Wer trinkt Apfelschnaps im Lande des Apfelsafts?

Sonstiges 30.7.2011

Jeder kennt den Geschmack von frischen, knackigen Äpfeln. Unterschiedlichste Sorten kursieren auf dem Markt und die meisten haben sogar eine gewisse Vorstellung davon, welche Sorte ihnen am liebsten ist. Ebenso gibt es ziemlich viele Produkte, die aus Äpfeln hergestellt werden. Gute Voraussetzungen, um Gästen in Bars etwas einzuschenken, was sie kennen und mögen. MIXOLOGY ONLINE hörte sich um, und fragte, mit welchen Apfelprodukten hinter deutschen Tresen derzeit gearbeitet wird.

Apfelsaft gibt es im deutschsprachigen Raum wahrlich überall. Egal ob naturtrüb, gefiltert, aus Konzentrat oder sortenrein, gesüßt oder gemischt. Es ist ein Renner der schnellen alkoholfreien Erfrischung. Apfelweine kennt man hauptsächlich aus Irish Pubs. Strongbow, Woodpecker, Bulmers und Co. sind weltweit renommierte Marken. In Bars selten vorhanden und wohl noch seltener gefragt. Destillate aus dem Apfel dagegen finden sich oft. Doch wie wird damit hinter unterschiedlichen deutschen Tresen umgegangen?

Quo vadis Apfel?

René Förster hat in seiner Dresdner Twist Bar einen lang gereiften Calvados (Papidoux XO) und einen Applejack (Laird‘s) stehen, mit denen er auch gerne mal mixt: „Klassiker wie, Honeymoon Cocktail‘ oder ,Jack Rose‘ empfehlen wir oft, da wir in unserer Bar eine Aufgabe darin sehen, auch alte Drinks zu neuer Blüte zu verhelfen.“ Und darüber hinaus wird in der Twist Bar noch ein lokaler, sortenreiner Obstbrand ausgeschenkt. Und auch wenn er nicht auf Apfelprodukte in der Bar verzichten möchte, sieht er sie auch in den kommenden Jahren eher als Randerscheinung.

Der im Basler Hotel Les Trois Rois beschäftigte Schweizer Finalist der Diageo World Class 2011 Henning Neufeld weiß ob weiterer Qualitäten des französischen Apfeldestillats aus der Normandie: „Calvados wird bei uns gerne als Digestif verlangt. Sowohl von Franzosen als auch von Schweizern und Deutschen.“ Bei den amerikanischen Gästen erkennt er dagegen wenig Bezug zu Calvados. In und an Cocktails wird im Trois Rois auch gerne mal mit Äpfeln gearbeitet. Zum Beispiel wird eine Whisky Sour Variante mit Granny Smith angeboten.

Im Hamburger Le Lion dagegen, sieht der Besitzer Jörg Meyer dem Apfel etwas zurückhaltender entgegen. Er kann keinen augenblicklichen Trend ausmachen, vermutet keine saisonalen Höhepunkte und betont die Rolle des Tenders, der die Nachfrage diesbezüglich steuert. Noch deutlich weniger achtet offensichtlich Tom Zyankali aus dem Institut für Unterhaltungschemie in der bundesdeutschen Hauptstadt Apfelprodukte. Auf die Nachfrage von MIXOLOGY ONLINE entgegnet er trocken: „Die 3. Flasche Calvados, die hier in 20 Jahren eingekauft wurde, ist noch 3/4 voll.“

Über den Einfluss von amerikanischen Sitcoms auf das deutsche Trinkverhalten

Doch auch in Berlin sieht es manchmal anders aus. Marcus Wolff dankt der Fernsehserie Scrubs, in welcher der Protagonist gerne Appletinis schlürft. Relativ süße Appletini-Varianten mit gängigen Apfellikören erfreuen sich in der Bellini Lounge auf der Oranienburger Straße außerordentlicher Beliebtheit. Grundsätzlich erachtet er aber auch neben Likören Apfelprodukte für wichtig: „Es sollte ein schöner Calvados in einer guten Bar nicht fehlen. Apfel ist einfach ein reizvoller Geschmacksträger. Als Saft, gerade im Apfelschorle-Land nicht wegzudenken, naturtrüb an die Macht!“ Ähnlich wie Herr Meyer in Hamburg sieht es Konrad Friedemann aus der Berliner rivabar: „Die Nachfrage ist gleichbleibend, außer wir empfehlen aktiv.“ Und auch wenn er bei französischen Gästen einen Hang zu Calvados erkennen kann, spielen Apfelprodukte für ihn „eine sehr untergeordnete Rolle“.

Photo credit: Apfelbaum via shutterstock

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