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Die Hauptstadt der Cocktailkolonie.

In den letzten Jahren tauchten vermehrt Berichte über die Innovationskraft und Frische der Barkultur Australiens auf. Barkultur-Botschafter wie Matthew Bax oder Tim D. Phillips sind allseits bekannt und ziehen eine kleine Armada an jungen, vor Tatendrang sprühenden Kollegen in ihrem Kielwasser in internationale Gewässer. Und so soll sich diese Bartour endlich mit Sydney befassen: neben Melbourne einer der beiden Hauptstädte der Cocktailkolonie Australien. Ein Bericht in zwei Teilen. Teil 1.

Die Weltgewandtheit der Bevölkerung Sydneys, gepaart mit der Vielfalt der kulinarischen Einflüsse aus aller Herren Länder, haben sich deutlich in der Lebensart der Sydneysider niedergeschlagen. Ganz besonders Innovation und Originalität kann und möchte sich die Barszene Sydneys ganz groß auf den Cocktail-Union-Jack schreiben. Gerade deswegen sollen in diesem Artikel klassische Cocktails zum Vergleich und zur Illustration geschmeckt werden. Anders kann in dieser Stadt sonst auch nur schwerlich eine Parallele gezogen werden.

Denn im Großteil der ernst zu nehmenden hiesigen Bars lassen sich flambierte, fat-washed-te, trocken geeiste, food-ge-pairte, infundierte oder gerauchte Cocktails finden. Welche auch oft noch mit Zugaben für die Nase oder das Auge gereicht werden. All dies nebeneinanderzustellen, würde keine gemeinsame Basis finden können. Rauschen wir uns also durch die Klassiker.

Australische vs. europäische Spirituosenvielfalt

Wir beginnen unsere Tour im Central Business District. Im Manhattan Sydneys siedeln sich der größte Teil der Büros und der Hochfinanz der Stadt an. Dementsprechend finden sich hier viele Bars und Klubs für die ausgehfreudigen Australier. Wie soll man sonst an seinen ’stiff drink‘ zur Mittagspause oder nach der Arbeit kommen?

Beginnen wir also im Stitch. Die Bar ist dem Namen entsprechend als Näherei getarnt. Wir steigen zwischen Nähmaschinen in den Keller herab. Uns empfängt eine geräumige Bar mit vielen intimen Sitzecken und einer ambitionierten Karte. Mit Zeitungen ausgeschlagene Wände und amberfarbenes Licht kreieren eine warme Atmosphäre. Die gute Auswahl der Spirituosen auf dem Rückbuffet, der große Umfang an Werkzeugen sowie selbst gemachten Tinkturen verkürzen uns die Zeit bis zum Klassiker Aviation, dem ersten Getränk unserer Bartour.

Er schmeckt aufgrund der Wahl des Veilchenlikörs von Massenez leicht parfümiert, aber ansonsten sehr annehmbar. Leider steht hier nicht der gleiche Umfang an Spirituosen zur Auswahl wie in Europa. Zölle und die unrentabel lange Strecke bis nach Down Under lassen unglücklicherweise viele kleinere Marken nicht den Weg hierher schaffen.

Boxen in der Sportspelunken-Optik Bar

„Dies wird uns auf dieser Tour noch öfter klar werden“ denken wir, als wir aus dem Keller des Stitch steigen und uns durch die warmen Häuserschluchten schlängeln.

Unsere nächste Station wird in nur wenigen Minuten erschritten. Der verborgene Eingang im Hinterhof hilft nichts: Die Schlange vor dem Baxters Inn deutet auf große Beliebtheit hin. Dieser Trinktempel ist für die größte Whiskyauswahl des Landes bekannt. Und tatsächlich lässt sich das gut 6 Meter breite Rückbuffet nur mit Hilfe von Schiebeleitern in voller Höhe bedienen. Nach großem Hallo greifen wir zur Getränkekarte. In ihr findet man überraschenderweise nur sechs Cocktails, dafür aber eine über zwanzig Seiten starke Weinauswahl. Dies hat jedoch aufgrund der versierten Belegschaft noch nie zu einer abschlägig beschiedenen Bestellung geführt. Heute soll es der Brandy Crusta sein. Handgeschlagenes Eis und die breiteste Zuckerkruste runden einen großartig orangeigen Brandycocktail ab.

Das Baxters Inn ist im Übrigen eine der wenigen Bars hier, die Wert auf spanischen Brandy und nicht nur auf seinen berühmteren französischen Bruder, den Cognac legt. Anschließend muss ein Continental Sour dran glauben. Gegen den Ratschlag des Bartenders wird er von uns mit Shiraz geordert. Gut geschmeckt hat das alle Mal. Doch eines Besseren belehrt wissen wir nun, welcher Wein wohl noch optimaler dazu gepasst hätte. Ich hoffe nicht nur der aufmerksame Service, sondern auch der Name des Weins, sind am Ende dieser Tour noch in Erinnerung …

Dem Interieur entsprechend ringen und boxen wir uns wieder aus dieser hochwertigen Bar in Sportlerspelunken-Optik heraus durch die nicht kleiner gewordene Schlange.

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