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Ti Punch Cocktail - Der süße Tod

Der süße Tod: Der Ti Punch Cocktail

Wer Rum Cocktails mag, kommt am Ti Punch nicht vorbei. Wir erklären, was es mit diesem leider noch recht unbekannten „Petit Punch“ aus der Karibik auf sich hat.

Wenn wir über den Ti Punch Cocktail schreiben, wird es erst Mal ein wenig kompliziert. Aber nur ein wenig! Denn genau wie es beim Whisk(e)y unterschiedliche Schreibweisen gibt, wird auch in der Welt des Zuckerrohrschnapses ein Buchstabe hinzugenommen oder weggelassen: R(h)um.

»Auf den Heimatinseln Martinique, Guadeloupe, Réunion und Mauritius wird Fragen nach der Zubereitung des Ti Punch mit einer gehörigen Portion laissez-faire begegnet. Soll doch jeder so, wie er will. Chacun prepare sa propre mort.«

Die Heimathäfen des Rhum Agricole liegen an den schönsten Landeplätzen der Erde. Auf den französischen Antillen, bestehend aus Martinique und Guadeloupe, dem französischen Überseedepartment La Réunion im Indischen Ozean, sowie dem, trotz 150 Jahren englischer Besatzung weiterhin französisch geprägten und seit 1968 unabhängigen Inselstaat Mauritius, 200 km östlich von Réunion. Allen Inseln gemeinsam ist die jahrhundertelange Tradition der Zuckerproduktion sowie damit unmittelbar zusammenhängend die Herstellung von Rhum Agricole. Wie der Name schon sagt, wurden sie von Frankreich kolonialisiert.

Rhum Agricole bildet die Basis des Ti Punch

Die Franzosen betrieben dort aufgrund der günstigen klimatischen Verhältnisse Zuckerrohranbau und importierten als Cognac-Nation ihre Brenntechnik. In anderen Zuckeranbauregionen bildet meist das Abfallprodukt der Zuckerpressung, die Melasse, als Ausgangsbasis für die Spirituosenproduktion. Im Französischen wird diese Rum-Art Rhum Industriel oder Rhum Traditional genannt.

Auf den französischen Plantagen aber wurde eine weitere Methode entwickelt. Und zwar nahm man direkt den Zuckerrohrsaft als Basis für die Destillation. Das Ergebnis trägt den Namen Rhum Agricole.

Wie wird Rhum Agricole hergestellt?

Bei der Herstellung von Rhum Agricole wird zu Anfang des Produktionsvorgangs das Zuckerrohr drei- bis viermal von mehreren Walzen zerquetscht, um den Saft herauszupressen.

Der Saft enthält zwischen 18 und 24 Prozent gelösten Zuckers. Nach Bestimmung des Zuckergehalts wird die Lösung soweit nötig mit Wasser verdünnt und dann für die Gärung mit kommerzieller Hefe versetzt. Die Fermentation kann nur 24, aber auch 72 Stunden dauern. Am Ende erhält man eine Maische (Vesou), die irgendwo zwischen 4,5 und 9 % Vol. liegt.

Vom Vesou zum fertigen Rhum Agricole

Die Maische wird dann in Destillierapparaten mit einer Kolonne gebrannt, wie sie in den Antillen seit 1850 in Gebrauch sind. Die Vesou wird durch zwei Vorwärmer, einen »Chauffe-Vin« (Weinwärmer) und dann in den »Échangeur« (Wärmeaustauscher) geleitet. Sobald die Temperatur 70° C erreicht, leitet man die Maische in die Mitte der Kolonne, während von unten Frischdampf eingepumpt wird. Wie in jeder Kolonnen-Destillation wird die Vesou von Sieb zu Sieb nach unten geleitet.

Dabei verliert sie stetig an Stärke, während der aufsteigende Dampf den Alkohol entzieht. Der Alkoholdampf entweicht am oberen Ende des Destillierapparats in den Head-Konzentrator, wo die flüchtigsten Komponenten entweichen können. Der Dampf wird dann aus dem Kolonnen-Destillierapparat in ein Rohr durch die zwei »Chauffe-Vins« geleitet und erwärmt so die hereinkommende Vesou, bis er von dort kondensiert.

Da die Destillation nur über eine Kolonne läuft, ist das Ergebnis ein schwacher Brand. In Martinique muss er eine Stärke von 65 bis 75 % Vol. aufweisen. Rhum Agricole wird primär in den früheren französischen Kolonien Mauritius, Réunion, Guadeloupe und Martinique hergestellt.

Wie schmeckt Ruhm Agricole?

Im Vergleich zu Rums aus Melasse, weist diese Rum-Variante in ihrer „weißen“, ungereiften Form weitaus blumig-fruchtigere, frische und grasige Noten auf. Die im Holzfass ausgebauten „dunklen“ Rhum Agricoles wiederum können sehr trocken ausfallen.

»Ti Punch ist die französische Abkürzung für „Petite Punch“. Was dem Cachaça die Caipirinha ist dem Rhum Agricole der Ti Punch.«

Wie wird ein Ti Punch zubereitet?

Wie häufig bei Cocktails bietet die Grundrezeptur des Ti Punch Raum für Variationen. Auch auf den Heimatinseln Martinique, Guadeloupe, Réunion und Mauritius geht man die Zubereitung mit einer gehörigen Portion laissez-faire an.

Bricht man es auf die Grundbestandteile herunter, ist der Ti Punch schlicht  ein Rum Sour. Er vereint die Spirituose, Zitrusfrucht und Zucker miteinander. Im Fall von Rum aus Melasse nennt man den entsprechenden Sour der Daiquiri. Und den eng mit dem Rhum Agricole verwandten brasilianischen  Cachaça wiederum mixt man zur Sour-Variante Caipirinha. All diese Cocktails gehören zur selben Familie, unterscheiden sich allerdings in Zubereitungsart und Präsentation.

Der „kleine Punch“ (franz.: Petite Punch) wird im Glas zubereitet und meist ohne Eis serviert. Dadurch benötigt er weniger Volumen. Also auch ein kleineres Glas.

Viele Rhum Agricoles haben Abfüllstärken von 50 bis 70% vol. Für den Cocktail-Fan, der mit dieser Spirituose noch nicht vertraut ist, empfehlen wir daher zum Mixen eine Variante um die 40% vol. Denn die Spirituose ist im Ti Punch weitaus dominanter als in anderen Rum-Drinks.

Ti Punch Cocktail - Der süße Tod
Chacun prepare sa propre mort - Der Ti Punch
Ti Punch Cocktail - Der süße Tod
Der kleine Punch | ©Sarah Swantje Fischer

Ti Punch (Petit Punch)

Zutaten

5 cl Rhum Agricole
1 Limettenviertel
2 Bl Rohrzuckersirup

Zubereitung

1. Das Limettenviertel mit der Schale nach unten ins Glas legen.
2. Mit einem Muddle Stick (Barstößel) leicht anpressen.
3. Die restlichen Zutaten zugeben.
4. Gut verrühren und mit Eis an der Seite servieren.

Glas

Kleiner Tumbler

Garnitur

Chacun prepare sa propre mort

Auf den Heimatinseln des Rhum Agricole ist es durchaus üblich, die Flasche Rhum, Zucker und Limetten sowie ein separates Glas mit Eis an den Tisch zu bringen, sodass sich jeder „seinen Tod selber zubereiten kann“ (frz: Chacun prepare sa propre mort). Das ist natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint! Aber für gute Unterhaltung sorgt dieser fantastische Cocktail auf jeden Fall.

Dieser Artikel von Bastian Heuser erschien erstmals im Oktober 2011 und wurde zuletzt im Juli 2019 überarbeitet.

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Credits

Foto: ©Sarah Swantje Fischer

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