „Keine andere Gattung ist derart vielseitig.“ Und nach wie vor hat Whisky in Schottland eine Sonderposition. Zwar zeigt die abendliche Bartour durch das Bramble, The Bon Vivant, das Devil’s Advocate und El Cartel eindrucksvoll, dass die zeitgenössische Barkultur zwar in all ihrer Pracht angekommen ist. Aber dennoch bleibt Whisky in den besten Adressen der Metropole das Zentralgestirn. Wo sonst bekommt man etwa außerhalb von Japan ein Schlückchen des eigentlich streng beschränkten Chivas Regal Mizunara Finish? Gerade heutzutage stehen Scotch Whisky und eben auch Chivas Regal wieder für klassische Eleganz, Traditionsbewusstein und Geselligkeit, aber auch für Offenheit und einen modernen Umgang mit dem eigenen Erbe.

Alles auf Anfang: von Getreide und Mash Tuns

Schon eine Zugfahrt später allerdings waren keine Bars mehr zu sehen. Der Whisky dafür umso mehr. Insgesamt drei Brennereien standen auf dem Programm der Reise: Neben der gewaltigen Glenlivet-Destillerie mit ihren stattlichen 15 Pot Stills ging es ebenfalls in die kleineren Häuser von Aberlour und Strathisla – aber immer mit dem gleichen Anspruch: kein übliches Besucherprogramm im frisierten „Visitor’s Center“ sollte geboten werden, sondern hautnahe Whisky-Erfahrung. So wurden nicht nur Kameras, sondern auch interessierte Nasen in die Mash Tuns (Maisch-Tanks) und hölzernen Washbacks (Gärbottiche) gehalten.

„Uns geht es darum, den gesamten Prozess zu zeigen“, erläutert Logan die Idee der Reise. „Es soll nicht einfach nur das Übliche über Whisky erzählt werden. Mir war es vor allem wichtig, auch jene Übergänge zu zeigen: so ein Washback riecht nicht wirklich gut. Aber sein Inhalt – die ‚Wash‘ – ist nunmal der Zwischenschritt und damit Bestandteil jedes Scotch.“

Und ein ebenso wichtiger Bestandteil jedes Whisky ist nicht nur sein Destillat, sondern ebenso die Reifung – also auch Holz, Cask-Management und Blending. Zum Programm gehörte daher ebenfalls ein Besuch der Speyside Cooperage, einer Riesen-Fassbinderei, die seit Jahrzehnten durch Reparaturen sowie Anfertigung neuer Fässer dafür sorgt, dass den Brennereien nicht die ‚Casks‘ ausgehen.

Das Holz ist das Herz

„Das eigentliche Herz der Herstellung unserer Whiskies sind dann aber besonders die ‚Warehouses‘“, erwähnt Logan auf dem Weg zu einem dieser verplombten Lagerhäuser, in denen die Brände zur gewünschten Alterung reifen. Und er fährt fort: „Ich bin so gerne in den Warehouses, weil es hier einfach tatsächliche, gelebte Geschichte gibt, die man riechen und anfassen kann. Manche der Fässer hier sind so alt, dass die Menschen, die sie seinerzeit befüllt haben, wahrscheinlich alle längst nicht mehr unter uns weilen. Das fasziniert mich. Außerdem ist es natürlich einfach herrlich, diesen letzten, aber langen Schritt der Reifung mitzuerleben.“ Fast beiläufig klopft Logan gut gelaunt auf das kostbarste Fass im Besitz von The Glenlivet: eine Hogshead-Größe von 1966, deren Inhalt auf einen Wert von rund 2,5 Millionen Euro taxiert wird.

Mit den beiden Whisky-Liebhabern Klaus St. Rainer und Ian Logan treffen zwei Menschen aufeinander, die durch einen entscheidenden Aspekt geeint werden: sie beide haben ihre große Leidenschaft zum Beruf gemacht. „Ich nenne das, was ich jeden Tag mache, für gewöhnlich nicht ‚Arbeit‘. Dafür liebe ich es einfach noch viel zu sehr“, so Logan während der Verkostung einer neuen Nàdurra-Fassstärke von Glenlivet. Er sei irgendwann zum Whisky gekommen wie die Jungfrau zum Kinde, meint der Kaufmannssohn. Doch nach seinem ersten richtigen Kontakt mit der Nationalspirituose seiner Heimat war die Sache eigentlich klar. Heute vertritt der bärenhafte Mann zusammen mit Max Warner bereits seit einigen Jahren die Whiskies von Pernod-Ricard auf internationaler Ebene. Im Gegenteil zu vielen klassischen Brand Ambassadors jedoch vor allem gegenüber Konsumenten während sich Warner in erster Linie um die Bartender kümmert.

Nicht gegen die Regeln. Aber gegen die Konvention

Für Klaus St. Rainer steht in seiner täglichen Arbeit ein Aspekt häufig im Vordergrund: „Ich mag keine Regeln. Dadurch engt man sich meist zu sehr ein“, meint der Betreiber der Goldenen Bar im Münchener Haus der Kunst. Nicht nur in Bezug auf die Drinks, sonders auch beim Interieur eine der aufregendsten Trinkstätten der Republik. Zu ebendieser Freiheitsliebe gehört auch schon immer die kreative Arbeit mit schottischem Whisky, etwa mit Kreationen wie dem „Dirty Old Bastard“, „Zacharias“ oder „Kramer’s Breakfast“ (der ebenfalls auf einen The Glenlivet Nàdurra zurückgreift). Ebenso jenseits konventionalisierter Regeln ist es Chivas Regal seinerzeit gelungen, sich in grauen Marketing-Vorzeiten als erster Premium Blend zu etablieren und einen Ruf zu generieren, der bis heute anhält. Als Hoflieferant des Königshauses und Hersteller der legendären „Royal Salute“-Serie sowie der Diamond Tribute-Abfüllungen wird man diesem Anspruch immer noch gerecht.

Doch – so wird mancher Malt-Maniac nun einschreiten – warum setzt man einen Blend so sehr in Szene, wenn man doch über eigene Single Malt-Brennereien verfügt? Ian Logan (der allerdings offen zugibt, dass ihm The Glenlivet sein liebstes Baby ist) winkt lachend ab: „Ich mag diese engstirnige Unterscheidung zwischen ‚Single Malt‘ und ‚Blend‘ nicht. Man darf nicht vergessen: der Grain Whisky, der in einem Blend verschnitten wird, um ihm die nötige Leichtigkeit zu geben, ist ebenfalls teilweise sehr lange gereift“, erläutert er.

Und er fährt fort: „Wenn Sie beispielsweise eine Flasche Chivas 25 Years kaufen, dann ist auch jeder Tropfen Grain Whisky darin mindestens so alt. Viele Leute denken immer, das ‚Age Statement‘ gelte nur für die Malt-Anteile. Aber das ist falsch. Ich sehe daher den Unterschied zwischen Single Malt und Blends eher in ihrer Beschaffenheit – nicht in ihrer Güte.“ Auch Rainer pflichtet bei: „Für mich eine große Überraschung, die fast nirgendwo kommuniziert wird. Und eine Tatsache, die den Blick auf die Produktkategorie durchaus verändert“, findet der Münchener.

Wo steht der Scotch heute?

Und wo finden wir Scotch an der Bar im Jahre 2015, wird Logan gefragt. Ist es nicht so, dass Gin, Vodka und US-Whiskey ihm, der sowieso nie der große Cocktail-Star war, dort in den letzten 20 Jahren eine ganze Menge Terrain streitig gemacht haben? „Wenn es nach mir geht“, so Ian Logan, „sollte man guten Scotch sowieso nicht unbedingt vermischen, außer mit etwas Quellwasser.“ Und wenn doch, so sollten es am besten klassische, simple Drinks wie ein Sour, Old Fashioned oder Manhattan sein – wobei alle Anwesenden hier beipflichten. Damit hätte man zwar wiederum das Klischee vom heiligen Scotch bemüht, der bloß um Himmels Willen nicht vermischt werden darf. Aber eigentlich dann wieder doch. Wenn auch nur so halb. Und wenn Ian Logan und Klaus St. Rainer eine Sache wirklich überhaupt nicht zu mögen scheinen, dann ist es wohl ein blindes, statisches und unverrückbares Dogma. Denn hätte die Menschheit immer nur nach den Vorschriften gehandelt, gäbe es wahrscheinlich gar keinen Whisky. Und das kann niemand wollen. Am wenigsten Ian Logan.

 

Offenlegung: Medienpartnerschaft

Credits

Foto: Alle Bilder via Prestige Selection by Pernod Ricard (Fotograf: C. Föttinger)

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