Eoipso. Eine Basler Bar. Stadtgeschichten und Missverständnisse.

Stadtgeschichten 3.2.2013

In jeder MIXOLOGY-Ausgabe wird eine Stadt anhand ihrer nächtlichen Stimmung präsentiert. Das eoipso in Basel sieht sich in diesem Bild falsch gezeichnet. Ein zweiter Blick offenbart geleistete Pionierarbeit, die bei einer Momentaufnahme keine Rolle spielt. Unser Autor hat Kontakt mit den Betreibern aufgenommen und erläutert ein paar Hintergründe.

Diesen Stadtgeschichten gehen meist sehr ausgiebige Bar- und Stadttouren voran. Dabei entstehen Erfahrungsberichte, die feuilletonistisch gestaltet werden. Das heißt auf eine persönliche Art die Details des Lebens in einer subjektiven und bildnerisch gezeichneten Weise darstellen. Die Stadtgeschichten sollen in temporeichem Sprachstil, pointierten Zuspitzungen einen Streifzug durch die Nacht miterlebbar machen. „Wie fühlt sich diese Stadt bei Nacht an?“ ist dabei die zentrale Frage.

Die letzte Ausgabe im Jahr 2012 (Issue 6/2012) porträtierte die Nacht in Basel, eine Schweizer Stadt am Dreiländereck.

Selten kamen so viele Rückmeldungen auf eine Stadtgeschichte im MIXOLOGY Magazin. Aller Aufregung voran das „eoipso“, eine Gastronomie im Basler Gundeldingenquartier. Die Anregungen, Fragen und Kritik der Besitzer waren ausschlaggebend für den vorliegenden Artikel. Es waren keine impulsiven Anschuldigungen oder uneinsichtige Rechfertigungen. Lonja Schmid, Mitbegründerin des eoipsos, zeigte ehrliche Betroffenheit über die schlecht ausgefallene Wahrnehmung der MIXOLOGY-Gäste.

Eoipso von vorne

Am 11. September 2001 haben André Theler und Lonja Schmid, nach fast einem Jahr Vorbereitung und Bauphase, das eoipso eröffnet. Es war der erste ööffentliche Betrieb auf diesem sich im Prozess zur Umnutzung befindenden ehemaligen Maschinenfabrikareal (im Artikel, fälschlicherweise, als Produktionsstätte von Gullydeckeln bezeichnet).

Hinter der Bar wurde zu dieser Zeit noch mit rudimentären Mitteln gearbeitet, doch der damalige Barchef, Pascal Kunz (2001 bis 2008), war von der ersten Stunde an mit dem richtigen Verständnis für Cocktailkultur dabei. Als Gastgeber hat er diese Bar erfolgreich aufgebaut, geführt und in kompetente Hände übergeben.

Mit dem Etablieren des eoipsos wurden im damaligen Basel, das eine eher magere Cocktaillandschaft beheimatete, entscheidende Impulse gesetzt. Auch was die Umnutzung und das anschließende Betreiben des ausgedienten Industriegeländes angeht, darf dem Team des eoipso eine Vorreiterrolle attestiert werden. Das eoipso hat die Basler Barszene mit dem eigenen Schaffen inspiriert und damit direkt und indirekt an der schnellen und positiven Entwicklung mitgewirkt.

Die MIXOLOGY-Delegation ist am Abend des 21.11.2012 im Gundeldingerfeld eingetroffen und kehrte gleich im eoipso ein. Ein ausgezeichneter Ruf war vorausgeeilt und hatte die Bartour in diese Ecke der Stadt gelenkt. Ein Ruf, der in dieser Nacht nicht erwidert werden konnte. Weder die Stimmung noch die georderten Drinks konnten überzeugen. Das Konzept, wie diese unter Denkmalschutz stehende Halle bewirtschaftet wird, brach zusammen. Laut, ungesellig, ungenaues Arbeiten. Ein Erlebnis, welches zu einem prekären Urteil führte. Keine Über- oder Untertreibungen, keine Hetzjagd, aber eine Momentaufnahme.

Subjektiv aber kein Maßstab

Als einfacher und durstiger Gast steht MIXOLOGY in den Bars der Städte und möchte sich ein Bild der Szenerie machen. Der vorauseilende Ruf muss an dieser Stelle unterdrückt werden, denn keine Bar, kein Team und keine Räumlichkeit soll es sich erlauben, auf Lorbeeren rumzusitzen. Wer laut ruft, zieht viele zahlende Gäste an, aber auch Kritiker. Differenzierende Augen, welche das Gebotene nüchtern betrachten und ein Urteil sprechen. MIXOLOGY sprach ein Urteil, welches auf einer Momentaufnahme beruhte, eine gewisse Subjektivität in sich trug und den Ruf nicht als Maßstab ansetzte.

Dies wird auch in Zukunft so geschehen, wenn MIXOLOGY in anderen Städten dieser Welt umherzieht, um das Flair einer Stadt aufzusaugen. Es geht nicht um die Jagd nach mixologischen Exzessen, sondern um die Entdeckung von innovativen Konzepten und authentischen Umsetzungen.

Mit den Stadtgeschichten wird ein Bild gezeichnet, das Informationen abseits eines Touristenführers gibt. Eine Geschichte, die von der Stadt, ihren Bewohnern und deren Stimmung erzählt. Und hin und wieder ein Zeichen, das aufzeigt, wo sich gewisse Bars im Hier und Jetzt befinden. Unabhängig, mit Freude lobend, mit scharfer Zunge kritisierend. Mehr nicht.

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