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„Ich besitze Slane nicht, ich verwalte es für die nächste Generation.“ Alex Conyngham im Interview

Alex Conyngham ist der globale Markenbotschafter von Slane Whiskey, den er auch selbst herstellt. Er führt und leitet aber auch „Slane Castle“, ein Anwesen, das seit über 300 Jahren in Familienbesitz ist und seit 40 Jahren Konzerte mit Acts wie Madonna oder Metallica veranstaltet. MIXOLOGY-Online im Gespräch mit einem modernen Schlossherren.

Alex Conyngham ist ein ungewöhnlicher Markenbotschafter. Er reist nämlich nicht nur im Dienste einer Brand durch die Lande, er stellt den Whiskey auch noch selbst her. Und das auf einem Schloss, das bereits seit 1703 im Besitz seiner Familie ist: „Slane Castle“. Manchen mag der Name „Slane“ vielleicht nicht nur durch den Whiskey bekannt sein, sondern als Austragungsort der Slane-Konzertreihe, die seit 1981 Acts wie Thin Lizzy, U2, Madonna, Eminem oder Metallica in die in der Nähe von Dublin gelegenen Gegend holt.

Auch für dieses Gespräch befindet sich Alex Conyngham auf Slane Castle. Auf einer Wand hinter ihm hängt die Ahnenreihe, Fotos von seinen Eltern, seinen Großeltern und Urgroßeltern. Im Interview erklärt er, was die Conynghams mit Whiskey verbindet, wie es zur Kooperation mit Brown-Forman kam und was Whiskey und Musik gemeinsam haben.

Slane Castle liegt nur eine knappe Stunde vom Flughafen Dublin entfernt

MIXOLOGY: Lieber Alex, was passiert gerade in der Slane Destillerie, wie sieht der Tagesablauf aus?

Alex Conyngham: Die Slane Destillerie ist insofern etwas ungewöhnlich, als wir drei verschiedene Arten von Whiskey herstellen. Wir haben das so konzipiert, um mit einem Höchstmaß an Flexibilität verschiedene Kategorien von Whiskey bedienen zu können. Im Moment stellen wir Malz her – natürlich aus 100 % gemälzter, irischer Gerste –, aus dem wir einen dreifach destillierten Malz-Whiskey gewinnen, der dann in einer Auswahl verschiedener Fässer reifen kann und entweder für den Blend genommen oder als zukünftiger Single Malt herausgebracht wird.

MIXOLOGY: Gehen wir noch kurz zurück in der Geschichte. Du warst von 2000 bis 2008 im Ausland tätig. Als du nach Irland zurückkamst, hast du 2009 den ersten Slane Whiskey auf den Markt gebracht, der allerdings wieder eingestellt wurde. Hattest du immer schon die Idee, einen eigenen Whiskey zu machen?

Alex Conyngham: Es ist richtig, dass wir ursprünglich 2009 auf den Markt kamen. Mein erster Job in der Irish Whiskey-Branche war 1999 als Markenbotschafter. Da bin ich auf den Geschmack gekommen, aber ich habe auch das Potenzial der Kategorie verstanden. Mein Vater Henry und ich hatten durch die Rock-Konzerte, die wir seit 1981 auf Slane Castle veranstalten, ein gewisses Markenbewusstsein für Slane aufgebaut. Mein Vater meinte aber schon 2008 zu mir: „Wir brauchen ein weiteres Geschäftsfeld, um uns zu diversifizieren.“ Wir haben uns für Whiskey entschieden, weil Whiskey und Musik gut zusammenpassen. Abgesehen davon haben wir den Rohstoff, die Gerste, ohnehin schon auf dem Hof angebaut. Wir haben eine hervorragende Wasserqualität aus dem nahe liegenden Fluss „Boyne“. Aber 2009 bezogen wir die Rohdestillate von einer anderen Brennerei. 2012 wurde die Destillerie, von der wir beliefert wurden, allerdings aufgekauft und wir nicht weiter beliefert. Mir war aber ohnehin klar geworden, dass unsere einzige Möglichkeit für Authentizität und Kontrolle eine eigene Brennerei war. Mein Vater hat mich an dem Punkt noch etwas zurückgehalten, aber sobald wir unsere Lieferanten verloren hatten, machten wir uns daran, unsere eigene Brennerei zu entwerfen und alle erforderlichen Genehmigungen einzuholen. Wir wussten allerdings, dass wir es nicht alleine schaffen konnten, und so kam es schließlich 2015 zu der Partnerschaft mit Brown-Forman.

»Auf lokaler Ebene geht es wirklich auf das zurück, was mir mein Vater beigebracht hat, als ich ein kleiner Junge war: Nämlich dass ich, wenn es darum geht, die Verantwortung zu tragen oder Slane zu besitzen – was wohl jetzt meine Rolle ist –, ich nicht hier bin, um es zu besitzen, sondern dafür, um es für die nächste Generation zu bewahren.«

— Alex Conyngham

MIXOLOGY: Wie kam dieser Kontakt zustande? Durch deine frühere Arbeit als Markenbotschafter?

Alex Conyngham: Ich hatte Brown-Forman auf jeden Fall auf dem Radar, denn es ist eines der wenigen Unternehmen, das nicht nur großartigen Whiskey herstellt, sondern das auch weiß, wie man Marken großzieht. Aber es kam letztlich auf ein persönliches Treffen mit Garvin Brown an, dem Vorsitzenden des Vorstands. Wir haben zu Mittag gegessen und uns über irischen Whiskey ausgetauscht, aber eigentlich ging es die meiste Zeit darum, was es bedeutet, ein Familienunternehmen zu sein. Brown-Forman gibt es seit 1870, die Familie spielt immer noch eine sehr aktive Rolle im Unternehmen; wir, die Conynghams, sind seit 1703 auf Slane. Der Grund, warum beide Unternehmen so lange überlebt haben, wie sie es haben – mit Familienbeteiligung und -kontrolle – ist, dass wir immer an die nächste Generation denken, und darüber hinaus. Garvin Brown hat Brown-Forman jedenfalls nahe gelegt, sich unseren Vorschlag genauer anzusehen.

MIXOLOGY: Warum hat dich Whiskey in den 1990er Jahren bereits interessiert? Es mag eine überholte Vorstellung sein, aber man stellt sich einen Schlosserben nicht unbedingt als Whiskey-Markenbotschafter vor …

Alex Conyngham: Mein Vater hat mir immer beigebracht, dass man das, was man tut, lieben muss, um es auch gut zu machen. Die Person, die mich in die Welt des Whiskeys eingeführt hat, war mein Großvater. Er lebt leider nicht mehr, aber er liebte seinen irischen Whiskey. Durch ihn bin ich auf den Geschmack gekommen. Mein Vater und ich hatten auch viel Spaß, als wir 2009 das Projekt ins Leben riefen. Wir waren persönlich unterwegs und haben viel Schuhleder gelassen. Wir sind buchstäblich herumgelaufen und haben den Whiskey verkauft. Abgesehen davon ist es unglaublich befriedigend, seine eigene Gerste anzubauen und zu sehen, wie sie sich in Whiskey verwandelt. So schaffen wir einen Mehrwert und halten das Geld in der lokalen Wirtschaft. Mein Vater hat 1976 die Geschäfte von meinem Großvater übernommen. Leider waren die Zeiten wirtschaftlich schwierig, und er musste als der neue Mann Leute entlassen. Aber jetzt sind wir hier, 40 Jahre später, und beschäftigen glücklicherweise wieder zahlreiche Menschen aus der Gegend.

MIXOLOGY: Das alte Schloss hat in der heutigen Wirtschaft eine neue Rolle eingenommen. Ist Nachhaltigkeit ein Faktor bei Slane?

Alex Conyngham: Irischer Whiskey ist sehr wichtig für die nationale Wirtschaft, weil man irischen Whiskey eben nirgendwo anders herstellen kann. Daher muss jeder Arbeitsplatz, den man in diesem Sektor schafft, in Irland bleiben. Auf makroökonomischer Ebene ist das finanziell nachhaltig, aber auch auf lokaler Ebene geht es wirklich auf das zurück, was mir mein Vater beigebracht hat, als ich ein kleiner Junge war: Nämlich dass ich, wenn es darum geht, die Verantwortung zu tragen oder Slane zu besitzen – was wohl jetzt meine Rolle ist –, ich nicht hier bin, um es zu besitzen, sondern dafür, um es für die nächste Generation zu bewahren. Das bedeutet, dass wir uns um uns selbst kümmern müssen, aber auch um unsere Gemeinde, um die Landschaft, in der wir das Glück haben, leben zu dürfen. Deshalb haben wir beim Bau der Destillerie einen sehr nachhaltigen Ansatz gewählt. Wir haben Wildvogelschutzgebiete an den Rändern unserer Gerstenfelder geschaffen, wir haben uns zu einem zehnjährigen Waldbewirtschaftungsplan verpflichtet, der die Entfernung nicht heimischer Arten aus unseren Wäldern vorsieht. Wir pflanzen aktiv neue Bäume. Wir sind eine sehr traditionelle Destillerie, was die Art und Weise der Whiskyherstellung angeht, aber innovativ im Hinblick auf die Minimierung unseres Energie- und Wasserbedarfs. Wir haben eine umfassende Wärmerückgewinnung und nutzen Regenwasser als einen Teil unseres Prozesswassers. Wir haben einen anaeroben Fermenter eingebaut, der zwar noch nicht in Betrieb ist, der aber dann das Nebenprodukt der Destillation verarbeiten und an Mikroben verfüttern wird, die im Gegenzug Biogas hervorbringen, das zur Beheizung der Destillierapparate verwendet werden wird. Wenn diese Anlage anläuft, wird sich unsere Kohlenstoffemissionen um etwa 30 % reduzieren. Innerhalb des Geländes haben wir Beete gepflanzt, die die Garnituren für die Drinks unseres Bartenderprogramms liefern. Der Fluss Boyne beheimatet Lachse und fließt um die Rückseite der Destillerie herum. Es gab einen Mühlenteich, der seit über 50 Jahren für laichende Lachse gesperrt war und den wir als Rückhaltebecken für Löschwasser restauriert haben. Das Problem war, dass die laichenden Lachse nicht durch ihn durch stromaufwärts zum Laichen gelangen konnten, also haben wir eine Fischtreppe gebaut, die es den Fischen ermöglicht, stromaufwärts zu wandern. Bei all dem geht es also darum, immer noch großartigen Whiskey auf traditionelle Weise herzustellen, aber wir versuchen, langfristig an die Zukunft zu denken.

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»Einen Drink zu teilen ist so alt wie die Zeit selbst. Das wird sich nicht ändern.«

— Alex Conyngham

MIXOLOGY: Ich habe auch ein Bild gesehen, auf dem alte Dächer entfernt wurden, um die Pot Stills per Kran einzusetzen …

Alex Conyngham: Ja, es war wie Whiskey-Tetris. Diese Gebäude stammen aus den 1750er Jahren. Wir haben zwar auch neue Gebäude gebaut, aber wir haben auch diese Gebäude aus dem 18. Jahrhundert restauriert. Also haben wir das Dach abgenommen, die Pot Stills abgesetzt und das Dach darauf wieder aufgesetzt. Das sind handgefertigte Pot Stills aus 100 Prozent Kupfer. Früher dienten diese Gebäude als Getreidespeicher und Ställe, oder auch als Unterkunft für Angestellte. Es sieht jetzt aber so aus, als ob diese Gebäude schon immer dafür gedacht waren, als Brennerei zu dienen.

MIXOLOGY: Slane Irish Whiskey selbst reift in drei verschiedenen Fasstypen, die dann verblendet werden. Dieser endgültige Blend reift jedoch nicht noch einmal alleine, richtig?

Alex Conyngham: Genau. Im Moment haben wir ein Kernprodukt, einen Blend aus Malz- und Gerstewhiskey. Wir teilen das auf drei verschiedene Fässer auf, daher der Ausdruck Triple Cask. Das gibt uns Kontrolle. Es ist ein bisschen wie beim Abmischen von Musik. Man hat sein Mischpult vor sich und kann jeden Regler separat bedienen. So können wir auch die geschmackliche Wirkung jedes einzelnen Fasses hoch- oder runterdrehen und haben Kontrolle, den Blend abzustimmen und auszubalancieren. Unser Master Distiller Gearoid Cahill leistet großartige Arbeit darin, die Balance zwischen den verschiedenen Flavours und Noten zu finden.

MIXOLOGY: Von 2010 bis 2019 hat sich der Verkauf von Irish Whiskey fast verdoppelt. Aber in Bars spielt er weniger eine Rolle, zumindest nicht hierzulande. Ist Gastronomie ein wichtiger Teil der Pläne von Slane?

Alex Conyngham: Absolut. Slane soll ein Whiskey sein, der sich auch in Cocktails bewährt. Er soll pur und für sich alleine stehen, aber wir achten auf ein komplexes Geschmacksprofil, das in Cocktails nicht verloren geht. Sonst hat man keine Grundlage, um die Bar-Community anzusprechen. Mit Slane Irish Whiskey kann man spielen. Ich hatte erstaunliche Tiki-Drinks damit, weil er tropische Bananennoten enthält und der Malt Whiskey ist ziemlich fruchtig. Er funktioniert im klassischen Irish Coffee wegen seiner süßen, schweren Demerara-Zuckernoten, die von unserem zweiten Fass stammen. Man kann am Zuckersirup zurückdrehen, denn Slane hat von Natur aus eine wunderbare Süße.

Alex Conyngham denkt Slane Irish Whiskey und Slane Castle nachhaltig weiter

MIXOLOGY: Zuvor wurde ein Bartender-Programm vor Ort erwähnt. Wie sieht das aus?

Alex Conyngham: Wir haben Barry und sein Team, die in der Brennerei für Drinks sorgen. Wir arbeiten auch mit Bartendern auf dem irischen Markt und anderen Märkten zusammen. Bartender sind kreative Menschen, die sich ihre eigenen Gedanken machen. Ich bin kein Fan davon, den Leuten zu sagen, wie sie Slane Irish Whiskey trinken sollen. Ich werde natürlich oft gefragt: Wie trinkt man ihn? Ich sage: Wie auch immer man ihn trinken möchte. Er ist so konzipiert, dass er zu einer Vielzahl von Anlässen passt, von Klassikern bis zu Tiki-Drinks. Ich liebe Slane Irish Whiskey on the Rocks, also einfach auf Eis. Wenn der Whiskey ein bisschen verdünnt wird, legt er andere Aromen frei. Wenn ich auf einem Konzert bin, nehme ich allerdings eher einen Slane mit Ginger Ale. Zum Brunch ist ein Irish Coffee unschlagbar.

MIXOLOGY: Du machst viele Vergleiche zu Musik. Spielst du selbst Musik?

Alex Conyngham: Ich spiele nicht mehr aktiv, viele Jahre zuvor habe ich ziemlich schlecht Bass gespielt, aber das mache ich nicht mehr. Kürzlich wurde mir vom Leadsänger einer Band eine Mundharmonika gegeben, aber ich hatte nicht viel Zeit, um zu üben und würde sicherlich auch nicht auf der Bühne spielen (lacht). Aber ich liebe einfach Musik. Sie hat die Fähigkeit, dich an andere Orte zu versetzen und Menschen zusammenzubringen.

MIXOLOGY: Whiskey bringt Menschen zusammen. Wir sind durch die Pandemie zwar sehr gut in der Lage, von zu Hause zu arbeiten. Aber nichts ersetzt das analoge Treffen …

Alex Conyngham: Die Leute machen mehr Cocktails zu Hause. Das haben wir auch während der Pandemie unterstützt, ich war in vielen Online-Sessions, die Spaß gemacht haben. Bestimmte Elemente davon werden bleiben, aber ich bin davon überzeugt, dass die Menschen immer noch in ihre lokale Bar gehen und einen Cocktail trinken wollen, der von jemand anderem gemacht wurde. Das wird nicht so bald verschwinden. Einen Drink zu teilen ist so alt wie die Zeit selbst. Das wird sich nicht ändern.

MIXOLOGY: Die Pandemie hat 2021 auch das 40-jährige Jubiläum der Slane-Konzerte verhindert. Wie sehen die Pläne für Slane Castle für 2022 aus?

Alex Conyngham: Natürlich hatten wir schon einige große Namen hier. Unser Anwesen zu öffnen und Rockkonzerte zu veranstalten, hat uns bekannt gemacht. Wir werden jedenfalls weiter an Plänen für Konzerte in diesem Jahr und danach arbeiten. Die Vorstellung, 80.000 auf einem Platz zu versammeln, ist nach wie vor schwer zu begreifen. Aber wir müssen nach vorne schauen, über die Pandemie hinaus. Drückt uns die Daumen.

MIXOLOGY: Slane ist auch für sich ein atemberaubender Ort. Und er liegt nur 35 Minuten vom Flughafen Dublin entfernt …

Alex Conyngham: Ja. Die Brennerei wurde so konzipiert, dass sie nicht nur als Produktionsstätte dient, sondern auch für Besucher geeignet ist. Wir bieten Führungen an, wir veranstalten Cocktailkurse, es befindet sich eine Zelt-Möglichkeit auf der anderen Seite des Flusses bei Rock Farm Slane. Slane ist nicht nur eine Brennerei. Slane ist ein Erlebnis.

MIXOLOGY: Lieber Alex, vielen Dank für das Interview und alles Gute.

Credits

Foto: Brown-Forman

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