Mixology: Magazin fur Barkultur

Zacapareien

Rum & Cachaça 8.2.2008 8 comments

Da kommt man ins Büro, erwartet einen ruhigen Freitag zum Wochenausklang, da viele Agenturen und Getränkefirmen den "Early Friday" zelebrieren und ab 12 Uhr den Anrufbeantworter einschalten, und findet im Posteingang verschiedene Verweise auf einen Eintrag im Bitters Blog:

http://bitters-blog.blogspot.com/2008/02/diageo-auf-expansionskurs.html

Ein Herr Thomas Justen und ein gewisser Herr Sven Trömel haben dort in den Kommentaren ein belustigendes Feuerwerk an Anfeindungen abgebrannt. Bevor ich aber in irgendeiner Form auf die Bemerkungen der beiden Herren eingehe, äußere ich erst einmal ein paar grundsätzliche Gedanken.

Die "Industrie" und der Bartender

Um das Image eines Produktes in der Gastronomie (genauer: der Barbranche) aufbauen zu können, liegt es im Interesse der Spirituosenfirmen, ein gutes Verhältnis zum Bartender und zum Barbesitzer aufzubauen. Bartender und Barbesitzer sind in vielen der Spitzen-Bars identisch, in der Breite meist unterschiedliche Personen. Der Barbesitzer sorgt für die Listung eines Produktes, der Bartender für den Verkauf am Gast.

Von jeher bemühen sich daher Spirituosenfirmen um einen guten Draht zu dieser Zielgruppe. Denn nimmt diese ein Produkt positiv auf, wird dies automatisch "getragen". Das heißt, es wird per Mundpropaganda an Kollegen weiterempfohlen und mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt und letztendlich an die Hauptzielgruppe – die Gäste – weiterempfohlen und verkauft.

Firmen versuchen dieses gute Verhältnis entweder durch Incentives wie Cocktailwettbewerbe, Reisen oder starke finanzielle Anreize wie den sogenannten WKZ (Werbekostenzuschuss) zu erreichen. Manchmal gelingt dies, manchmal auch nicht. In der Vergangenheit konnten sich oft Produkte ohne großen Anschub durch einen Importeur oder Hersteller in den Bars etablieren. Beispiele hiefür sind Hendrick´s Gin, Tanqueray No. 10 oder auch die Cocktail Bitters von TBT.

Diesen Produkten ging aufgrund ihrer Qualität oder eines positiven Images in anderen Märkten, ein guter Ruf vorraus, der Bartender und Barbesitzer überzeugte, diese Marken einzulisten. Häufig passierte dies bereits, bevor diese Produkte offiziell im Markt erhältlich waren. Auch Zacapa ist ein Produkt, das immer von der Barszene getragen wurde. Die vielfach ausgezeichneten Rumsorten der Marke sind jedem gut informierten Bartender bekannt.

Möchte eine Firma ein Produkt über ihren Außendienst in der Szene lancieren, ist ein Grundrespekt der Arbeit des Bartenders gegenüber die Vorraussetzung dafür, Erfolg zu haben. Nach wie vor beweisen leider manche Firmen und sie betreuende Agenturen, dass sie den Bartender für einen Idioten halten, der froh sein muss, ihre Aufklärungsbroschüren und Produkte abzunehmen. Jörg Meyer hat dies in einem Beitrag im Barbaublog bereits amüsant geschildert.

Die Causa Zacapa im Bitters Blog

Die beiden im Bitters Blog kommentierenden Herren, die offensichtlich mit dem bisherigen Zacapa-Importeur SPI in einer geschäftlichen Verbindung stehen (bei Herrn Justen ist dies nur eine Vermutung, er kann sich hierzu ja gerne erklären), haben in ihren Kommentaren wieder einmal das negative Bild des "Vetreters" bestätigt, das leider fast jeder Bartender aus eigenem Erleben kennt. Aber gehen wir doch einmal im Detail auf die Auslassungen ein:

"selbssternannte Koryphähe" (Edit 8.2.2008 18:23 Uhr: Herr Justen forderte mich gerade per Mail auf, seinen Namen im Zusammenhang mit diesem Kommentar nicht zu erwähnen. Dieser Aufforderung komme ich hiermit nach, da der anonyme Kommentar tatsächlich nicht zugeordnet werden kann. H.A.)

Mit ist nicht bekannt, dass sich Herr Meyer jemals zur "Koryphähe" erklärt hat. Auch nicht zur "Koryphäe", wie man das Wort eigentlich schreibt.

"Oder verhält es sich hier genauso wie in Ihrem Fachblatt MIXOLOGY in welchem ein bekannter Rum mit der Fledermaus Sponsor der Serie "Rum 2007" Reihe war."

Mixology ist im Eigentum von Jens Hasenbein und Helmut Adam. Herr Meyer ist als Autor des "Barbaublogs" und der Kolumne "Barbau" in Mixology präsent gewesen. Herr Trömel liegt also falsch, wenn er Herrn Meyer als Eigentümer von Mixology anspricht. Richtig wiederum liegt er darin, dass Bacardi die Rubrik "Rum 2007" präsentiert hat.

"Bastian Heuser(inclusive einer grossen Fledermauswerbung) beim Flambieren einer Pina Colada im Themenbereich "Rhum Agricole" zu zeigen zeigt Ihre ganze "Unabhängigkeit"."

Das ist jetzt weiterhin wirr insofern, dass Herrn Meyer bestimmte Inhalte zugeordnet werden, die veröffentlicht wurden, bevor er jemals in Mixology als Autor in Erscheinung trat. Davon abgesehen, hat Herr Meyer keinen Einfluss auf Inhalte von Mixology, abgesehen von der Rubrik Barbau.

Aber nehmen wir doch einmal den Fall an, Herr Trömel möchte eigentlich Mixology kritisieren. In dem Fall wäre also ich der Ansprechpartner. Dies wäre dann meine Antwort (was ja reine Annahme ist, da er ja Herrn Meyer für die Berichterstattung verantwortlich machte):

Sehr geehrter Herr Trömel,

mit Bedauern stelle ich fest, dass Sie sich durch die Abbildung eines Fledermaus-Logos in Mixology gestört fühlen. Ich verstehe ja durchaus, dass sie lieber ein Zacapa-Logo an dieser Stelle sehen würden. Allerdings war nicht Zacapa, sondern Bacardi, Sponsor der veranstalteten Tasting Tour im Rahmen von "Rum 2007".

Bacardi als Partner der Rubrik "Rum 2007" besass übrigens eine Souveränität, die Ihnen, der offenbar Ron Zacapa nahesteht, leider völlig abgeht. Im Rahmen der Kooperation veranstalteten wir mit der Unterstützung dieser Marke eine Tasting Tour, bei der über 20 Rums unterschiedlicher Marken verkostet wurden. Und zwar in einem Blind Tasting. Darüberhinaus wurden die Rums von den teilnehmenden Bartendern auch bewertet. Das Tasting wurde von Herrn Jürgen Deibel geleitet. Bacardi als Sponsormarke schnitt in diesen Bewertungen übrigens ganz unterschiedlich ab. Ebenso souverän wie Bacardi reagierten übrigens auch die anderen Firmen, die Ware für die Tour zur Verfügung stellten. Alle vetrauten dem Konzept eines markenneutralen Tastings.

Ebenso souverän, wie Bacardi als Partner der Tour agierte, war auch die Kooperation der Marke bezüglich der Inhalte von "Rum 2007" in Mixology. Gemäß der Absprache zur Kooperation nahm Bacardi keinen(!) inhaltlichen Einfluß auf die Artikel, die im Rahmen von "Rum 2007" erschienen. Von dieser Tatsache profitierten auch Sie (oder von mir aus SPI) mit der Marke Zacapa, der Jürgen Deibel in seinem Artikel in Mixology Issue 1/2007 einen 29-zeiligen Absatz widmete. In jeder Ausgabe wurde ein Schwerpunktthema (z.B. Rhum Agricole) behandelt und über die Tasting Tour berichtet. Deshalb findet sich ein Foto von Bastian Heuser im Rahmen dieses Artikels. Und wir finden, dass die Fledermaus übrigens richtig schick aussieht. Aber da muss man ja nicht einer Meinung sein.

Überhaupt wundert mich Ihre Kritik bezüglich mangelnder Unabhängigkeit. Als Medium haben wir in der Vergangenheit ausschließlich positiv über Zacapa berichtet. Im Taste Forum Berlin (Mixology Issue 3/2006) beispielsweise landete Ron Zacapa 23y als Favorit aller Teilnehmer auf Platz 1. Auf diese Berichterstattung hatte weder SPI oder die Vorgängerfirma Jolly Roger Imports irgendeinen Einfluß. Tatsächlich bestand zwischen SPI und Zacapa auf der einen Seite und Mixology auf der anderen Seite niemals eine geschäftliche Verbindung. Una
bhängigkeit halt.

Als Fachmedium, das sich über Anzeigen finanziert, kann ich mit diesem Disclaimer Ihre etwas diffusen Verschwörungstheorien vielleicht etwas entwirren. Soll heißen: "Bacardi ermöglichte letztes Jahr, dass wir nett zu Ihnen/Zacapa sein konnten." Oder: "Wir waren nett zu Ihnen/Zacapa, ohne dass SPI bei uns ‚Zacapa und Kola‘ platziert hat." Wir haben SPI allerdings auch nie gebeten, letzteres zu tun. Das hat SPI in anderen "Fachmagazinen". Unabhängigeren, wie ich vermute. 😉

Was mich allerdings am meisten verstört, Herr Trömel, ist, dass Sie mit Ihren Kommentaren so bereitwillig das unsouveräne Bild bestätigen, dass viele Bartender von der "Industrie" (zu der sie als Handelsagentur gehören) haben. Sie sollten nett sein, Herr Trömel, denn Ihre Kunden lesen hier alle mit. Und wenn Sie an Stelle von Zacapa vielleicht zukünftig ein paar andere Marken verkaufen möchten, sollten Sie (Edit 21.2.2008: Hier hatte ich im Zuammenhang mit den Kommentierenden SPI erwähnt. Diese sprachen allerdings nur für sich und nicht für die Firma SPI. H.A.) sich schleunigst zusammenreißen.

Marken wechseln den Besitzer. Das ist nun mal das Gesetz der Branche. Aber das brauche ich Ihnen doch nicht zu erzählen, oder? Trotzdem reagieren Sie und der andere Herr so dünnhäutig auf Herrn Meyers gewohnt flapsigen Beitrag. Vielleicht sollten Sie lieber einmal tief durchatmen? Oder sich bei einem guten Drink entspannen? Z.B. einem Zacapa & Kola?

Wir stoßen gern mit Ihnen an, wenn es wieder "Frieden" und "Unabhängigkeit" gibt. Ich allerdings nehm meinen Zacapa lieber pur, wenns Ihnen recht ist. Aber wer weiß, vielleicht nehm ich auch einen Bacardi 8y oder einen Havana 15y?

Prosit,

Helmut Adam.

 

Text: Helmut Adam

 

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