Mixology: Magazin fur Barkultur

Wie Bacardi Rum entstand (Geschichte von Bacardi, Teil 2)

Rum & Cachaça 30.11.2009 2 comments


Don Facundo Bacardi begann sich in Kooperation mit Jose Leon Boutellier erstmals mit der Kunst der Destillation zu beschäftigen. Den von ihm kreierten neuen Rumstil verkaufte er erstmals erfolgreich im Laden seines Bruders. Als äußere Merkmale des Rums wurden die Signatur Don Facundos und die Fledermaus bekannt.

Als Don Facundo sich Mitte des 19. Jahrhunderts mit Rum zu beschäftigen begann, kam er zu einer günstigen Zeit, wie wir bereits in Teil Eins unserer Serie beschrieben haben. Die spanische Krone, die bis 1796 die Rumherstellung aus gesundheitlichen und moralischen Gründen untersagt hatte, förderte nun aktiv die Herstellung von Hochprozentigem, das in der Lage war, "den Geschmack des Hofes und der Eliten des spanischen Imperiums zufrieden zu stellen", wie es in einer offiziellen Ausschreibung hieß.

Die aufgrund der guten klimatischen Bedingungen florierenden kubanischen Zuckerrohrplantagen hatten zu dieser Zeit alle bereits kleine Destillerien, in denen man aus dem "Abfallprodukt" Molasse Aguardiente, eine primitive Form von Rum, brannte. Das Aguardiente war das Getränk der Arbeiter und wurde in Tavernen oder so genannten Pulperias, offenen Stehausschänken, direkt aus dem Fass serviert. Gründe für seine schlechte Qualität war die Tatsache, dass nach Kuba, im Gegensatz zu den französischen und britischen Inseln der Karibik, kaum Wissen über die moderne Destillation importiert wurden. Erschwerend kam noch dazu, dass kubanisches Zuckerrohr einen extrem hohen Saccharose-Anteil hat, was in einer unkontrollierten Destillation Gärung zu einer stürmischen Alkoholproduktion und hohen Temperaturen führt, wodurch die Hefen zu früh absterben, mit den entsprechend fatalen Folgen für das Endprodukt.

Don Facundo und seine Brüder hatten in ihren Läden aus Qualitätsgründen nie Aguardiente verkauft. Aus einer Weinanbauregion stammend, brachte Facundo Bacardi ein großes Qualitätsbewusstsein mit, in seiner Suche nach einem neuen flüssigen Geschäft. Dem Beispiel eines britischen Einwanderers, John Nunes, folgend, experimentierte er anfangs zusammen mit seinem französisch-kubanischen Geschäftspartner Boutellier in der winzigen Anlage in der Marina Baja mit kleinen Produktionsmengen. Als sie mit dem Ergebnis zufrieden waren, begannen sie, erste Einheiten über den Laden von Facundos Bruder, Magin Bacardi, zu verkaufen. Die Resonanz der Kunden war viel versprechend. Boutellier und Bacardi erwarben daher im Jahr 1862 die größere Destillerie von Nunes und die eines katalanischen Händlers namens Manuel Idra. "Bacardi, Boutellier & Compania" war geboren.

Ein Freund der Familie schenkte der jungen Firma einen Kokosnussbaum, um das Datum zu feiern, und Facundos vierzehnjähriger Sohn, Facundo Jr., pflanzte ihn direkt vor der Destillerie ein. Mit dem Wachstum der Rumproduktion und der Marke wuchs auch dieser Baum über die Jahre mit und wurde für die Familie Bacardi zum weithin sichtbaren Symbol für das Wohlergehen ihrer Unternehmung und für ihre Verbundenheit zu Kuba und der Karibik.

Was waren die Faktoren für den Erfolg von Boutelliers und Facundo Bacardis Produkt?

Die beiden Entrepreneure experimentierten monatelang akribisch mit verschiedenen Hefen und züchteten schließlich eine schnell fermentierende Hefe, wie sie für die Cognac-Produktion typisch ist. Bis heute wird dieser Hefestamm sorgsam gepflegt und in allen Bacardi-Destillerien zur Anwendung gebracht. Der zweite Faktor, der aber noch entscheidender für den leichten Körper von Bacardi Rum war, ist die Anwendung der Kohlefilterung, einer Mischung aus tropischen Hölzern und Kokosnuss -Schalen. Don Facundo war der erste Entrepreneur, der diese im 19. Jahrhundert aufkommende Technik in der Rumproduktion anwendete.

Neben dieser Filtrierung, die das Aguardiente von den sonst so typischen, den Geschmack verzerrenden Unreinheiten befreite und für die Klarheit des Destillats sorgte, war es als drittes Element aber auch die Lagerung in amerikanischer Weißeiche, die Bacardi Rum ein Alleinstellungsmerkmal verschaffte. Das meistgehütete Firmengeheimnis ist allerdings wohl, dass Bacardi als Endprodukt ein Blend aus zwei Komponenten ist. Diese getrennt gelagerten Bestandteile werden bei Bacardi als Aguardiente, das für den Charakter des Rums steht, und Redestillado, ein Destillat, das für den leichten Geschmack sorgt, bezeichnet.

Neben all diesen technischen Merkmalen muss man aber auch die konsequente Markenpflege beachten, die zum Aufstieg der kubanischen Spirituose beitrug. Rum wurde ursprünglich in Fässern verkauft oder in Behältnisse abgefüllt, die Kunden in Läden mitbrachten. Sobald die Firma Bacardi eigene Behältnisse, eigene Flaschen bereitstellte, wurden diese von Facundo eigenhändig mit dem Schriftzug "Bacardi M." für den vollständigen Familiennamen "Bacardi Massó" abgezeichnet. Über diese persönliche Signatur hinaus, die vom Hafen Santiagos aus in die Welt getragen wurde, war es vor allem auch das Logo, die berühmte Fledermaus, die die Rum-Marke bekannt machte. Die Fledermaus geht der Überlieferung nach entweder auf mit diesem Logo geschmückte Behälter mit Olivenöl, die Magin Bacardi für den Verkauf des Rums wieder verwendete, oder auf eine Kolonie von Fledermäusen in der übernommenen Nunes-Destillerie zurück. In der katalanischen Heimat der Familie Bacardí gelten Fledermäuse seit jeher als Glückssymbol.

Im Jahr 1877 übergab Don Facundo, nachdem sich sein Partner Boutellier Jahre früher bereits aus Altersgründen zurückgezogen hatte, das florierende Geschäft in die Hände seiner Söhne. Der Älteste, Emilio, der in Barcelona aufgewachsen und ausgebildet worden war, wurde als Präsident eingesetzt. Emilio sollte die Firma durch eine unruhige Zeit führen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann in Kuba der lange währende Kampf um die Unabhängigkeit von Spanien. Emilio, der in Europa mit den politischen Umwälzungen und den ersten Demokratiebewegungen in Kontakt gekommen war, stellte sich, wie auch der Rest der Familie Bacardi, ganz klar auf die Seite der Unabhängigkeitsbewegung, was ihm vier Jahre Gefängnis in Spanien einbrachte.

Da die Zuckerrohrplantagen ihr Geschäftsmodell auf der Arbeitskraft von Sklaven aufgebaut hatten, musste Emilio außerdem eine schwierige Balance wahren. Einerseits war er ein Verfechter der Abschaffung der Sklaverei, eine der zentralen Forderungen der Freiheitskämpfer. Andererseits zerstörten und brandschatzten diese aber gezielt Plantagen und gefährdeten damit die Lebens- und Geschäftsgrundlage der Bacardis, die auf Zuckerrohr als Rohstoff angewiesen waren.

 

Weitere Artikel:
Die Wurzeln der Familie Bacardi (Geschichte von Bacardi, Teil 1)

In Kürze folgend:
Die Bacardi Cocktails (Geschichte von Bacardi, Teil 3)


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Erschienen in Mixology Issue 02/2009.

Author: Lukas Reimer

Übersetzung: Alexander Zuckrow 

Link: www.bacardi.com

 

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