T. I. Cocktail-Sets. Selber mixen leicht gemacht.

Trends & Innovation 31.1.2012 4 comments

„Cocktails 4 two“ heißt das Motto der Cocktail Sets der Firma T.I Cocktails. MIXOLOGY ONLINE testete das Produkt in der Redaktion. Das Potenzial ist groß, steckt aber noch in den Kinderschuhen.

Cocktails zu mixen ist nicht das Leichteste auf der Welt und wer es zur Perfektion bringen will, ist sein ganzes Leben auf der Suche nach den richtigen Zutaten oder Techniken, um einen Drink der den Ansprüchen genügt zu kredenzen. Was für den einen Glück ist, ist für den anderen die Krux. Denn würde alles so einfach sein, würde die Daseinsberechtigung des Bartenders schnell vorbei sein und der Ansporn sich zu profilieren abhandenkommen.

Für den Otto-Normalverbraucher bieten die komplexen Rezepturen, Verhältnisse und die unterschiedlichsten Produkte einen oft undurchdringlichen Dschungel. Und wer kennt schon den Unterschied zwischen verschiedenen Whisky-Sorten oder von „Build in Glass“ und „Hart Shake“, wenn man sich nicht mit der Materie befasst. Aber natürlich gibt es unter diesen, die kein Interesse oder auch nicht die Zeit oder Möglichkeit haben sich mit der Machete durch das Gestrüpp der Cocktailkunst zu schlagen, Liebhaber gerade dieser Kultur und eines anständigen Cocktails.

Deswegen gibt es nur einen einzigen guten Tipp: Gehen Sie in anständige Bars, ob die gewählte Bar gut ist, erkennt man spätestens bei der Beratung. Immer mehr Unternehmen versuchen dieses „Monopol“ weiter aufzuweichen, sei es durch Premixe, Ready to Drink Cocktails oder durch Maschinen, die den Bartender ersetzen. Aber was dann den Konsumenten vorgesetzt wird, ist oft schwer in Worte zu fassen. Eine allzu süße Plörre, der es an jeder Art von Komplexität fehlt und die nichts mit einem ausgewogenen Cocktail zu tun hat. Oft werden hierfür Tiki-Cocktails oder auch Fancy-Drinks aus den 70er Jahren mit viel Saft verschandelt. Klassiker wie den Negroni oder Old Fashioned sucht man aber bis dato vergeblich, viele würden sagen – zum Glück!

All time favourites stehen im Fokus

Aber genau dieser Schätze der Barkultur hat sich das noch sehr junge Unternehmen T.I. Cocktails angenommen. Anders als bei den meisten Substituten für Cocktails bei denen es vor allem darum geht, dass die Kreationen besonders einfach, schnell und billig sind, geht die Firma um Chef Tom W. Koch einen anderen Weg und orientiert sich hierbei an der Slow-Food-Welle. Hierzu produziert das Unternehmen quadratische Boxen mit einem Cocktail-Set zum Selbermixen mit dem Slogan „Cocktails 4 two“. Zum Portfolio gehören bisher Klassiker wie der Negroni, Rusty Nail oder der König der Mixgetränke, der Martini. Dieses soll laut Koch auch ständig erweitert werden, aber nur um Klassiker ohne viel Saft. Das Motto lautet nach eigenen Angaben: „Old fashioned“, aber nicht altmodisch.

Um die Box auf alle ihre 8 Ecken zu prüfen, unterzogen wir das Cocktail-Set in den Varianten Manhattan und Martini einem Redaktionstest. Öffnet man den Karton, springen einem drei kleine Glasflaschen ins Auge, die sich im Dreieck fixiert den üppigen Raum der Verpackung teilen. Daneben befinden sich neben ein paar Servietten sowie einer kurzen Anleitung noch ein paar Zahnstocher für die Dekoration in der Box. Die Verpackung ist durchdacht, aber könnte durchaus etwas wertiger sein. Als Beispiel kann man hier die Servietten anführen, die in schlichtem weiß gehalten und nicht gerade durch ein haptisches Erlebnis glänzen können, da sie sehr dünn und windig sind.

Laut Anleitung ist die Zubereitung, der beiden Klassiker identisch und zudem noch komplett unkompliziert. Alle Zutaten auf kaltes Eis, also nach Angaben des Herstellers Eis aus dem -18 Grad Gefrierfach, in ein großes Glas geben und verrühren, bis dieses beschlägt. Danach in das Cocktailglas gießen und dekorieren. Im Fall des Martinis mit Olive, beim Manhattan mit Cocktailkirsche. Und fertig soll der Klassiker sein.

Da wir aber den Ingredienzien zuerst einmal auf den Zahn fühlen wollen, nehmen jeweils die drei Fläschchen genauer in Augenschein. Dies ist eine sehr interessante Aufgabe, da außer der Kategorie und der Füllmenge keine weiteren Angaben zum Inhalt gemacht werden.
Als Erstes wird der Manhattan untersucht und die einzelnen Zutaten werden verkostet. Hierbei fällt als Erstes die Süße auf, die der Whisky mitbringt – es muss sich hierbei wohl um ein kanadisches Produkt handeln.

Dass man heutzutage den Manhattan in guten Bars meist mit Rye oder Bourbon bekommt, scheint wohl noch nicht bis zum Firmensitz ins beschauliche Trechtlingshausen vorgedrungen zu sein. Etwas Verwunderung erzeugt außerdem auch der Geruch nach süßem Wermut in der Nase, der an Martini Bianco erinnert, aber was hat dieser diesem Whiskey Drink zu suchen? In dem anderen kleinen Flacon befindet sich noch etwas roter Wermut. Die Verhältnisse scheinen ein wenig verrückt zu spielen mit 10 cl Whiskey auf 8 cl Wermut. Das wird dann wohl ein süßer Manhattan.

Genauso schaut auch die Zusammensetzung beim Martini Cocktail aus, aber in diesem Fall 10 cl Gin auf 8 cl Wermut und auch hierbei befindet sich in einem der drei Fläschchen 4 cl der Bianco Variante. Also bei einem Freund des trocken gerührten Vertreters, wird dieses Cocktail-Set nicht auf Begeisterung stoßen.

 

Die Flaschen in Glas auf Eis und los geht der Spaß?

Von den etwas fragwürdigen Rezepturen lassen wir uns nicht abschrecken, beginnen mit der einfachen Zubereitung und lassen den Rührlöffel kreisen. Danach ohne Eis ins Cocktailglas abseihen und schnell noch dekorieren. Man kann festhalten: Kompliziert war das nicht, es sind keine Schweißperlen auf der Stirn zu sehen. Leider sind die beiden Varianten, wie man anhand der Zutaten schon vermuten konnte, sehr süß und der T.I. Cocktails-Martini hat nicht einmal im entferntesten etwas mit dem Klassiker zu tun.

Dennoch herrscht in der Redaktion Begeisterung über die Idee, die hinter dem Produkt steckt. Natürlich muss noch an der ein oder anderen Schraube gedreht werden um die Feinjustierung, vor allem bei der Rezeptur, zu verbessern. Für den Grundgedanken gibt es aber durch die Bank einen Daumen nach oben. Ein Teil des MIXOLOGY ONLINE Teams lobt es als perfektes Geschenk für Freunde des guten Geschmacks, die sich nicht intensiv mit der Thematik auseinandersetzen. Die anderen würden sich schon mal schnell so ein Set mit auf Reisen nehmen, wenn es nicht gerade in eine Metropole mit unzähligen Bars geht und die Box etwas handlicher wäre.

Hier noch eine kleine Orientierungshilfe aus dem „Cocktailian – Das Handbuch der Bar“, wie man die Rezepturen unserer Meinung verbessern könnte:

 

Manhattan // adaptiert nach einer Rezeptur aus ›The Flowing Bowl‹, William Schmidt, 1892
6 cl Bourbon oder Rye Whiskey
3 cl roter Wermut
2 Dashes Angostura Bitters
Glas — Martini
Garnitur — Zitronenzeste
Zubereitung — Alle Zutaten in ein mit Eiswürfeln gefülltes Rührglas geben und ca. 30 Sekunden (30-mal) verrühren. Ins vorgekühlte Gästeglas abseihen.

 

Martini Cocktail // adaptiert nach einer Rezeptur aus ›Hoffman House Bartenders’ Guide‹, Charles S. Mahoney, 1906
6 cl Gin
3 cl trockener Wermut
2 Dash Orange Bitters
Glas — Martini
Garnitur — Zitronenzeste und / oder Olive
Zubereitung — Alle Zutaten in ein mit Eiswürfeln gefülltes Rührglas geben und ca. 30 Sekunden (30-mal) verrühren. Ins vorgekühlte Gästeglas abseihen.

 


 

Weitere Information: ti-cocktails.com

 

//„Cocktails 4 two“-Sets kaufen: Angeboten werden die Sets auf der hauseigen Seite ti-cocktails und liegen zwischen 18 und 22 Euro (inkl. MwSt.): ti-cocktails.com //

4 comments

  1. Bar le Wien

    Irgendwie muss ich was verpasst haben. War es nicht immer so, dass der Manhattan mit KANADISCHEN WHISKY gemacht werden musste laut IBA? jetzt steht dort Rye Whiskey. Seit wann ist dass denn jetzt so?

  2. Redaktion

    Über lange Zeit gab es kaum US-amerikanischen Rye Whiskey in ausreichender Menge im Markt. Er erlebt derzeit wieder ein Comeback, das mit auch durch die Cocktail-Renaissance angetrieben wird.

    Dass in Europa nahezu flächendeckend lange Zeit kanadischer Whisky verwendet wurde/wird, dürfte die Prohibition verursacht haben. Kanadischer Whisky enthält zwar Rye, aber leider nicht immer zwingend in für den Manhattan geschmacksbestimmender Menge.

    Die Beschreibung von Wikipedia ist recht präzise:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Rye_whiskey

    US-amerikanischer Rye erlebt derzeit wieder ein Comeback. Und ebenso das Wissen um die Originalzutaten des Manhattan. Daher offenbar auch die „Regeländerung“ der IBA. Hier findest Du eine kompakte Zusammenschrift von Dave Wondrich:

    http://www.esquire.com/drinks/manhattan-drink-recipe

    Mach ruhig mal den Geschmackstest. US-amerikanischer Rye kann den Wermut im Drink ausbalancieren, leichter kanadischer Rye wiederum kaum.

    HA

  3. Florian Weidling

    Sehr geehrter Herr Metz,

    vielen Dank für den tollen Artikel und auch für die Kritik. Wir möchten gern Cocktails anbieten, die gemäßigt sind und bei einer breiten Palette für geschmackliche Freuden sorgen, daher sind unsere Drinks mal etwas süßer, als sie laut Cocktailian sein sollten.

    Trotzdem freuen wir uns auch sehr über die positive Resonanz seitens der Redaktion und werden Ihre Vorschläge natürlich testen und sind immer darauf bedacht, Verbesserungen umzusetzen. Über das Ergebnis würden wir Ihnen dann gerne zeitnah berichten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Florian Weidling
    T.I. Cocktails GmbH

  4. Pingback: » Blog Archive » Mixology widmet T.I. Cocktails Artikel

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