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Krisen-Geschüttelt in Athen? Vasilis Kyritsis

Spätestens seit seinem Sieg der World Class 2012 gehört er zu den festen Größen der europäischen Barkultur. Vasilis Kyritsis steht derzeit hinter der Bar des The Clumsies und plaudert für MIXOLOGY ONLINE aus dem griechischen Nähkästchen. Ein Gespräch über Wettbewerbe, Vorbilder und die krisenfeste Athener Barszene.

Wie viele der besten Geschichten beginnt auch Vasilis‘ Karriere in einem ganz normalen Club. Er braucht Geld fürs Studium, hat ein Faible für gute Spirituosen und will mit den Ladies flirten – und schon steht er im Island Club und hat seinen ersten Shaker in der Hand. Das war 2006. Es folgen verschiedene Zwischenstationen wie das OQ, das Pere Ubu und das Eclipse, bis Vasilis im Jahr 2012 seinen mittlerweile besten Freund und Diageo World Class-Sieger 2011 Nikos Bakoulis am Tresen des The Gin Joint kennenlernt.

Die unvollkommenen Brüder im Geiste

„Nikos und ich sind wie Brüder!” erzählt er. „Wir haben uns auf Anhieb super verstanden und sind bei der täglichen Arbeit richtig zusammengewachsen. Wir funktionieren als Team einfach. Irgendwann kam der Tag, an dem unsere gemeinsamen Freunde Lelos Georgopoulos, Thanos Tsounakas und Giorgos Kaissaris uns ihr Konzept für eine nie dagewesene Bar vorstellten. Als sie meinten, sie würden uns gerne mit ins Boot holen, sagten wir sofort zu. Das war die Geburtsstunde des The Clumsies!” Hier ist Vasilis heute Miteigner und hat zum internationalen Renommée der Bar wesentlich beigetragen. Mit Herz und Seele steht er hinter dem Konzept der „perfekten Imperfektion“, wie es das The Clumsies humorvoll beschreibt. Denn Cocktails entstehen laut einhell(en)iger Meinung nicht nach stumpfem Befolgen eines Rezepts, sondern sind immer auch Interaktion mit dem Gast und der Situation.

An die World Class 2012 in Rio de Janeiro erinnert sich Vasilis heute noch sehr gern. Und das nicht nur, weil er als griechischer Sieger sein Heimatland in einem der weltweit angesehensten globalen Wettbewerbe repräsentieren durfte. „Dieser Wettbewerb hat meine Sicht auf die Barbranche komplett verändert. Die Kreativität aller Teilnehmer hat mich umgehauen. Schön ist auch, wie wir uns alle nach dem Finale als tolle Community zusammengefunden haben und bis heute unser Wissen und unsere Ideen miteinander teilen!“

Die Branche ohne Krise

Viel Freizeit hat der 28-Jährige seit dem Start des The Clumsies nicht. Wenn doch, dann verbringt er diese gern auf Reisen, bei einem guten Dinner oder am Meer mit seiner Freundin, die ebenfalls in der Barbranche arbeitet. „Bei uns in Griechenland findest Du immer einen tollen Strand in der Nähe!“ Und laut Vasilis auch anspruchsvolle Bars, zumindest in Athen. Trotz der Wirtschaftskrise halte die Szene der griechischen Hauptstadt ihr exzellentes Level. „Besonders im Zentrum halten sich echte Perlen wie die 42 Bar, das Baba Au Rum, The Gin Joint oder das Dos Agaves. Jede dieser Bars bietet ein eigenes Konzept und eine wundervolle Atmosphäre. Zu Fuß gelangt man bequem von einer dieser Bars zur nächsten – was die Nacht meist länger macht als geplant!“ Das Ausgehverhalten der Gäste habe sich mit der Krise wenn überhaupt, dann nur geringfügig verändert. „Das Feiern ist fest in der griechischen Kultur verankert, und wir als Barbesitzer spüren so gut wie keinen Unterschied zur Zeit vor der Krise. Es werden vielleicht nicht mehr vier oder fünf Drinks bestellt. Aber unsere Bars sind immer noch voll und wir tun alles, um unseren Gästen eine gute Zeit zu schenken.“

Privat ist Vasilis selbst gern Gast in den schon genannten Bars. Während er das Team der 42 Bar für seine ausgewogenen Cocktails bewundert, schätzt er im Baba Au Rum die riesige Auswahl an Rum und Tiki Cocktails. „Auch im The Gin Joint bin ich sehr gern. Schließlich habe ich hier drei Jahre meines Lebens verbracht – und dazu sind die Gin & Tonics und Martinis hier perfekt“ schwärmt er. „Das Warehouse gehört ebenfalls zu meinen Favoriten, es liegt nahe meinem Zuhause und der Besitzer George Loukas ist ein wahrer Kaffee-Experte. Leckere Snacks gibt es hier auch. Was braucht der Mensch mehr?“

Das Vorbild aus der namenlosen Bar

Bei der Frage nach seinem größten Vorbild muss Vasilis eine Weile überlegen. „Es gibt so viele Menschen, die mich über die Jahre inspiriert haben. Doch wenn ich einen Mann nennen müsste, dann wäre das Tony Conigliaro mit seinem Team. Er war es, der mir meine einwöchige Gastschicht in The Drink Factory vermittelt hat. Hier habe ich unglaublich viel lernen und mein Wissen über Cocktails extrem erweitern dürfen. Nicht nur über Zutaten, Techniken und so weiter, sondern auch über Gläser, die Namensgebung von Drinks und die Präsentation!“

Ist er selber mal Gast, bestellt sich Vasilis am liebsten eine Bloody Mary. Dazu hat er ein Faible für moderne Interpretationen des großen Klassikers. „Die besten Versionen habe ich im 69 Colebrooke Row in London und im Dos Agaves in Athen getrunken. Immer wieder zwei fantastischen Adresse, wenn es ein großartiger Abend werden soll.“

Und wird es den Bartender in Zukunft auch jenseits der griechischen Grenzen verschlagen? „Auf jeden Fall!” verrät Vasilis. „Noch sind meine Pläne nicht konkret, aber ich möchte definitiv mit neuen Konzepten auch anderswo erfolgreich sein. Neue Ideen halten mich wach! Und Veränderung ist sowieso die einzige Konstante im Leben, nicht wahr?“

Credits

Foto: V. Kyritsis

Comments (2)

  • Roland Graf

    Das mit dem in Rio als Sieger nach Hause gehen, ist ein wenig irrefuehrend. Die World Class 2012 im Copacabana Palace verliess naemlich Tim Philipps (AUS) als Sieger, Vasilis vertrat Griechenland, gewann also das nationale Finale.

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    • Redaktion

      Lieber Roland,

      es ehrt Dich, dass Du nicht nur Deinen eigenen Texten die gebotene Aufmerksamkeit zukommen lässt, sondern ebenfalls Deine MIXOLOGY-Kollegen noch im Auge hast 😉 Diese Fehlinfo, bei der sich Vasilis unserer Autorin gegenüber offenbar etwas undeutlich ausgedrückt hatte, ist natürlich bereits geändert.

      Grüße nach Österreich und in die Welt
      // Nils Wrage

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