Von Bartendern für Bartender: Moscow Mule

Trends & Innovation 19.7.2011 11 comments

Der Moscow Mule ist ein Drink mit Geschichte. Allerdings handelt es sich nicht, obwohl naheliegend, um eine russische Volksweise. Es ist vielmehr eine uramerikanische Erfolgsgeschichte wie sie nur das Land der unbegrenzten Möglichkeiten schreiben kann. Mit Hilfe des Moscow Mule arbeitete sich der bis dato in den USA weitgehend unbekannte Immigrant namens Vodka vom Tellerwäscher zum Multi-Milliardär hoch – und das durch alle Gesellschaftsschichten des amerikanischen Traums.

Im Jahr 1941 sitzen John G. Martin, Präsident von Heublein, einem Spirituosen- und Lebensmittel-Distributeur, Rudolph Kunett, Präsident von Pierre Smirnoff – der Vodka-Abteilung von Heublein – und John »Jack« Morgan, Präsident von »Cock ’n’ Bull Products« und Eigner der Cock ’n’ Bull Tavern bei einem Vodka beisammen und beraten sich. Weder der von Heublein vertriebene Smirnoff Vodka dreht sich, noch das von »Jack« Morgan produzierte Ginger Beer und man klagt sich gegenseitig sein Leid. Nach mehreren geflossenen Vodkas fließt nun auch endlich die Inspiration und man gießt die nächste Runde Vodka mit Ginger Beer auf und veredelt das Ganze mit einem Spritzer frischen Limettensaft. Das Getränk findet Gefallen und nach mehreren Runden tauft man es auf den Namen »Moscow Mule«.

Schon ein Jahr später führt der Moscow Mule die Liste der beliebtesten Drinks in Los Angeles an und es dauert nicht lange, bis er landesweit konsumiert wird. Das verdiente Geld steckt Smirnoff in beispiellose Marketingkampagnen, in denen Hollywood-Größen für Vodka werben, unter anderem mit solch zweifelhaften Komplimenten, wie der fehlenden »Fahne« nach ausgiebigem Vodka-Genuss. Der Siegeszug des »Wässerchens« ist nicht mehr aufzuhalten und darf sich heute – knapp 70 Jahre später – rühmen, eine der drei meistkonsumierten Spirituosen der Welt zu sein.

Ingwer, vom Exoten zum Massengeschmack

Der Moscow Mule konnte diesem Schweinsgalopp nicht folgen. Vodka Energy hat dem einst so beliebten Erfrischer aus Vodka, Ginger Beer und Limettensaft schon lange den Rang abgelaufen und erst seit wenigen Jahren hält der Moscow Mule wieder Einzug in den Bars dieser Welt. Wohl vor allem, weil Bartender heute wieder relativ einfach an anständig produziertes Ginger Beer kommen und sei es nur an Dosenware aus dem Asia-Markt. Die leichte Ingwer- Schärfe, die es vom weitaus milderen Ginger Ale unterscheidet, hätte man vor ein paar Jahren noch als exotisch bezeichnet.

Heute ist Ingwer jedoch zum gefälligen Massengeschmack geworden und lässt sich dementsprechend einfach an die Frau oder den Mann bringen. In unserem Workshop zeigte sich schnell, dass die Wahl des Ginger Beers weitaus mehr Einfluss auf den Geschmack des Moscow Mules hat, als die Wahl des Vodkas. Ob schwere russische, süßliche polnische, neutrale westliche, einfache LEH-Ware oder teure Vintage-Vodkas: kein einziger ließ sich, nachdem er mit Ginger Beer aufgegossen wurde, noch identifizieren. Nun gut, keine wirkliche Überraschung, wenn man ehrlich ist.

Auf die Wahl des Ginger Beers kommt es an

Die insgesamt sechs pur getesteten Ingwerbiere dagegen zeigten deutliche Unterschiede. Aufgrund ihres sehr flachen Geschmacksprofils und dem unangenehm künstlichen Nachhall fielen die verkosteten Schweppes und Barr’s bei den Teilnehmern des Workshops direkt durch. Einen schwachen Auftritt legte auch Fentiman’s hin. Trotz des relativ hohen Preises weiterhin ein Bartenders’ Favourite, hinterließ die verkostete Charge in 275ml Flaschen einen schalen Nachgeschmack. Die kleinen Flaschen (125ml) hatten die meisten Teilnehmer in wesentlich besserer Erinnerung und man vermutete einen Fehler bei der Abfüllung der getesteten Charge. Das nun deutschlandweit erhältliche Thomas Henry gefiel allen Teilnehmern in der Purverkostung gut, schwächelte nur ein wenig beim Kohlensäuregehalt. Vielleicht lag dies aber an der Charge, die uns für den Workshop zur Verfügung stand, und in 0,5l-Flaschen abgefüllt wurde, oder an der ungewohnten feinperligeren Kohlensäure, mit denen der Newcomer arbeitet. Ein endgültiges Urteil sollte erst mit der Verkostung der regulären Flaschengrößen (0,2l) gefällt werden.

Die beiden Asia-Markt-Klassiker Old Jamaican und Grace erwiesen sich als leichte Favoriten. Sie präsentierten sich dicht, aromatisch, mit viel grobperliger Kohlensäure versetzt und würzigcharf im Nachhall. Den meisten waren sie zwar zu süß im Purgenuss, sie konnten sich aber beide gut gegen viel Eis und Limettensaft im Moscow Mule durchsetzen. Jakob Etzold (Stagger Lee, Berlin) dazu: »Wie schon absehbar, ist die Wahl des Vodkas beim Moscow Mule nicht relevant. Die Wahl des Ginger Beers dagegen schon. Meine bisherigen Favoriten bleiben Old Jamaican und Grace. Die Schärfe des Ingwers muss in einem harmonischem Verhältnis mit der Süße und der Kohlensäure stehen, was für mich bei diesen beiden Produkten gegeben ist.« Ein Kupferbecher ist beim Moscow Mule sicherlich ein Eye-Catcher, aber nur nettes Beiwerk. Einfluss auf den Geschmack hätte das Kupfer nur, wenn man den Moscow Mule für ein paar Stunden ziehen lassen würde, bevor man ihn serviert. So macht man es in der ayurvedischen Lehre mit dem Trinkwasser. Bei Cocktails wohl nicht umsetzbar. Kupferbecher sind bei Bedarf sehr einfach über den Cocktalian Shop zu beziehen.

 

Rezepte aus „Esquire Drinkbook“, 1962:

Moscow Mule (1)

2 oz Vodka

Saft einer halben Limette

2 Eiswürfel

Glas: Glas oder Becher

Zubereitung: Alle Zutaten in den Becher geben. Mit Ginger Beer auffüllen und umrühren.

 

Moscow Mule (2) (aus dem Wonder Palms Hotel, Palm Springs, Kalifornien)

1 Jigger Vodka

Saft einer halben Limette

2 Eiswürfel

Glas: Kupferbecher

Zubereitung: Alle Zutaten in den Kupferbecher geben. Becher mit Ginger Beer auffüllen und einen dünnen Gurkenstreifen dazugeben.

Garnitur: Überreste der Limette

 

Schnelles Rezept für Ginger Beer von Jeffrey Morgenthaler:

6 cl Ingwersaft

12 cl Zitronensaft

18 cl Zuckersirup

0,6 l kaltes Wasser

Alle Zutaten gut vermengen, in ein Soda-Siphon füllen und mit CO2-Patronen „laden“. Kaltstellen.

 

[five-star-rating]

Photo credit: Matroschka via Shutterstock

11 comments

  1. peter

    Auch sehr zu empfehlen als Munich Mule mit Gin anstatt Vodka.

  2. Mark

    Wegen des vorstehenden, verwirrenden Kommentareintrags hier mal ein Auszug aus dem diesbezüglichen Wikipedia-Eintrag:

    Bekannte Variationen:

    – Mule’s Kick, auf zerstoßenem Eis (crushed ice) (ohne Obst/Gemüse)
    – Three Legged Mule, mit Whiskey
    – London Buck, mit Gin anstatt Wodka und Zitronensaft anstatt Limette
    – Munich Mule – mit frischer Gurke statt Limetten
    – Schwarzach – mit Wodka, Ginger Ale und frischen Gurken
    – Schwarzach on Ice – mit Wodka, Ginger Ale, frischer Gurke und zerstoßenem Eis (crushed ice)

  3. Pingback: Moscow Mule - ein Cocktailklassiker - Kreativtrinken
  4. Pingback: Einfach (und) lecker: Ginger Beer : Wisi Greter / Blog
  5. Avien

    Eine kleine Frage hätte ich:
    Habe aus einem Buch in Erinnerung, dass ein „Mule“ aus einer Spirituose + Inwerbier und ein „Buck“ aus selbigem + Zitrussaft besteht. Ist somit die Information in diesem Buch fehlerhaft oder die Betitelung als „Moscow Mule“ einfach aus diesem Zusammenhang gerissen?

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Ähnliche Artikel