Prag bei Nacht. Tanzende Häuser.

Stadtgeschichten 27.9.2012 3 comments

Prag ist ein Sehnsuchtsort. Eine der schönsten Städte Europas und voller Bilder und Traditionen. Stadt der Künste und der Architektur. Hier kann man sich verlieren und sich mit Lust die Füße wund laufen. Wir sind all dem auf der Spur gewesen und haben uns in der Nacht verlaufen. Bars in Prag sind ebenso aufreizend, wie in anderen Metropolen. Es gibt großartige Drinks und die Menschen, die dort arbeiten, sind hervorragende Gastgeber. Gehen Sie mit uns auf eine kleine Entdeckungsreise. Die Stadt an der Moldau hat einiges zu erzählen.

„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“ Dieser Satz hat gesessen. Einer der berühmtesten Romananfänge der Literaturgeschichte. „Der Prozess“ von Franz Kafka, dem bedeutenden Sohn Prags. Ja, Prag ist so sexy, dass man sich hier gerne verhaften ließe. Schon die Fahrt nach Prag erfüllt alle Obsessionen. In einem Zug mit Fünfzigerjahre-Charme, der sich gemächlich am Elbsandsteingebirge und der sächsischen Schweiz entlangwindet, dann die Moldau begleitet, setzt bereits die Entschleunigung ein.

Schon kurz nach der Ankunft wird ein architektonisches Feuerwerk abgebrannt. Gotik und Barock mit Figuren, Engeln, Göttern, Tieren, Titanen und Putten an den Häusern, Jugendstilbauten und kubistische Moderne. Das „Tanzende Haus“, auch Ginger und Fred genannt, als Symbol des Aufbruchs. Stadt der Bohème, steinernes Prag.

Auch kulturell gibt es zu Deutschland viele Bezüge. Schließlich war die Moldauschönheit einmal die Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches und bis Mitte des 19.Jahrhunderts wies sie eine deutsche Bevölkerungsmehrheit auf. Neben Kafka schrieben hier noch Rilke und Brod, Werfel und Meyrink, veralberte „Der brave Soldat Schwejk“ die Obrigkeit – die Originalkneipe aus dem Roman steht noch heute. Und selbstverständlich ist Prag nicht nur die Goldene Stadt, sondern weist auch eine hohe Dichte an Bierschänken, Cafés, Restaurants und Bars auf – ebenfalls ein goldenes Zeitalter.

Fenstersturz, Hörsturz, Nachtsturz

Der erste Weg führt durch die Fußgängerzone Richtung Moldau. Vorbei an einer eigentümlichen Mischung aus Edelboutiken, Touristencafés, Sex-Shops und siechenden Junkies und Säufern auf den Bänken. Auf einer Open-Air-Bühne Klassische Musik. Dann ein malerischer Markt mit kleinen Wein- und Naschständen.

An der Moldau, die silbrig und gelassen in der Nachmittagssonne funkelt, geht der Weg den Fluss entlang nach Westen. Eine sanfte Biegung weist nach Süden direkt zur Karlsbrücke. Menschengewusel wie in einem Bienenstock. Straßenkünstler jeder Couleur bespielen die sich vorbeiwälzenden Massen. Riesige Ausflugsschiffe auf Rundfahrt und unter den Lasten ächzend. Schließlich ein stetiger Anstieg hinauf zum Hradschin zur Prager Burg, dem größten geschlossenen Burgareal der Welt. Imposanter Blick über die Stadt und man erkennt deutlich die Einfassungen durch die vielen Hügel und die Dominanz der beiden Burgberge. Hier machen wir auch die erste Bekanntschaft mit den allgegenwärtigen Absinthshops. In einem Headshop läuft in Flugzeugturbinenlautstärke Heavy Metal, aber es gibt sinneöffnendes Absinth-Eis. Prager Fenstersturz, Hörsturz, Absturz in die Nacht.

Nächstes Ziel, das legendäre Café Slavia. Vorbeischlendernd an Weinbergen, durch enge Gassen und entlang an altem Gemäuer und ein paar Occupy-Resttruppen, erreichen wir nach Süden gewendet und eingefasst von Parkanlagen und der weiterhin trägen Moldau, die Legii Brücke. Vor uns erhebt sich das spektakuläre National Theater. Eine Demonstration des Kunstwollens.

Also Vorhang auf und Auftritt Slavia. Das Café mit seiner über 125-jährigen Geschichte ist ein Quell der Anekdoten. Es hat viele Häutungen hinter sich und präsentiert sich heute im Stil der 30er Jahre. An den vertäfelten Wänden und unter prächtigen Leuchtern ist ein Panoptikum berühmter Besucher aus Kunst, Kultur und Politik zu bestaunen. Eine breite Fensterfront weist zur Moldau und zum Theater. Alles überstrahlend das berühmte Jugendstilgemälde „Der Absinth-Trinker“ von Victor Oliva. Auf dem Tisch des einsamen Unglücklichen hat sich eine nackte, transparente grüne Fee niedergelassen. Ein erstarrter Kellner im Bratenrock beobachtet die Szenerie.

Auf Empfehlung gibt es hauseigenen Prosecco mit geräuchertem Lachs und Erdbeeren. Nun ja, passt irgendwie zu den anderen zahlreichen Gästen. Aufgrund der hohen Preise verkehren hier vor allem erinnerungsschwangere Touristen. Wohl nur wenige Prager dürften sich das leisten können. Dennoch ist das Slavia für jene einen Besuch wert, die mal wieder ins pulsierende Kulturambiente zu Beginn des letzten Jahrhunderts eintauchen möchten – wenn auch nur durch Kulissenschieberei.

Auf der Straße taucht plötzlich eine pinkfarbene Amazonenarmee auf. Tausende Frauen in pinkfarbigen T-Shirts, mit bunten Fähnchen und Luftballons fluten die Straße vor dem Slavia und biegen dann musizierend in Richtung Wenzelsplatz ab. Was geht hier vor sich? Die Nachfrage ergibt, dass man hier den Anti-Brustkrebs-Tag begeht. Plötzlich teilt sich die Menge, wie einst Moses beim Auszug aus Ägypten das Meer. Eine mächtige Rollerparade durchpflügt hupend die Menge.

3 comments

  1. Louisa Math

    Hey Ich habe in zwei wochen das große vergnügen in Prag zu sein und Ich würde gerne die guten und Empfehlungswerten Bars von Prag kennen lernen. Es wäre schön wenn du mir ein paar Tipps gebenwwürdest.
    Liebe grüße
    Louisa Mathea

  2. Redaktion

    Hallo Louisa,

    ich bin etwas irritiert. Die Empfehlungen stehen alle im Text und sind verlinkt. Oder was genau meinst Du?

    Grüße MO

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