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PRESTIGE SELECTION TOUR #1: LA MAISON PERRIER-JOUËT

Das Champagnerhaus mit den geblümten Flaschen gehört zu den großen Favoriten hinter der Bar. Unser Autor hat Klaus St. Rainer bei seiner Reise nach Epernay begleitet. Und während alle anderen über Tage an der Herbstsonne bleiben mussten, ging es für den Münchener Bartender und seine Begleitung ins Allerheiligste von Perrier-Jouët. Ein perlender Reisebericht.

„Champagner für die Pferde! Wir fahren nach Paris!“ ließ Klaus St. Rainer gegen Ende September in einem Kommentar auf einer bekannten Social Media-Plattform verlauten. Ganz korrekt war diese Aussage allerdings nicht: Lediglich der Flughafen Charles de Gaulle wurde per Flugzeug angesteuert, nur um sich per Auto sofort weiter in die vor den Toren der Stadt an der Seine gelegenen Champagne zu begeben.

Das altehrwürdige Maison Perrier-Jouët war das eigentliche Ziel der Reise — auch ohne Pferdegespann. Neben Rainer und einigen Journalisten war auch der Künstler und Fotograf Claus Föttinger — der unter anderem die Bar für die WM-Helden aus 2014 in deren Quartier Campo Bahia entwarf — mit vor Ort um in die Geschichte des legendären Champagnerherstellers aus Épernay einzutauchen.

Zwei Jahrhunderte Tradition

Die Wurzeln des Hauses liegen weit zurück: 1811 fand die Hochzeit von Pierre-Nicolas Perrier und Adèle Jouët statt. Im gleichen Jahr gründeten die Frischvermählte das Maison Perrier-Jouët. Der große internationale Durchbruch erfolgte, als ihr Sohn Charles Perrier 1861 erstmals die britische Königin Victoria beliefern durfte. 1959 ging Perrier-Jouët an das Champagner-Haus Mumm, 2005 wurden beide Marken Teil des Pernod Ricard-Konzerns, der die Produkte aus dem Hause auf der Avenue de Champagne nun in seine Prestige Selection aufgenommen hat.

Heute bewirtschaftet Perrier-Jouët etwa 65 Hektar Weinberge in der Champagne, von denen beachtliche 99,2% den als Grand Cru-eingestuften Lagen angehören. Die Reben sind über die Champagne verteilt und liegen in Cramant, Avize, Mailly, Aÿ sowie Dizy.

Wer braucht Sonne, wenn es Champagner gibt?

Trotz bestem Herbstwetter, nur wenige Tage nach der Ernte, ließ die Gruppe die Sonne hinter sich und stieg in die Keller hinunter. Ein Vergnügen, welches nur ganz Wenigen zu Teil wird: Im Gegensatz zu den meisten anderen Häusern der Champagne sind die Keller von Perrier-Jouët nämlich unter normalen Umständen nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Jammer, da dort nicht nur die flüssigen Schätze lagern, sondern auch einige mehr als sehenswerte Kunstinstallationen zu bestaunen sind. Perrier-Jouët pflegte in seiner Geschichte immer eine besondere Nähe zu Kunst und Künstlern.

So ist das Design der berühmten Anemonen, die aufwendig aus Emaille-Mosaik gefertigt werden, ein Geschenk des Art Nouveau-Künstlers Emile Gallé an das Champagnerhaus in Épernay. Er entwarf die mittlerweile legendär gewordene Flaschenverzierung 1902 für Perrier-Jouët als Ausdruck seiner Verbundenheit. Seit 1964 zieren die japanischen Windröschen jede Flasche der Cuvée Belle Époque.

Die Wände der Keller bestehen aus der für die Champagne typischen feuchten Kreide, die eine optimale Temperatur und Luftfeuchtigkeit der Umgebung garantiert, während die Flaschen auf Ihr Dégorgement warten. Dort lagern diverse Jahrgänge der Belle Époque-Qualitäten traditionell auf Rüttelpulten in idealem Klima. Das Haus gibt an, zumindest die Belle Époques würden weiterhin noch von Hand und somit nach wie vor nicht maschinell gedreht.

Hinab in den Garten Eden

Das unbestrittene Highlight des Kellers kann jedoch nicht betreten werden: Während jedes Cognac-Haus in der Charente ein sogenanntes „Paradis“ besitzt, einen Keller, in welchem besonders alte und erlesene Eau-de-vies lagern, existiert im Maison Belle Époque ein Raum, der analog dazu „Eden“ getauft wurde. In diesem lagern hinter einer schweren Gittertür uralte Preziosen wie etwa zwei Flaschen Perrier Jouët von 1825, dem laut Guinness-Buch ältesten Champagner der Welt, oder die letzten Flaschen aus dem Jahrgang 1874 — jenem Champagner, der bis heute auf einer Auktion in England den höchsten je gezahlten Preis für eine einzelne Flasche aus der Champagne erzielte.

Der aktuelle Kellermeister Hervé Deschamps besitzt den einzigen Schlüssel. 1983 kam er zu Perrier-Jouët, seit 1993 ist er als siebter Kellermeister des mittlerweile über 200 Jahre alten Hauses für die Komposition der Weine verantwortlich. Im Durchschnitt wirkt jeder Kellermeister also fast 30 Jahre – Beständigkeit, welche sich auch in der Qualität der produzierten Weine niederschlägt.

Die Qualitäten

Im Anschluss an die Kellerbesichtigung durften alle derzeit erhältlichen Champagner mit Hervé Deschamps verkostet werden. Obwohl in der Degustation auch die jahrgangslosen Qualitäten Grand Brut und Blason Rosé verkostet wurden, lag das Hauptaugenmerk der Runde natürlich auf den exzeptionellen Belle Époque-Abfüllungen, allesamt Jahrgangschampagner, die folglich nur in den Jahren mit besonders guter Ernte produziert werden.

Der Erste Belle Époque wurde 1964 gekeltert. Déchamps lässt ihn mindestens sechs Jahre, und somit doppelt so lange wie für Champagner vorgeschrieben, auf der Hefe liegen.
1980 kam der Belle Époque Rosé erstmalig auf den Markt. Auch er liegt mindestens sechs Jahre auf der Hefe. Erst seit 1999 wird der Belle Époque Blanc de Blancs, der einzige „mono-cépage“ aus dem Hause Perrier-Jouët, angeboten. Bisher wurden von Deschamps drei Jahrgänge aus den Chardonnays in kleinster Auflage kreiert. Vor dem Degorgieren lagern diese Weine mindestens acht Jahre auf der Hefe.

Klaus St. Rainer bemerkte im Gepräch mit Hervé Deschamps, Perrier-Jouët gehöre im Champagner-Bereich definitiv zu seinen Favoriten. Während der Grand Brut ein Champagner ist, der sich aufgrund seiner Stilistik nicht nur pur genießen lässt, sondern sich darüber hinaus auch hervorragend zur Zubereitung von Champagner-Cocktails eignet, sind die Belle Époque-Qualitäten schon aufgrund ihres Preises eher zum Purgenuss zu festlichen Anlässen geeignet. Dabei wird keiner der Weine jemals langweilig, sondern macht mit jedem Schluck Lust auf mehr. Champagner, wie er sein sollte! Nicht nur in Epernay, sondern überall.

 

Offenlegung: Medienpartnerschaft

Credits

Foto: Alle Fotos via Pernod Ricard (Fotograf: Claus Föttinger)

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