Wenn der „Grüne Drache“ beißt. Stoned und betrunken in einem.

Sonstiges 26.10.2011 19 comments

Internationale Treffen wie der Bar Convent Berlin (BCB) bringen internationale Geschichten. Und da es in New York unter manchen Bartendern derzeit angeblich en vogue ist seinen Alkohol mit Cannabis zu infusionieren, machte dies auch nach dem BCB schnell in Deutschland die Runde. Ein Teil der experimentierfreudigen und infusioniereuphorischen Zunft hat offenbar einen Drang zum Illegalen. Doch bevor es noch mehr werden, möchte MIXOLOGY ONLINE nicht missen, etwas Aufklärung zu betreiben.

Stop! Noch mal: Ja, es geht hier um eine illegale Droge. Trotzdem: Cannabis in Alkohol zu infusionieren, um dort den psychoaktiven Hauptwirkstoff THC der Pflanze zu binden, ist unter Kennern nicht unbekannt. Steffen Geyer, Organisator der Hanfparade, bekannter Befürworter der Legalisierung von Cannabis und Autor des Buches „Rauschzeichen – Cannabis: Alles was man wissen muss“, weiß während eines Telefonates, sofort wovon man spricht. Unter Bartendern zieht die Infusionierung, zumindest soweit MIXOLOGY ONLINE blickt, jedoch erstmalig in Deutschland seine Kreise.

Alles Spielkinder!

Dabei ist es offenbar ganz einfach. Zumindest die Variante, die ein Bartender aus New York kürzlich nach Berlin trug. Unterm Strich braucht man angeblich dafür nur einen handelsüblichen Sahnesiphon, ein paar Gramm Marihuana, einen Liter möglichst hochprozentigen Schnaps und ein bisschen mehr als eine Stunde Zeit. Die Stunde bezieht sich selbstverständlich auf die Herstellung. Ernsthaft mixologisch Interessierte, fragen sich natürlich erstmal, welche Spirituose wohl gut mit den Aromen von Cannabis harmoniert. Nun, zu diesen Themen schaut man ja heutzutage auf Foodpairing Bäume. Und siehe da, erst gestern wurde auf dem bekannten Foodpairing Blogspot ein aus den Niederlanden stammender Foodpairing-Baum zu Hanföl veröffentlicht. Etwas gruseliges Timing, aber wahr! Für die ersten Versuche in Deutschland die MIXOLOGY ONLINE bekannt sind, wurde derweil auf Mezcal zurückgegriffen. Erdig, stark und irgendwie auch natürlich. Passt?

Wofür Liebhaber der berauschenden Grünpflanze wochenlang Marihuana in Spirituosen einlegen, nehmen sich Bartender eine Stunde. „Verschwendung“, meint der Experte Geyer sofort, als er den Zeitrahmen hört. Kann sein. Aber vielleicht auch nicht. Dass man ein paar Gramm Marihuana mit einem Liter Booze in einen Sahnesiphon packen und diesen mit zwei Patronen N2O betanken kann, um grundsätzlich die löslichen Stoffe der Pflanze zumindest erstmal in die Flüssigkeit zu pressen, steht zumindest in keinem der vielfältig im Internet leicht auffindbaren, englischsprachigen „Green Dragon“ Rezepte.

Ein dem Autor der Zeilen bekannter promovierender Chemiker, der nicht namentlich genannt werden möchte, sieht jedoch dies sogar noch als übertrieben an: „Da hat wohl ein Spielkind eine unnötig große Affinität zu Siphons?“ Und er erklärt weiter: „Grundsätzlich sind die auf der oberflächlich klebenden Harze der Pflanze der relevante Träger der Wirkstoffe und diese sind alkohollöslich. Mechanisches Untermischen und ein bisschen schütteln sollte für den ersten Schritt reichen, da muss man auch nicht wochenlang warten.“ Er hat natürlich auch noch einen Vorschlag parat, denn „am besten würden sich die Stoffe wohl in Aceton lösen, aber wer möchte das in seinem Drink?“

Und der Drache, der hat Zähne und die trägt er …

Alle auf Holzpfaden? Sowieso! Denn die Sache war, ist und bleibt illegal. Und bis hierhin würde in der Bartender-Variante sowieso noch nichts passieren. Der entscheidende Schritt geschieht erst durch eine Erhitzung. Denn was ursprünglich THCA ist, soll von seiner Kohlenstoffdioxid-Molekülen befreit werden und zu THC werden. Decarborboxylierung nennt man diese chemische Reaktion und diese passiert beim Rauchen von Joints durch die Verbrennung. Der junge Herr aus New York empfiehlt für den Grünen Drachen den Sahnespender einmal zu entleeren, erneutes Einfüllen der Flüssigkeit, die Flüssigkeit kurz ruhen lassen und dann den Siphon eine Stunde ins köchelnde Wasserbad geben. Schwups, schon sind dem Drachen Zähnchen gewachsen. Aber: Wer etwas in der Portokasse übrig hat, kann sich das Ganze auch wissenschaftlich betrachten. Es wird dann schnell klar, dass die New-York-Bartender-Decarboxylierung vielleicht funktionieren mag, aber sie ist bei der empfohlenen Hitze und Dauer (wissenschaftlich gesehen) bei weitem nicht ausreichend um alles zu THC umzuwandeln Also doch Verschwendung? Andererseits könnte man, wie man wiederum in Internet finden kann, durch einen kurzen Backvorgang auf 140° Celsius die Sache ins wissenschaftliche Lot bringen.

Aber nun das Wichtigste. Die angesprochenen Zähnchen sind schon Zähne und können ganz schön stark beißen. Sowohl der Profi Geyer wie der nicht zu benennende Chemiker raten von Spielereien ab. Geyer: „Die orale Aufnahme von Cannabis bietet Risiken, da die Wirkung später einsetzt und äußerst unberechenbar ist. Bei Anfänger führt Ungeduld oft zu Überdosierung und diese zieht mindestens Kreislaufprobleme und im schlimmsten Falle Paranoia mit sich.“ Auch der Chemiker hebt den Zeigefinger deutlich: „Das ist kein Joint, den man weglegen kann, wenn es einem schwummrig wird. Ist die Flüssigkeit im Körper, gibt es kein zurück. Und wie stark die Flüssigkeit mit Wirkstoffen gesättigt ist kann keiner ohne Labor vorab sagen.“ Sogar aus New York wurde der Hinweis mitgegeben, dass ein Shot mehr als genug sei.

Die moderne Experimentierfreudigkeit hinter den Tresen also in Ehren. Aber Alkohol und Cannabis gemeinsam in ein Glas gebannt ist ein ziemlich radikaler Zug, auf den man nicht leichtfertig aufspringen sollte. Schnell kann man zu früh springen und wird überrollt. Erst recht sollte man die Finger von derartigen Spielereien lassen, wenn man mit einem der beiden keine oder kaum Erfahrungen hat. Und für den Verkauf in einer Bar ist die ganze Geschichte ja selbstverständlich sowieso nicht tauglich.

19 comments

  1. Sam Kohn

    Wirklich interessanter Artikel.

    Wobei ich von einem wirklich guten Lied selten einen REMIX gut finde …

    MfG
    Sam

  2. Marcel Baumann

    „Ernsthaft mixologisch Interessierte, fragen sich natürlich erstmal, welche Spirituose wohl gut mit den Aromen von Cannabis harmoniert.“

    Bitte???

    Dann bin ich auf jeden Fall nicht „ernsthaft mixologisch interessiert“!
    Denn das einzige was ich mich frage ist…gehts noch???

  3. Steffen Hubert

    Lieber Herr Baumann,
    in diesem Satz soll eine subtile Ironie mitschwingen. Vielleicht zu subtil? 😉

    Ob irgendwas noch geht, entscheide ich nicht.

    Liebe Grüße,
    Steffen

  4. Marcel Baumann

    Lieber Herr Hubert,
    die leichte Ironie habe ich wohl nicht verstanden.
    Doch was ist mit diesem Satz gemeint?

    „Aber Alkohol und Cannabis gemeinsam in ein Glas gebannt ist ein ziemlich radikaler Zug, auf den man nicht leichtfertig aufspringen sollte.“

    Verstehe nicht warum man überhaupt auf diesen Zug aufspringen sollte! Ob leichtfertig oder nicht!
    Bin von diesem Artikel nicht überzeugt und er verbreitet in mir eher schlechte Laune und ein schlechtes Gewissen.
    Finde man sollte mit dem Thema „illegaler Drogen“ etwas vorsichtiger umgehen!

  5. Steffen Hubert

    Lieber Herr Baumann,
    die Sache an Sich ist verboten. Und es ehrt jeden der damit nichts zu tun haben möchte. Das steht nicht zur Debatte. Aber diese Geschichte hat es schnell einigen angetan. Daher wurde hier vor den Risiken sehr deutlich gewarnt. Da ich es nicht noch mehr verbieten kann, als es sowieso schon ist, das Interesse jedoch trotzdem offenbar vorhanden ist, appelliere ich, wenigstens nicht leichtsinnig zu sein. Was genau ist daran unverständlich?

    Warum es in Dir ein schlechtes Gewissen verbreitet kann ich nicht nachvollziehen.

    Das nicht jeder von allen Artikeln immer überzeugt sein kann und eventuell manchmal schlechte Laune bei Artikeln bekommt verstehe ich sehr gut. Um wiedermal unseren werten Herausgeber zu zitieren, der gerne einen unserer anderen Autoren zitiert: „Journalismus der nicht bewegt, ist A****l***journalismus“. Hoffentlich gefallen Dir bald wieder andere Artikel. Wir arbeiten sehr hart daran, möglichst Vielfältiges zu bieten.

    Cheers mein Lieber.

  6. Jean-Pierre Ebert

    Ähnlich wie Herrn Baumann geht es mir. Vor allem ist nicht klar, warum Ihr den beschreibenden Drogenkonsum/-herstellung (verbotene Substanzen) mit steigender Intensität pflegt. Siehe auch Kokainartikel im letzten Heft.

    Es helfen auch nicht die pro forma Warnhinweise und Ehrenerklärungen, die Du abgibst, die Faszination, die der Drogenkonsum auf Euch ausübt, zu verbergen. Oder was soll die Mehr oder Weniger – Anleitung wie man es macht? Oder wie viel Kokain man zu sich nehmen sollte (Kokainartikel).

    Kurzum, seit Ihr gerade auf dem Trip, oder bereits weich in der Birne vom Drogenkonsum? Entschuldigt die drastische Ausdrucksweise.

    Nimmst/brauchst Du mehr oder weniger regelmäßig Drogen hast Du ein Problem. Und brauchst Hilfe.

  7. Jean-Pierre Ebert

    Gibt es keine guten, interessanten Barthemen? Schöpferische Krise?

    Das Thema ist sicherlich kein Tabu. Der verklärende, erklärende, anleitende Stil ist aber ziemlich daneben. Mir fehlt der Respekt vor regelmäßig kiffenden oder sniffenden Nasen. Mitleid macht sich breit.

  8. Steffen Hubert

    „Nimmst/brauchst Du mehr oder weniger regelmäßig Drogen hast Du ein Problem. Und brauchst Hilfe.“

    Danke der Nachfrage. Es geht mir sehr gut. Dies sogar, ohne das ich mich mit Drogen vollpumpe. Also spar Dir bitte völlig haltlose und aus der Luft gegriffene Unterstellungen. Themen über Alkohol hinaus geschehen in der Bar, also berichten wir auch darüber. Wenn dies zu viel für Deinen rosaroten Horizont ist, gut. Wenn Dir mein Stil nicht gefällt, lies Deine eigenen Texte 😉 Sind auf Dauer wahrscheinlich sowieso bekanntlich das Einzige, was dich annähernd glücklich machen könnte. Einen eigenen Blog hatte ich Dir glaube ich schon mal empfohlen. Dann hättest Du endlich einen würdigen GEsprächspartner. Klingt gut?
    Liebe Grüße,
    SH

  9. redaktion

    Lieber Jean-Pierre,

    ich würde vorschlagen, Du kehrst zum akademischen Stil zurück. Sei versichert, dass Deine Argumente auch so bei uns ankommen – obwohl wir weich in der Birne sind. Die Art und Weise in der Du Dich hier aufführst, lässt doch vermuten, dass Du einen Fernseher hast und zu viel Pro 7, RTL und andere Krawallsender schaust.

    Vielen Dank!

    Herzliche Grüße – Markus

  10. Britta Jordan

    Am Anfang war die Experimentierfreude
    …und das indiviuell unterschiedlich ausgeprägte Bedürfnis, das Bewusstsein zu erweitern / zu verändern.
    Die aktuelle Gesetzeslage sollte zwar jedem bewusst sein, bildet aber weder die Realität ab noch ist sie auf Grund medizinischer Erkenntnisse „gewachsen“. Unsere gesellschaftlich und medizinisch relevanten Drogen und somit auch Einstiegsdrogen sind immer noch Alkohol und Nikotin. Das sollte jedem Bartender / -besitzer klar sein, finde ich.
    Es hängt von so vielen unterschiedlichen Faktoren ab, ob und wie ein Mensch mit einer oder der Kombination mehrerer Drogen „umgehen kann“. Niemand kann vorausschauend für sich selbst oder seine Familie oder seine Gäste / Kunden ausschließen, in Suchtgefahr zu geraten.
    Daher wünsche ich mir diesbezüglich gerade von Opinionleadern, den Hang zur Bigotterie einzumotten und ein klein wenig mehr Mut zur Realität zu zeigen. Erfahrungsaustausch ist auch ein Mittel der Aufklärung.
    Vielen Dank an SH! Cheers!

    Herzlichst,
    Britta Jordan

  11. Jean-Pierre Ebert

    Lieber Markus,

    hier ein akademisches Argument, Zitat: „Andererseits könnte man, wie man wiederum in Internet finden kann, durch einen kurzen Backvorgang auf 140° Celsius die Sache ins wissenschaftliche Lot bringen.“,um THCA in THC zu verwandeln. Ist im nächsten Cocktailian mehr in Erfahrung zu bringen?

    Hätte ich einen Fernseher und Zeit, wären die genannten TV-Formate sicherlich meine bevorzugten. Du kennst meinen Geschmack.

  12. Britta Jordan

    Matchbox-Köpfe auf Märklin-Gleisen …
    Schlammcatchen?

  13. Matthias Straka

    An Drogen ist nichts gutes, ich weiss auch nicht was das soll.

  14. Helmut Adam

    *räusper*

    Ist den Beteiligten an der Diskussion geläufig, dass Alkohol auch eine Droge ist? Eine legale. Ab Volljährigkeit. Der Großteil unserer Kommunikation dreht sich um diese Droge.

  15. Matthias Straka

    @ Helmut,

    mit großem Respekt vor eurer Arbeit, aber „gehts noch“?

  16. Helmut Adam

    @Matthias Straka

    Was „gehts noch“? Möchtest Du nicht auf meinen vorigen Kommentar eingehen? Ist Alkohol eine Droge? „Ja“ oder „nein“? Auf Deinem Facebook-Profil bist Du in einer eine Droge verherrlichenden Pose abgebildet. Ich übrigens auch.

    „Gehts noch“ ist kein Debattenbeitrag. Lesen und Nachdenken ist angesagt.

  17. Philipp Brückner

    Hallo zusammen,

    Ich nehme gleich vorweg, bevor hier einem irgendwelche unsachlichen Kommentare wieder, wie Herrn Hubert passiert, an den Kopf fliegen: Ich konsumiere weder Cannabis noch andere legale oder illegale Drogen, außer Alkohol.

    Mit Überraschung stelle ich, ähnlich wie Herr Adam fest, wie unüberlegt hier manche Ihren von einer Droge bestimmten Arbeitsalltag ausblenden und sich über einen eben mal recht unüblichen Artikel aufregen. Das finde ich mit Verlaub verlogen. So ist es wissenschaftlich hinreichend belegt, dass die eine legalisierte Droge mindestens genauso schädlich, teilweise gar schädlicher ist als die andere illegale. (Mithin findet diese zaghafte Erkenntnis immerhin in immer mehr politischen Institutionen Berücksichtigung).
    In dieser Hinsicht also sollten sich dir Vertreter unserer Zunft in Zurückhaltung üben und nicht das eine schockiert verteufeln (Und das nur weil sich jemand daran gemacht hat darüber zu recherchieren und nicht etwa weil er sich offen zum Konsum von THC bekennt ), während sie das Andere legalerweise fröhlich ausschenken.

    Mit freundlichen Grüßen

  18. Matthias Straka

    Hallo Helmut,

    du hast recht, „gehts noch“ hat hier auch nichts zu suchen.

  19. Ano nymie

    Haha, euer Horizont scheint ja arg begrenzt zu sein Marcel Baumann & Konsorten… UUh Drogen, böse böse. Aber Artikel über Ethanol lesen? Naja manche werden das Leben wohl nie verstehen.

    An den Autor:
    Danke für den Artikel. Besonders die NO2 Methode ist für mich als Chemiebegeisterter neu und interessant. Wenn ich das richtig verstanden habe dient das Gas dem Aufbau von Druck um die Löslichkeit im Ethanol zu erhöhen, nicht aber als sekundäres Lösungsmittel?!

    Kleine Anmerkung:
    Das erhitzen des Gemischs im Backofen kann uU. sehr gefährlich werden. Nicht wegen des Killer-Cannabis‘ sondern weil die Siedetemperatur von Ethanol (Alkohol, für unsere leicht beschränkten Freunde hier) bei knapp unter 80°C liegt. Gasförmiges Ethanol birgt Explosionsgefahr!

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