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Stone Brewing | Mixology — Magazin für Barkultur

Stone Brewing setzt auf Berlin

„Wir kommen nicht nach Deutschland um deutsches Bier zu brauen.“ Greg Koch von der Stone Brewing Company in Kalifornien stellt die Pläne für seinen ersten europäischen Standort vor. Und der ist in Berlin.

Die Katze ist aus dem Sack, es gibt also einen Sieger im Rennen der internationalen Craft Beer Größen um den Standort Berlin: Stone Brewing macht’s. Jetzt ganz echt und wirklich und im ernst. Oder zumindest sind die US-Amerikaner früher mit ihrer verbindlichen Zusage für einen Standort am Start, vor BrewDog (deren Ortssuche wohl andauert), vor der Brooklyn Brewery (die womöglich in die Bötzow Brauerei zieht), vor Mikkeller (die zwar immer wieder Pop-Up-Stopps machen, aber noch nicht mit einer eigenen Bar hier aufwarten können).

Lang und viel ist auch im Fall von Stone herumgemunkelt worden. Als Greg Koch, CEO und Gründer einer der größten und einflussreichsten Craft Breweries der USA, letzten Sommer in Berlin war und per Facebook Videos von sich in irgendwelchen typisch Berlinerischen halbmaroden, halb-wahnsinnig-geilen  Fabrikgebäuden postete, konnte man sich ja schon denken: Der Mann will hier etwas eröffnen. Nur was? Eine Bar? Brewpub? Oder gar eine ganze Brauerei?

Letzteres wird es nun also. Ein richtig große Produktionsstätte, 83-Hl-Sudhaus und zwar auf dem ehemaligen GASAG-Gelände Mariendorf, in Tempelhof-Schönefeld.  Dazu wird es ein Restaurant geben, womöglich eine Art Tasting Room, plus Bar. Schickes und richtig großes Ding wird das, die „Stone Brewing CO. Brewery Berlin“. Los geht es ab sofort – mit Ausbau und Entwicklung und allem. Das erste in Berlin gebraute Stone Ale soll in zwölf bis achtzehn Monaten ausgeschenkt werden, zumindest wünscht sich das der Chef, wie er in einem Exklusiv-Interview vor der offiziellen Bekanntgabe seiner Pläne erzählt.

Herr Koch, schon konkrete Pläne, was das für ein Bier sein wird, das erste „Berlin brewed“? Etwas Deutsches?

Nein, das nicht. Wir kommen nicht nach Berlin, um deutsches Bier hier zu brauen. Das machen deutsche Brauereien und ein paar davon sogar ganz wundervoll. Wir kommen schon, um unseren Stil zu brauen. Wir bringen den Stone-Stil nach Berlin und kopieren niemanden. Und übrigens: In unserem Restaurant wird es kein Pils geben, von niemandem. Und es wird keine Bier-Misch-Getränke geben. Strikt verboten dieses Zeug.

Wird es dort auch Biere von anderen geben?

Absolut, ja.  Wir werden in unserem Restaurant eine sehr große Auswahl Berliner, deutscher und europäischer handwerklich gebrauter Biere haben, sowohl auf dem Hahn als auch in Flaschen. So machen wir das in unserem Stammhaus in San Diego ja auch, wir haben da mehr Gast-Bier im Ausschank als eigenes. Ich kenne alle Berliner Craft Brewer persönlich, bin mit ihnen befreundet und bewundere ihre gute Arbeit. Die meisten haben wir in unsere Pläne eingebunden und sie freuen sich mit uns auf das, was kommt.

Gut, wenn die Kleinen die Konkurrenz durch Stone nicht fürchten müssen, was ist mit den Großen? Sollten deutsche Industriebrauer sich auf etwas gefasst machen?

Ich verstehe das Geschäftsmodell der Großen überhaupt nicht. Und es hat mich auch nie interessiert. Ich habe keine Ahnung, wie die auf uns reagieren werden oder sollten. Das ist einfach eine ganz andere Welt. Wir hier bei Stone leben in einer Handwerkswelt, die leben in der Massengüterwelt. Und damit sind mir die total Wurst.
Einige von denen versuchen ja bereits auch Biere amerikanischen Stils zu brauen, Pale Ales, IPAs und so.  Sie bezeichnen das auch explizit als „American Style“, was ich amüsant finde, denn deren Kunden sind doch die, die immer noch die Nase rümpfen, wenn sie hören „amerikanisches Bier“. Das sind doch die, die keine Ahnung haben und denken, amerikanisches Bier bedeute dünnes, geschmackloses, leichtes Lager. Eigentlich eine geniale Ironie  – von der ich allerdings nicht erwarte, dass der Durchschnittsbiertrinker sie versteht.

Warum ausgerechnet Deutschland?

Was wir gesucht haben, war die beste Kombination von Land, Stadt und Gebäude. Letztlich war es also keine reine Entscheidung für Deutschland oder für Berlin, auch wenn das beides natürlich wichtig war, es war eine Entscheidung für die perfekten Bedingungen, die wir mit diesem Gebäude in Berlin gefunden haben. Die Location ist ausnehmend besonders. Und Berlin ist schon auch einzigartig mit seiner ganz besonderen Kombination von Geschichte und Tradition.
Vermutlich kann man sogar sagen, dass es ein Teil der Berliner Tradition ist, dass irgendwie nichts wirklich traditionell hier ist. Es ist das Wesen dieser Stadt, dass sie nie stillsteht, sondern sich immer nach vorne bewegt. Die Energie in dieser Stadt ist sehr groß. Wir haben diesen Standort übrigens schon vor vier Jahren gefunden, es dauerte nur so lange, bis alles in trockenen Tüchern war.

Vier Jahre? Warum? Deutsche Bürokratie?

Nein, gar nicht. Die deutschen Behörden waren eigentlich zu jeder Zeit äußerst hilfsbereit. Es hat einfach gedauert, bis alle Eigentümer sich über den Deal einig wurden.

Hatten Sie denn das Gefühl, dass die Leute in den Berliner Behörden, mit denen sie Ihre Pläne abstimmen mussten, verstanden haben, um was es da geht? Was Craft Beer ist?

Ich schlage mich seit 18 Jahren mit Vorurteilen herum, seit ich in diesem Geschäft arbeite. Vorurteile werden immer Leute in ihrem Verständnis einschränken, das stört mich nicht weiter. Aber die deutschen Beamten waren alle sehr offen, wenngleich ganz bestimmt nicht alle Craft Beer in seiner vollen Tiefe verstanden haben, so wie wir das tun. Aber was sie verstanden haben, war: Lange Zeit ist die Brautradition in Berlin gestorben, jetzt ist sie im Wiederbelebungsmodus. Und es ist ja im Interesse aller Berliner, Berliner Braukultur wieder zum Leben zu erwecken.

Credits

Foto: Greg Koch via Stone Brewing Co.

Comments (3)

  • Jens Müller

    Frage: das „Stone“ im Firmennamen hat aber nichts mit dem Brauverfahren zu tun, wie etwa beim Steinbier der fränkischen Brauerei Leikeim, oder? )

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  • Helmut Adam

    Hallo Jens, nein, mit fränkischem Steinbier hat die amerikanische Brauerei nichts zu tun. Stone Brewing ist hingegen für kompromisslosen Einsatz von Hopfen bekannt. Grüße, Helmut

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  • john muir

    FUCK YES!

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