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Fakten: die sechs besten Drinks mit Wein

Es ist Zeit für die Weinlese. Eine willkommene Gelegenheit, eine Gruppe von Drinks zu betrachten, die meist nur eine Randerscheinung an den Bars ist: Cocktails mit Wein. Warum eigentlich? Ganz ehrlich, auch wir wissen es nicht so genau. Vielleicht bringt ja die folgende Liste etwas Licht ins Dunkel. Denn ganz ehrlich, ein wenig mehr Aufmerksamkeit hat der Rebensaft dann doch verdient.

Kein Champagner. Kein Sherry. Auch kein Port, Wermut, Madeira oder Lillet. Nein, es soll wirklich einmal um Wein gehen. Um jenes Getränk also, das innerhalb der gesamten Welt der Kulinarik einen bis heute unangefochten Sonderstatus genießt. Kaffee, Bier, der explodierende Kosmos der Limonadenwelt — alles Themen, die an der Bar diskutiert werden. Nicht so mit Wein. Der Rebensaft bleibt bis heute für sich. Man kann das ‚eigenständig‘ oder aber ‚isoliert‘ nennen. Doch woran liegt das eigentlich? Besonders, wenn man bedenkt, dass Wein an der Bar nicht immer eine solche Nischenposition bekleidet hat?

Am wahrscheinlichsten als Begründung für diesen Umstand ist wohl, dass Wein bis heute in genussorientierten Sphären als das Getränk und der Speisenbegleiter überhaupt gilt. Noch immer scheint es Vielen undenkbar, ein hochklassiges Menü mit anderen Flüssigkeiten zu begleiten. Hinzu kommt, dass mit dem Berufsbild des Sommeliers das professionalisierte Weinkennertum eine singuläre Position unter allen alkoholischen Produkten einnimmt. Jenseits aller Zertifikate, die auch in anderen Bereichen die Expertise nachweisen, ist der Sommeliers-Beruf bis heute quasi einzigartig.

Und zuletzt: Wein ist, abseits der speziellen Entwicklungen und Trends, ein Segment mit größtenteils extrem konservativen Konsumenten. Hier gilt, neben der oben beschriebenen Begleitung von Speisen, vor allem der Grundsatz: guten Wein vermischt man nicht. Und wenn Wein doch mit anderen Zutaten ins Glas kommt, dann muss es automatisch schlechter sein. Wie falsch! Zwar wollen auch wir nicht dazu raten, den 67er Chateau Petrus zu vermischen. Aber welch feine Welt entgeht dem Genießer doch, wenn er komplett darauf verzichtet, einmal Wein zu vermixen. Unsere Lieblinge der Wein-Drinks — von klassisch bis heute:

1) Bishop

Bereits vor einiger Zeit widmete Peter Eichhorn dieser ehemals gängigen Drink-Gruppe eine ausgiebige Betrachtung. Zu Recht. Das Rezept, das Jerry Thomas 1862 in seinem Bartender’s Guide veröffentlich, stellt den Wein ganz klar in den Vordergrund. Flankiert von einer Spur dunklem Rum, Zucker und Zitrone. Fast mag man den Bischof, abgesehen von der Spur Zitrussäure, als eine Art Wein-Old Fashioned bezeichnen. Oder aber als Wein-Punch?

In der Ur-Fassung verlangt die Rezeptur nach Clairet, einer leichten, bekömmlichen Rotwein-Spielart aus dem Bordeaux, die im 19. Jahrhundert im angelsächsischen Raum überaus populär war. Man sollte also für den Bishop nicht unbedingt auf den mächtigsten Syrah oder Malbec zurückgreifen. Eine Rezeptur nach heutigem Ansatz sähe in etwa folgendermaßen aus:

6 cl Wasser
1 BL Puderzucker
2 BL gereifter Jamaica Rum
2 Scheiben Zitrone
8-10 cl Rotwein

Glas: Weinglas

Garnitur: Zitronenzeste

Zubereitung: Alle Zutaten im Shaker mischen und auf viel Eis gründlich schütteln. Doppelt ins vorgekühlte Glas abseihen.

2) Sangría

 Alle traditionellen Getränke, deren Ruf durch unsachgemäßen Konsum nachhaltig beschädigt wurde, müssen sich zumindest in Deutschland hinter der traditionellen spanisch-portugiesischen Sangría anstellen. So grausig sind zumeist die Assoziationen, wenn das Wort fällt. Wir denken an Plastikeimer, lange Trinkhalme, schlechten Wein, Zucker und rotgebrannte Teutonenbäuche.

Welche Freude eine gute Sangría, im Prinzip nichts anderes als eine einfache Rotweinbowle, bereiten kann, erleben hingegen nur die wenigsten Menschen. Zu groß ist die Furcht vor dem Begriff. Viel braucht man indes nicht für eine gute Sangría: einen kraftvollen, trockenen, nicht zu holzigen Rioja oder Valdepeñas, viel Eis und frisches Obst der Saison. Und: keinen Zucker! Die Früchte werden in Stücke geschnitten und in einer großen Karaffe oder Punch-Bowl mit Wein und Eis vermischt. Geben Sie der Sangría etwa eine halbe Stunde Zeit, damit sich die Aromen verbinden können. Das Resultat ist ein herrlicher Aperitif, ideal am späten Nachmittag, aber auch wunderbar zu Gegrilltem. Einzige Gefahr: sie ist sehr süffig!

3) New York Sour

Eine Schande, dass der New York Sour auf so wenigen Barkarten geführt wird. Dabei ist gerade hier Missionierung durch den Bartender gefragt. Denn nur wenige Gäste werden von alleine auf die Idee kommen, dass eine Kombination aus Rye und Rotwein funktioniert. Kann man es Ihnen verübeln?

Das Geheimnis des Drinks liegt in den Tanninen des verarbeiteten trockenen Rotweins: sie verleihen dem Cocktail eine unglaublich elegante Dryness. Die eigentliche Balance aus Süße und Säure bleibt dabei bestehen. Die Gerbstoffe aus dem Wein sorgen jedoch dafür, dass das Gerüst aus Zitrone und Zucker nur dezent wahrgenommen wird, dabei aber seine öffnende Wirkung nicht verliert. Je nach Wein wird der Cocktail natürlich außerdem noch eine deutliche Spur komplexer. Einzig beim Verhältnis von Whiskey und Wein sollte man Vorsicht walten lassen, da der New York Sour rasch in Richtung Wein „kippen“ kann.

6 cl Rye Whiskey
3 cl frischer Zitronensaft
2 cl Zuckersirup
2 cl trockener französischer Rotwein

Glas: Sour-Glas/Tumbler

Garnitur: keine

Zubereitung: Alle Zutaten im Shaker mischen und auf viel Eis gründlich kaltschütteln. Doppelt ins vorgekühlte Glas/auf Eiswürfel in den Tumbler abseihen.

4) Hugo (Originalversion)

Wenn auch nicht in derselben, drastischen Weise, teilt doch der Hugo mittlerweile das Schicksal mit der Sangría. Einst in Südtirol erdacht als abwechslungsreiche, blumig-kräuterige Variante des einfachen G’spritzten. Davon ist heute nicht mehr viel übrig. Mittelmäßiger Prosecco und halbwegs perlendes Tafelwasser sind dabei noch die Vorstufe, wenn nicht gar einer der mittlerweile vielen verfügbaren Premixes zum Einsatz kommt. Mit dem Ursprungs-Hugo hat das nicht mehr viel zu tun.

Wir halten es da lieber mit der originalen Rezeptur von Roland Gruber, die das heute omnipräsente Aroma von Holunderblüten noch außen vor lässt und stattdessen Melisse den Vorzug gibt. Dazu ein hochwertiger Prosecco Spumante oder ein ausdrucksstarker Weißwein — vielleicht ein Grüner Veltliner — sowie frische Minze und ein großzügiger „Splash“ Soda. Man fragt sich, wie sich die heute bekannte Version dagegen überhaupt durchsetzen konnte.

15 cl trockener Weißwein oder Prosecco Spumante
2 cl Zitronenmelisse-Sirup
3-4 cl Soda
1-2 Minzezweige

Glas: Weinglas

Garnitur: Zitronenspalte

Zubereitung: Die Zutaten im Glas auf reichlich Eiswürfeln oder einer großen Eiskugel verrühren.


5) Hock Martini

Selbstverständlich darf dieser Drink auch im Stehen, Liegen oder Sitzen eingenommen werden. Tatsächlich hat der Name auch eine völlig andere Herkunft, als man als Deutscher annehmen würde: Wein aus dem Rheingau stand international lange Zeit synonym für die deutsche Weißweinkultur, so auch in Großbritannien. Besonders jener Riesling aus Hochheim begeisterte bereits die selige Queen Victoria. Bedenkt man nun, wie ein Brite wohl die Silbe „hoch“ aussprechen würde, liegt der Name plötzlich auf der hand.

Entgegen vieler „-Tinis“ kommen hier tatsächlich mit Weißwein und Gin, die beiden originären Protagonisten zusammen, allerdings im Verbund mit einem Spritzer Apricot Brandy. Im Zentrum steht jedoch der Riesling mit seiner knackig-fruchtigen, mineralischen Tönung, die durch die beiden anderen Zutaten umspielt wird. Quasi ein Rheingauer „Reverse Martini“ für alle, die sich nicht schon vor dem Essen 7 cl Gin ins Gemüt gießen mögen.

6 cl trockener Riesling (z.B. Weingut Hupfeld)
2 cl klassischer, wacholderbetonter Gin
1 BL Apricot Brandy

Glas: Martinischale

Garnitur: getrocknete Aprikose

Zubereitung: Zutaten im Rührglas auf viel Eis gründlich kaltrühren und ins vorgekühlte Glas abseihen.

6) French Sprizz

Wer „Hugo“ sagt, muss auch „München“ sagen. Schon andere südliche Aperitivi bahnten sich ihren Weg in deutsche Gefilde über die „nördlichste Stadt Italiens“ und deren gute Gesellschaft. Dass es jedoch auch dort nicht immer allzu gefällig sein muss, beweist einmal mehr Klaus St. Rainer aus der Goldenen Bar, der dem zuckrig-ranschmeißerischen Hugo mit seinem French Sprizz eine souveräne Antwort vor die Nase gesetzt hat.

Und in der Tat ist die Kombination aus einem kraftvoll-spritzigen Riesling, Soda, gelber oder grüner Chartreuse und dem Bouquet Garni aus Salbei, Rosmarin und Thymian beides zugleich: herb-komplex und dennoch unheimlich erfrischend. Der generöse Orange-Squeeze steuert eine volle Fruchtnote bei nur geringer Säurezufuhr bei. Der Hugo für Heimspiele von 1860 München!

15 cl trockener Riesling (z.B. Weingut Dönnhoff)
2-3 cl Chartreuse grün oder gelb
3-4 cl Soda
Orangenspalte

Glas: Weinglas

Garnitur: Bouquet Garni aus Rosmarin, Thymian und Salbei

Zubereitung: Die Orange ins Glas pressen und hineingeben. Mit Eiswürfeln auffüllen und die anderen Zutaten hinzugeben. Gründlich kaltrühren.

Credits

Foto: Wein und Lupe via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

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