Köln. Eine nächtliche Bartour.

Stadtgeschichten 22.7.2011 3 comments

Köln im Aufwind. In den ersten Sommertagen zeigt die Stadt, was sie kann. Und sie tut es mit spielerischer Eleganz und auf höchstem Niveau. Eine Spurensuche durch die Bars der Rheinmetropole.

Die Stimmung in der Stadt ist abgründig, so hört man. Gebäude fallen ein, Theater werden geschlossen, die Kultur wird zusammengespart, die Stadtverweser sind der Korruption angeklagt und die Dauerjecken in der Verwaltung lassen sich die U-Bahn von der Schrottmafia unter dem Hintern wegklauen. Ein Skandal, eine Kapitulation, eine Stadt wird demontiert. Wirklich?

Die Einfahrt mit dem Zug über die Hohenzollernbrücke bietet dem Reisenden eines der eindrucksvollsten Panoramen aller deutschen Großstädte. Im Cinemascope- Format öffnet sich die Perspektive und gibt die Sicht frei auf ein wunderbares Ensemble. Im Vordergrund schimmert der mächtige Rhein und immer näher rücken die Häuserfassaden, die romanische Kirche Groß St. Martin, Philharmonie, Museum Ludwig und – immer breiter aufgezoomt – der Dom. Eine Ahnung von 2000 Jahren Stadtgeschichte. Colonia Agrippina.

An diesen ersten Sommertagen pulsiert das Leben auf den Straßen rund um das Wahrzeichen. Skater, Bettler, Straßenkünstler. Touristen, Büroflüchtige und Bohemiens vor den Cafés. Historisch gewandete Pappkameraden posieren vor hundert Objektiven, die China-Aktivisten protestieren einsam mit Handzetteln gegen Todeslager und illegalen Organhandel – hier aber ist tiefer Westen und diese Probleme sind so weit weg wie die Erfindung des Papiers!

Nach dem Gestank der Einkaufsmeile, ein floraler Duft eines Vodka Martini

Hohe Straße: Hier riecht es wie in jeder beliebigen Einkaufsmeile im Sommer. Wehende Fahnen verschmolzen zu einer Mixtur aus Denim, Leder, Parfüm und Fast Food. Gepflegte Menschen, die sich die Kleider vom Leib reißen und dabei immer noch sehr elegant aussehen, neben Schiesser-Feinripp-Nostalgikern mit Gelhaupt und Kölschflasche in der handyfreien Hand. Die Menschenströme lösen sich erst am Neumarkt auf und hier ist wieder Durchatmen möglich.

Vorbei an einer unwirtlichen Gegend biegt man in eine kleine Seitenstraße ein und entdeckt ein Kleinod – das Spirits. Eine elegante Bar in einer Stilmelange aus 20er Jahren, Backstein und Art-Deko-Elementen. Ein DJ malt Jazz und Latin-House in den in warmes Licht getauchten Spirituosenhimmel. Dann wird der Gast erst einmal an die Tafel gestellt und examiniert: welchen Vodka, wie trocken, Olive oder Zeste? Setzen! Und dann kam im geeisten Glas ein perfekter Vodka Martini – voller floraler Aromen und so leicht, dass man sich zur Vorsicht genötigt sah. Auch der Singapore Sling präsentierte sich mit all seinen erfrischenden Reizen unter der konsistenten Schaumkrone. Ein Auftakt nach Maß und beschwingt konnte man nun den weiteren Veedeln entgegenschlendern.

Den Hohenzollernring entlang, den ständig anschwellenden Strömen entgegen Richtung Friesenplatz. Inmitten der Döner- und Asiahöhlen halten sich hartnäckig die sogenannten Büdchen. Kleine Kioske, die beinahe rund um die Uhr geöffnet haben und in anderen Städten Spätkauf heißen. Bittet man hier allerdings darum, die Flasche zu öffnen, wird man zum Ausgang verwiesen – das Schankrecht.

3 comments

  1. Daniel Jüttner

    Hola ihr Mixologen,
    Schön endlich mal was über meine Heimatstadt zu lesen besonders die erwähnung unserer Klienen aber feinen Gastrobar die Lotte in der sich schon immer das how is how der Kölner Gastronomie zum absacker Trifft freut mich sehr.
    Aber für euren nächsten besuch empfhele ich einen Abstecher im Goerge M. der Hotelbar des Pullmann Cologne in der 11. Etage.
    Eindeutig aus meiner sicht eine der Besten Bars Kölns. Hier werden im Neo Modernen Ambietene mit unglaublichem Ausblick über Köln Hochqualitative Cocktails in Kombination mit exqusiten Speisen geriecht.

    Und so komisch sich das auch anhört selber der Besuch auf der Toilette ist ein absolutes Highlight!!

    Liebe Grüße

    Dan

  2. Daniel Jüttner

    kleine berichtigung ich meine selbstverständlich das who is who xD nicht how is how xD

    entschuldigt bitte den kleinen dreher

  3. Markus Orschiedt

    Hallo Daniel,

    danke für den Hinweis, wir werden das auf jeden Fall berücksichtigen. Man schafft eben doch nicht immer alles, in der knapp bemessenen Zeit. Aber Köln ist uns auf jeden Fall in der Zukunft wieder eine Reise wert. Ihr und viele weitere Kollegen in Köln macht wirklich einen ausgezeichneten Job. Hat viel Spaß gemacht Euch in die Gläser zu schauen.

    Mit besten Grüßen – Markus

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