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Tio Pepe Challenge 2019 | Mixology — Magazin für Barkultur

Terry Kindt streut Rosen aus Jerez und darf zum Tío-Pepe-Finale nach Andalusien

Zur Bodega Potsdamer Straße mutierte das Berliner Golvet für einen langen Wettbewerbstag. Tío Pepe suchte den perfekten Sherry-Drink. Der Sieg ging nach Hamburg: Statt an der Waterkant mixt Terry Kindt demnächst in Andalusien.

» Am Anfang stand eine Blindprobe samt sensorischer Beschreibung der verschiedenen Gonzales-Byass-Qualitäten. «

Am Ende entschied verschlempertes Wasser über den Gewinner der diesjährigen „Tío Pepe Challenge“. Gepritschelt wurde auf der Terrasse der Golvet Bar in Berlin, in der die zehn Deutschland-Finalisten um den Sieg kämpften. Victoria Gonzales Gordon, fünfte Generation der Sherry-Family Gonzales Byass („ursprünglich war das Fass meines Großonkels mit ‚Onkel Pepi‘ – Tío Pepe – bezeichnet“), hatte auch die venencia aus Jerez mit an die Spree gebracht. Wer also am wenigsten „Sherry“ beim Eingießen mit dem traditionellen, gertenartigen Weinheber verschüttete, konnte etwaige Fehler aus den beiden Vorrunden noch ausbügeln. Denn wie bei einer Schularbeit stand am Anfang des möglichen Trips nach Spanien zum Finale im Mai eine Blindprobe samt sensorischer Beschreibung der verschiedenen Gonzales-Byass-Qualitäten. Erst danach ging es ans Ausmixen der eingereichten Drinks.

Tio Pepe Challenge 2019 | Mixology — Magazin für Barkultur
Tio Pepe Challenge Blind Tasting.

Sherry als Apéro? Nein, als Salat!

Bemerkenswert dabei war die Vielfältigkeit des gerne als Apéro gereichten Finos. Begonnen wurde der Wettbewerb mit der sommerlich-karbonisierten Variante, für die eine Bar-Besucherin des Schloss Neuschweinsteiger für Erik Albrecht den letzten Dreh bei ihrem limonadeerzeugenden Vater erfragt hatte. Denn statt geloster Reihenfolge hatte man sich für die alphabetische Reihenfolge entschieden. Somit musste der Routinier von der Ostseeküste, Dirk Willmer (Meereszeiten/Heiligenhafen), bis zum Schluss warten, um seinen „Marzipan Cobbler“ zu reichen. Die Hommage an seine Geburtsstadt Lübeck rundete die Competition so erfrischend ab, wie sie begonnen hatte.

Dazwischen servierte etwa Ralf Waldhauer aus dem Hotel Adlon Kempinski seine „Esencia de Jerez“ – alle Zutaten, inklusive des nur in Spanien erhältlichen Sherry-Essigs, stammten aus Jerez und wurden mit Birnensaft kombiniert. Guilherme Kilpp Gonzatti aus dem Provocateur hatte sich als zweiter Berliner im Finale für einen „Snake Gland“ entschieden, der im Venenciador-Stil geworfen wurde und mit Rucola und Pilzleder als Garnitur einen Salat zitierte.

»Der Gewinner infusioniert Tío Pepe mit Jasmin-Tee und präsentiert im Jackie-Chan-Stil, ohne einen Tropfen zu verschütten.«

Ananas, Apfel, Speck … Onkel Pepi kann mit allen

Brand Ambassador João Vicente führte die Jury an, die aus Vorjahressieger Claus Liebscher (Qomo, Düsseldorf), den Bar-Journalisten Bernd Schäfer und Alexander Thürer sowie Uwe Christiansen (Christiansen’s, Hamburg) bestand. Für sie gab es den „Jerez Highball“ auf Basis eines geklärten Ananas-Milk-Punch, den Thomas Kunze aus dem 25hours-Hotel „Das Tour“ trotz Handverletzung perfekt umsetzte, aber auch einen „Appletizer“ aus Essen von Gin & Jagger-Bartender Simon Kimmeskamp. Die Aromenwelt seines Lieblingsgerichts „Himmel un Ääd“ wurde mit Sherry, viel Apfel – Essig und Sirup mit Mücke-Bier – sowie einem geflämmten Speckstreifen nachgebaut. Maurische Reminiszenzen brachte die Lübeckerin Natalie van Wyk (Dietrich’s) ein, „die Geschmäcker des Orients und die Eleganz Spaniens“ vereinte ihr schokoladiger Flip „Al Andaluz“. Trotz eines „Drinks für die Siesta“ blieben die fünf Juroren hellwach, aber Tim Mayers (Jigger & Spoon, Stuttgart) „Salute Pepe“ kam mit einer Crema Catalana dafür gleich mit einer passenden Nachspeise.

Zu klein? Sicher nicht – Für den Gewinner geht nach Jerez!

Als Essensbegleiter funktioniert auch der Siegerdrink, „bei uns serviert der Chef dazu eine eigens abgestimmte Sushi-Rolle“, erzählte Theerapol „Terry“ Kindt aus dem Hamburger „Coast by East“. Die schwierige Kombination der potenten Aromageber Rosenwasser, St. Germain und mit Jasmin-Tee infundierter Tío Pepe wurde mit Yuzu-Sake ausbalanciert. Sein perfekter Aperitif-Drink namens „Roses from Jerez“ war die halbe Miete für jenen Mann, der mitten im Mixen scherzhaft meinte: „Ich bin zu klein für diese Bar“. Größe bewies Terry dann in der Golvet beim Venencia-Bewerb; sein Einschenken des Sherrys im Jackie-Chan-Stil hatte nicht nur beachtlichen Unterhaltungswert – es ging auch kaum ein Tropfen Wasser verschütt.

Eine ähnlich ausgeklügelte Kombination, die Oloroso- und Medium-Sherry einsetzte, hatte Hung Nguyen Quoc für seine Version eines spanischen „High Five“ gewählt. Der Bartender aus dem „Brenner Operngrill“ in München spielte dabei aber nicht auf den Gruß an, sondern die fünf Geschmacksrichtungen des Sherrys – so sorgte ein Shiitake-Pilz-Cordial für reichlich Umami. Der „Cinco Altos“ holte sich den Sonderpreis der Medien-Jury, die Hajo Becker (Dinner and Drinks) und der Autor dieser Zeilen bildeten.

Für Gewinner Terry Kindt geht es nun am 15. Mai im Weltfinale um die Krone des Sherry-Königs. Eine Menge Ritter werden jedenfalls um ihn versammelt sein, denn der Bewerb findet im Rahmen der „Feria del Caballo“, dem traditionellen Reiter-Fest der Jerezanos, statt.

Tio Pepe Challenge 2019 | Mixology — Magazin für Barkultur
Tio Pepe Challenge Sieger Terry Kindt
Credits

Foto: Hajo Becker / Tio Pepé

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