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Von wegen rostig: Rusty Nail, aufpoliert!

Es lebe die Dekonstruktion! Nicht wenige klassische Drinks bekommen ein völlig neues Gesicht, wenn man ihre Zutaten in die Einzelteile zerlegt und neu aufbaut.  So auch beim Rusty Nail. Wer nicht auf den fertigen Likör zurückgreifen mag, hat mit hausgemachtem Honigwasser und Bitters nach Wahl plötzlich ein ganzes Universum voller aufpolierter, aromatischer Drinks. Und dafür braucht man dann noch nicht mal einen neuen Namen.

Mittwoch Abend, die Bar ist ruhig und es wird heute mal ohne Karte gearbeitet. Was es zu trinken sein dürfe? Lieber etwas fruchtiges, oder etwas mit Gin, oder…? Die Trinkempfehlung läuft hierzulande über den Geschmack.

Ganz anders ist die Lage in Japan, wo der Anspruch besteht, in solchen Situationen nach der Verfassung des Gastes zu entscheiden. So lässt sich im kreativ benannten Anime Bātendā Folgendes beobachten: Einem in einen Skandal verwickelten Politiker wird ein Rusty Nail serviert. Zunächst Empörung über diesen Namen, doch dann die Erklärung des Bartenders: auch ein rostiger Nagel lässt sich polieren und kommt so zu neuem Glanz. Der Politiker versteht die Analogie, stellt sich den Medien, und der Barmann ist Held der Geschichte.

Der Old Fashioned im Zweiteiler

Doch genug der Träumerei — nehmen wir das mal wörtlich. Einen aufpolierten Rusty Nail: gesagt, getan. Der klassische Rusty Nail besteht aus Scotch und Drambuie auf Eis. Letzteres ein Likör aus Scotch, Honig und Kräutern. Der Cocktail ist damit letztendlich eine Mischung aus viel Scotch, Honig, Kräutern und Wasser. Das tönt bekannt, oder?

Tatsächlich ist es so, dass der Rusty Nail als Old Fashioned mit Scotch und Honig interpretiert den wortwörtlichen Nagel auf den Kopf trifft. Mehr noch: es öffnet sich eine ganze Welt an Kombinationsmöglichkeiten. Und das Tüfteln, welcher Scotch, welcher Honig, und welcher Bitters eine glückliche Beziehung eingehen können, ist ein besonders vergnügliches Unterfangen.

Ein Paradies für den Spieler!

Ein Narr, wer hier nicht spielt! Folgende Ratschläge sein aber gegeben: Leicht rauchige Whiskies funktionieren hier, von getorften sei hingegen abgeraten. Den Honig umbedingt im Vorfeld zu gleichen Teilen nach Gewicht mit Wasser mischen. Je kräftiger der Whisky, desto intensiver sollte der Honig sein. Beim Bitters nicht sparen. Wie im echten Leben auch.

Was den Honig betrifft, so ist das eine gute Gelegenheit, einen lokalen urban gardening-Honig vom Nachbardach hier einzusetzen. Oder natürlich einen Schottischen Heidekraut-Honig, obwohl dann ein schweres Kaliber an Whisky ran muss.

Besonders gelungen sind folgende Kombinationen: Balvenie 12 Jahre Doublewood mit einem leichten Blütenhonig, 2 Dash Angostura und 1 Dash Dandelion & Burdocks Bitters. Oder Ben Nevis 10 Jahre mit Eichenwald-Honig und je 1 Dash Angostura und Kakao-Bitters. Oder Old Pulteney 12 mit Orangenblüten-Honig, Grapefruit-Bitters, Broker-Bitter und Angostura Jahre.

Wie gesagt, die Möglichkeiten sind endlos. Als Orientierung und Grundlage mag das untenstehende Rezept dienen. In diesem Sinne, raus die Poliertücher und ran an die Arbeit.

Rusty Nail, polished

Zutaten

4-6 cl leichter Speyside Whisky
1 cl Blütenhonig-Wasser (1:1)
je 1 Dash Angostura Bitters und Orange Bitters

Zubereitung

Zutaten im vorgekühlten Glas vermischen, das Glas mit Eiswürfeln auffüllen und gründlich kaltrühren. Optional kann der Drink natürlich im Rührglas zubereitet und anschließen auf einen Eisball oder großen Eiswürfel in den Tumbler abgeseiht werden.

Glas

Tumbler

Garnitur

keine

Credits

Foto: Nagel via Shutterstock.

Comments (1)

  • schlimmerdurst

    Da ich mich nie dazu durchringen kann, eine Flasche Drambuie nur für den Zweck eines Rusty Nail zu kaufen, ist das ein ganz toller Vorschlag! Ich mag meinen Rusty Nail gern mit Glenlivet, und werde mich bald an die Herstellung von Honig-Bitter-Mixtur machen… Danke für die Anregung!

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