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The Kinly Bar Frankfurt

The Kinly Bar – der Himmel im Keller

Die von René Soffner eröffnete Frankfurter The Kinly Bar ist innerhalb kürzester Zeit zu einem Begriff für ausgezeichnete Cocktailkunst geworden. Sie bietet Mixkunst auf höchstem Niveau, und das in unprätentiöser Atmosphäre. Wir geben einen Überblick.

Frankfurts Parallelwelt. In kaum einer anderen Stadt findet man eine solch gut vernetzte und spannende Barszene wie in der Bankenmetropole am Main. Ein Bartender, der sich Jahre hinter den besten Tresen der Stadt bewegt hat, ist René Soffner. Mit der The Kinly Bar hat er all sein Wissen in einem eigenen Projekt zusammengeführt und innerhalb kürzester Zeit nicht nur das heimische Publikum in seinen flüssigen Bann gezogen.

Qualitätssucht im Bahnhofsviertel

Das Bahnhofsviertel in Frankfurt ist aktuell ein Paradebeispiel für Gentrifizierung. Über lange Zeit verloren und verschrien, wird das gesamte Viertel derzeit aufgehübscht. Moderner und teurer Wohnraum wird geschaffen, die Gastronomen streiten sich um die besten Plätze für hippe Cafés und Restaurants. Das verruchte Bahnhofsviertel samt seinem Rotlichtbezirk und sehr offenem Umgang mit harten Drogen wird nach und nach in ein neues Licht gerückt.

Mitten in dieses Viertel, genauer gesagt in die Elbestraße, ist Soffner im Frühling 2015 gezogen, um seine Idee eines Wohlfühl-Speakeasy in die Tat umzusetzen.

Eine unscheinbare dunkle Tür ist der Einlass ins Glück. Schon kurz nachdem der Klingelknopf gedrückt wurde, öffnet sich die Tür. Dann geht man eine Treppe hinunter – und in eine andere Zeit. Die zwei Räume der Kinly Bar sind mit allerlei Bildern und Mobiliar aus den 1920er Jahren geschmückt und strahlen sofortige wohlige Salon-Atmosphäre aus.

»Das Kinly steht inzwischen fast als Synonym für eine neuartige Auffassung von Bar und von Mixologie. Soffner war nicht nur der mehr oder weniger erste deutsche Bartender, der sich einen Rotationsverdampfer in die Bar gestellt hat.«

The Kinly Bar Frankfurt
The Kinly Bar Frankfurt

Kinly Bar

Elbestraße 34
60329 Frankfurt am Main

Mo - Sa 19 - 03 Uhr

Wohlfühlen im Keller

Einen großen Fehler haben viele Leute im öffentlichen Diskurs in den letzten Jahren immer wieder begangen: Das Kinly als eine Art nerdige „Mixologen-Bar“ zu bezeichnen, in der man sich mehr mit sich selbst und den Drinks beschäftigt als mit den Gästen. Das liegt vor allem daran, dass Soffner, sein Partner Johannes Möhring (seit Herbst 2018) und das beständige Team sich mehr als fast jede andere deutschsprachige Bar der letzten Jahre durch eins hervorgetan haben: Innovation.

Das Kinly steht inzwischen fast als Synonym für eine neuartige Auffassung von Bar und von Mixologie. Soffner war nicht nur der mehr oder weniger erste deutsche Bartender, der sich einen Rotationsverdampfer in die Bar gestellt hat. Er und seine „Kinly Boys“ sind bis heute einige der Wenigen, die wirklich mit diesem Gerät umzugehen wissen und die verstehen, was das Ziel aller mixologischen Handwerkskunst ist: Ein Mehr an Qualität und Geschmack für den Gast. Dass man das nicht nur durch Insta-Videos mit teuren Geräten schafft, sondern mit echter Auseinandersetzung, mit akademischem Ernst, mit der Lektüre wirklicher wissenschaftlicher Fachbücher und mit Akribie – das alles sollte klar sein, ist es aber bis heute in vielen Bars nicht, in denen handwerkliche Trends aufgeschnappt und halbgar umgesetzt werden.

Nicht so im Kinly, wo jeder heute gängige Arbeitstechnik bis zum Extrem ausgelotet wird. Nicht nur im Rotovap, auch per Sous Vide, Ultraschall, im Homogenisator oder in allen möglichen Formen der Fermentation. Und das Allerschönste daran: Mit all diesem Wissen wird kein Gast belästigt, denn der bekommt schlicht das Resultat dessen. Dass dieser Weg der richtige ist, zeigt nicht nur der überfällige MIXOLOGY Bar Award als „Bar des Jahres Deutschland 2020“, vielmehr wird es artikuliert durch die Tatsache, dass das Kinly mittlerweile mit dem Ménage in München und dem Amo in Berlin zwei Tochterschiffe hat. Und in allen drei Bars gibt es den kristallklaren „Butterfly Mojito“, einen Drink aus Soda, Zuckersirup, klarifiziertem Limettensaft und mit Minze redestilliertem Rum. Wohl der wichtigste Signature Drink der Kinly Boys und einer der wenigen modernen Klassiker der deutschen Barszene.

Stressflucht: Kein Empfang in The Kinly Bar

Die Magie lässt sich aber auch ohne den Blick in die Karte spüren. Ein Mix aus außergewöhnlicher Bar und einem zweiten Wohnzimmer ist der erste Eindruck, den man bekommt, wenn man die Treppe hinuntersteigt. Ankommen, mental herunterschalten und Zeit und Sorgen vor der Tür lassen. Durch die Lage gibt es im The Kinly weder Tageslicht noch Mobilfunkempfang, und wer sich einmal an der Bar niedergelassen hat, wird nicht bemerken, wie die Zeit vergeht.

„Kinly“ ist im Übrigen ein englischer Slang-Ausdruck, der sowohl gute Freunde als auch die Familie beschreibt. Und genau das ist es, was Soffner und sein Team mit ihrer Bar vermitteln wollen. Eine Bar, in der man heimisch werden möchte. Zu Besuch bei guten Freunden, bei denen es unverschämt gute Drinks gibt. Und am Ende darf man sich nicht wundern, wenn einem beim Verlassen der Bar vielleicht schon die Sonne entgegen blinzelt.

Dieser Artikel erschien im April 2015 und wurde im Oktober 2019 letztmals aktualisiert.

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Kinly Bar

Elbestraße 34
60329 Frankfurt am Main

Mo - Sa 19 - 03 Uhr

Credits

Foto: ©Kinly Bar

Comments (3)

  • Marc

    Selten habe ich über ein Barkonzept so lange nachgedacht, wie nach meinem Besuch im „Kinly“ in Frankfurt. Ihr habt mit dem Hinweis auf die Bar mein Interesse geweckt und ich hatte mich gefreut, relativ schnell nach der Eröffnung reinzukommen und ein par Coctails zu probieren. Die Karte ist momentan sehr reduziert. Es gibt 6 oder 7 Cocktails, darüberhinaus werden aber auch andere Drinks auf Wunsch gemischt. Die Cocktails der Karte sind alle aus ziemlich ungewohnten Ingedienzien wie Trüffelöl, Stout, Hopfen und anderen Dingen gemischt. Die Jungs scheinen ein Faible für herbe, rauchige „unfruchtige“ Zutaten zu haben. Was ziemlich auf meiner geschmacklichen Linie liegt.

    Ich mochte am liebsten den „Penecilin“, einen recht herben, rauchigen aber auch cremigen Drink aus Islay Whisky und Rye. An schrägsten ist wohl derzeit dein Getränk mit einer starken Trüffelöl-Aromatisierung. Das ist echt spannend, wir kommen dadurch aber auch zum Kern meines Problems: Ich hab mich gefragt, ob ich, sollte ich in Frankfurt wohnen, da häufiger hingehen würde. Ich hatte, als ich nach 2 h die Bar verliess, den Eindruck, schon verstanden zu habe worum es den Barkeepern geschmacklich ging, Momentan macht das auf mich eher einen Labor-Eindruck um zusammen mit dem Kunden rauszufinden, was als drink möglich ist.

    Ich würde also wahrscheinlich schon wiederkommen, aber nicht, wie zum Beispiel in die „Rote Bar“ aus rein hedonistischen Gründen, sondern um rauszufinden, wie sich die Bar, die Drinks das Publikum weiterentwickelt.
    Die ganze Situation erinnert mich an die Position der orange Wines in der Weinwelt.

    Wenn ihr aber mal im Frankfurter Bahnhofsviertel seid, lasst euch die Chance nicht entgehen, den ein oder andern Experimentaldrink zu probieren. Der Laden an sich ist nämlich echt behaglich.

    reply
  • D. Rodenstock

    Ja das ist hier die Frage… Labor oder Bar?… Trüffelöl?… hier möchte man unbedingt das Rad neu erfinden…
    finde ich als Gast ziemlich anstrengend..

    reply

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