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Smuggler’s Strength Gin: Legale Schmuggelware

Der Reiz des Verbotenen hat seine ganz eigenen Einflüsse an der Bar. Das generelle Verbot von Alkohol zur Prohibition und die daraus resultierenden Speakeasy-Bars sind der Höhepunkt dieser Idee. Aber auch im Kleinen reizt das, was nicht erlaubt ist.

Manch Raucher hält sich für einen Cowboy, wenn er sich in einer Bar in Bayern seine Kippe entzündet, und vor einigen Jahren leuchteten die Augen noch klandestin, wenn ein Absinth eingeschenkt wurde. Produkten einen illegalen Anstrich zu verpassen, macht also nur Sinn.

Gegen den Strom

“Mehr” Premium und ein noch höherer Verkaufspreis. In diesen wenigen Worten lässt sich das Selbstverständnis neuer Ginmarken in den letzten Jahren recht stimmig zusammenfassen. Nur bleibt die Frage, wie viele dieser Marken in einer Bar nebeneinander existieren können. Einen anderen Weg gehen möchte der von Thames Distillers (u.a. Fifty Pounds Gin, Oxley und Mombasa Club Gin) produzierte und in Deutschland von Ginobility vertriebene Smuggler’s Strength Gin, dessen Etikett bereits seit einigen Wochen durch die sozialen Medien geistert.

Ein Seemann samt Steuerrad schmückt ebenjenes Etikett und soll den gesetzlosen Seemann darstellen, der vor langen Jahren Alkohol über das Meer nach Skandinavien und natürlich in die USA schmuggelte. Der wichtigste Punkt für Hersteller und Vertrieb ist aber ein anderes Argument – der Preis. Einen Premium Gin zu produzieren, der preislich so interessant ist, dass er als Pouringprodukt in Betracht gezogen werden kann, ist eines der Ziele des im letzten Herbsts herausgebrachten Gins. Um dieses Ziel zu erreichen, geht man sehr ehrlich mit seinem Produkt um und verstrickt sich nicht in Ausreden in Form von Marketing. „Der Alkoholanteil ist bewusst bei 40% gehalten um Alkoholsteuer einzusparen und somit das Produkt günstiger anbieten zu können.“

Außerdem wird der in London hergestellte Gin nach Polen gebracht und dort in Flaschen abgefüllt. „Flaschen, Etiketten und Verschlüsse werden in Polen produziert und es ist günstiger den Gin dorthin zu bringen als alles nach London zu holen. Abgesehen davon kann man in Polen sehr schnell abfüllen, während wir uns in London acht Wochen vorher anmelden müssen,“ erklärt der Sprecher von Smuggler’s Strength. Insgesamt werden so die allgemeinen Kosten sehr niedrig gehalten, was wiederum einen Preis knapp unter 20 Euro ermöglicht.

Ehrlich. Trocken. Und mehr?

Aber kann der Gin neben dem Preis auch geschmacklich überzeugen? Einen Bezug zum Namen hat die Idee hinter dem Gin. „Was das Aroma angeht, haben wir uns an Gin und Brännvin orientiert, der in gesunkenen Schmugglerkähnen vor Schwedens Küste gefunden wurde. Recht rau und ein klassischer, sehr trockener Gin,“ lautet die Erklärung des Produzenten. Die nicht weiter benannten Botanicals werden über Nacht in Alkohol mazeriert, bevor sie in Brennblasen mit einem Volumen von 500 Litern destilliert werden.

Wacholder dominiert die Nase. Klassische Ginaromen lassen keinen Zweifel darüber, was man im Glas vor sich hat. Gin, ohne moderne Nebenaromen. Und genau so macht der Smuggler’s Strength am Gaumen weiter. Wacholder, eine leichte, sehr angenehme Cremigkeit und ein mittellanger Abgang, ohne zu viel Schärfe oder Brennen mit sich zu bringen. Ein Gin eben, mehr aber auch nicht.

Der Preis hält, was er verspricht

Und genau so verhält sich die Schmuggelware auch in Verbindung mit Tonic. Die Kombination ergibt einen leicht zu trinkenden Longdrink, Smuggler’s Strength ist bemerkbar, drängt sich aber nicht auf.
Am Ende bekommt man mit Smuggler’s Strength Gin genau das, was kommuniziert wird. Einen soliden Gin ohne Firlefanz zu einem vergleichsweise fairen Preis. Die Idee mag edel erscheinen, es ist jedoch fraglich, ob der Smuggler’s auf dem aktuellen Parkett mithalten kann. Denn für viele Konsumenten scheint mittlerweile ein gewisses Preisniveau vonnöten, um einen Gin attraktiv werden zu lassen.

Bei Ginobility, dem deutschen Importeur, ist man jedenfalls zuversichtlich: „Wir denken, dass der Trend für qualitativ hochwertige und gut produzierte Gins weiter anhalten wird. Ein großer Teil des „normalen“ Bar-Publikums fängt gerade erst an, diese Spirituose zu entdecken. Aktuelle Zeitungsartikel in fachfremden Magazinen wie Stern und Spiegel sprechen ebenfalls dafür. Schaut man auf Länder wie z.B. Spanien, in denen der „Trend“ um einiges länger existiert, sieht man, dass es für Gin noch einen weiten Weg zu gehen gibt und Gin in Deutschland damit noch viel Potenzial hat.“

Credits

Foto: Verlassenes Schmugglerschiff via Shutterstock

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