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„Marketer sollen ihre Ideen woanders ausleben!“

Fast hätte es „Maker’s Mark“ gar nicht gegeben. Denn Bill Samuels wollte weg vom Familien-Business. Warum es anders kam und das Vermächtnis seines Großvaters in „Ineffizienz“ besteht, schildert Enkel Rob Samuels im Gespräch mit MIXOLOGY ONLINE.

Da gibt es offenbar auch heute noch nichts zu beschönigen; „god-awful“ sei gewesen, was seine Familie gebrannt habe, seit sie nach Kentucky gekommen war. Rau und aggressiv war dieser „T. W. Samuels“-Whiskey, beschreibt es jener Mann, der glücklicherweise für ein Nachfolge-Produkt verantwortlich zeichnet: Rob Samuels ist in dritter Generation für „Maker’s Mark“ verantwortlich. Doch auch davor hätte man bereits über 200 Jahre Getreidebrände erzeugt in der Familie. Nur eben keine guten. Und so verschlug es auch seinen Großvater aus der „Whisky Row“ von Lexington zunächst ins Bankgeschäft.

Mit breitem Südstaaten-Akzent schildert Samuels, was danach geschah: „Es war die einzige Bank der USA, die innerhalb von 60 Tagen eröffnete und wieder schloss“. Ähnlich glücklos agierte der Whiskey-Aussteiger Bill Samuels als Autohändler. Also nahm die resolute Oma das Heft in die Hand und bugsierte ihren Mann zurück an die Brennblase. Der Neustart mit „Maker’s Mark“ (ein Name, der sich auch Oma Samuels Keramiksammlung mit ihren Künstler-Signets verdankte) basierte 1952 auf mehreren Prämissen: Einer eigenen Quelle, dem Verzicht auf Roggen in der „mash bill“ und dem Einsatz einer Getreide-Mühle mit weniger Hitzeerzeugung beim Mahlen.

Frauen setzen die Maker’s Mark

Die matriarchalische Tradition lebt übrigens auch im Tasting Panel fort, das alle zwei Jahre über den Bourbon urteilt: 14 Frauen und nur sechs Männer entscheiden, wie weitergereift wird. Denn seit der Gründung gibt es keine „cross section“ aus den unterschiedlichen Fass-Reihen, sondern jedes Fass wird händisch während des Reifeprozesses weiter bewegt, bis es in die unterste der sechs Lagerreihen des Warehouse in Loretto gelangt.

Lange galt dieser Prozess und die kleinen Batch-Größen von 19 Barrels als Spinnerei, doch ein Artikel im „Wall Street Journal“ strich 1981 heraus, dass man ein „model of inefficiency by their own choice“ sei. Der Bourbon in der kantigen Flasche mit der wachsgetränkten roten Verschlusskappe – „wir führen die unpraktischste Abfüllanlage der Branche“ – wurde zum gesuchten Artikel. Spleens wie der Verzicht auf das „E“ im Wort „Whisky“, das Großmutter Samuels als Reverenz an die alte schottische Heimat ansah, halfen dabei. „Ohne die Bartender hätten wir aber nicht überlebt“, streut Rob Samuels gleich zu Beginn unseres Gesprächs Rosen – er hat aber noch mehr zu sagen.

Wie geht es dem Bourbon dieser Tage am Heimmarkt? Hat der Boom in den USA nicht schon seinen Zenit erreicht?

Ich glaube, dass die Beliebtheit von Bourbon sogar noch an Fahrt aufnimmt. Es gibt noch verschiedenste Kundenschichten und zwar überall auf der Welt, vor allem für Marken mit einem einzigartigen Profil. Kaufmännisch gesehen haben wir viel mehr Nachfrage als wir bewältigen können.

Die gerichtsanhängigen Streitigkeiten, ob eine Konsumenten-Täuschung vorliegt bei irreführender Deklarierung, von wo der Whiskey herkommt, haben der Branche also nicht geschadet?

Wir waren immer ein „single source supplier“, haben also keinen Whiskey zugekauft. Generell finde ich aber, dass die Branche transparent sein muss.

Der Rye-Boom lässt Sie vermutlich eher kalt? „Maker’s Mark“ hat ja von jeher keinen Roggen im Rezept…

Wir haben in der Mash Bill 70% Mais, 14% gemälzte Gerste und 16% Weizen. Der Roggen kam deshalb nicht ins Rezept, weil wir die Bitterkeit loswerden wollten, die er mitbringt. Man feiert immer die Würzigkeit des Roggens, dafür gibt es bei uns den „Maker’s Mark 46“, den mein Vater geschaffen hat.

Generell überlassen Sie neue Produkte ja eher der Konkurrenz. Warum kommt es eigentlich zu dieser branchenunüblichen Zurückhaltung?

1992 habe ich gerade an der Uni begonnen, als mich mein Großvater zu sich rief. Er war da schon sehr krank, hatte Krebs und dämmerte oft vor sich hin. Diesmal waren wir dann zum Lunch, er hatte den „Pendennis Club“ in Louisville ausgewählt, also jenen Ort, wo der Old Fashioned erfunden worden sein soll. Und dort erzählte er mir, worauf er am meisten stolz sei: Nie vom Weg abgewichen zu sein. Auch nicht bei Misserfolgen – und die gab es am Anfang genug. Wenn Marketer also eine Idee haben, dann sollen sie irgendwo hin gehen und die dort produzieren lassen – wir wachsen immer rund um den originalen „Maker’s Mark“.

Und die ganzen neuen Entwicklungen? Stichwort „flavoured whiskey“ bzw. Blends aus Scotch, Bourbon und Irish Whiskey – reizt Sie das nicht?

Für unser Unternehmen würde ich das nicht passend finden. Die Whiskys bei uns werden aus der Destillerie geboren, nicht vom Marketing-Department. Es gibt lediglich noch den in Fass-Stärke verkauften „Maker’s Mark“, allerdings in ganz kleinen Mengen für den US-Markt. Und einen noch limitierteren „White Dog“ in der Destillerie.

Sie betonten auch die Wichtigkeit der Barszene für „Maker’s Mark“, weshalb läuft es hier so gut?

Ich glaube, die besten Bartender halten immer nach etwas jenseits des Durchschnitts Ausschau, um es Ihren Gästen anzubieten. So haben sie irgendwann auch „Maker’s Mark“ entdeckt – und sind nie wieder davon abgerückt.

Kommen wir zu einem „heißen“ Thema, der Frage nach gen-modifiziertem Getreide als Ausgangsmaterial. Wie hält man es damit bei „Maker’s Mark“, vor allem beim Mais?

All unser Mais kommt aus einem Radius von 60 Meilen um die Destillerie in Loretto. Es gibt sicher auf beiden Seiten gute Argumente, aber für uns ist das wichtigere Kriterium, dass er von lokalen Farmern kommt. Mit denen arbeiten wir über Jahrzehnte zusammen.

Was ist eigentlich Rob Samuels liebster Cocktail?

Was ich mehr als alles andere schätze, ist ein Manhattan mit Maker’s Mark, Dolin Wermut und einer von diesen italienischen Kirschen. Oder aber den „Keeneland Breece“, der auf der Pferderennbahn in Lexington verkauft wird. Das war der erste Kunde meines Großvaters, aber bis vor fünf Jahren hatten sie keinen Signature Drink mit „Maker’s Mark“. Die „Breeze“ besteht aus Bourbon mit etwas Orange Curaçao und Ginger Ale. Bei „Keeneland“ kommen eben die beiden kulturellen Eckpfeiler Kentuckys zusammen – Pferde und Whiskey!

Credits

Foto: Foto via R. Graf.

Comments (2)

  • Michael

    Leider gibt es keine antwort auf die Frage nach dem Gen-Mais…

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  • Roland Graf

    Servus, Michael, die Antwort gibt es implizit: Wichtiger als „Nicht-GM“ Mais ist – in Rob Samuels Sicht – der lokale Lieferant. Also, nachdem sie US-Mais beziehen und der zu 90% genmodifiziert (GM) ist, waere seine Antwort verkuerzt: „Ja“.
    Beste Gruesse, Roland Graf

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