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Belsazar Vermouth Red. Was kann der deutsche Wermut?

Wermut ist wieder da. Das könnte man jedenfalls meinen, wenn man sich die Nachrichten zu diesem Aperitifwein in den letzten Wochen und Monaten ansieht.
Wermut. Ein aufgespriteter Wein, mit etwas Zucker und Kräutern versetzt, vor allem mit Wermutkraut. Nicht wegzudenken aus der Welt der gemischten Getränke und auch pur immer wieder ein Genuss. Und sicher, die Auswahl der zur Verfügung stehenden Marken ist durchaus gewachsen. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, wie viele verschiedene Wermut in einer Bar wirklich sinnvoll sind, gehört er doch zu den Spirituosen, die nach Öffnung der Flasche konstant an Qualität verlieren. Je mehr Wermut in einer Bar beheimatet ist, desto länger dauert es also im Durchschnitt, bis eine Flasche geleert ist. Der Gast, der den Manhattan mit den letzten zwei Zentilitern roten Wermuts gerührt bekommt die noch in der Flasche sind, bekommt also aller Wahrscheinlichkeit nach einen anderen Drink als der, der den nächsten mit demgleichen Wermut aus einer frischen bestellt.
Aber sei es drum. Diese Problematik ist eine der Bars, und nicht die der Hersteller. Diese zeigen sich derzeit wahrlich innovativ und bringen neue Produkte auf den Markt, während alte Hersteller Jubiläen feiern und Sondereditionen auf den Markt bringen. An dieser Stelle wollen wir uns mit einem der neuen Hersteller befassen. Ein Wermut aus Deutschland mit wohlklingendem Namen. Belsazar Vermouth schickt sich derzeit an, ein umfassendes Portfolio zu lancieren. Vorreiter ist der „süße“ rote Wermut, der laut Herstellern als erstes Produkt Marktreife erreicht hat und in den kommenden Wochen vorgestellt wird.
Die Hersteller im Gespräch
Die Hersteller sind in diesem Fall keine Unbekannten. Sebastian Brack ist den meisten Bartendern in Deutschland ein Begriff als einer der Väter der Thomas Henry Bitterlimonaden. Maximilian Wagner ist auch kein Neuling in der Spirituosenszene. Er beschäftigte sich in den vorangegangenen Monaten mit The Duke Gin aus München. Der Dritte im Bunde ist Philipp Schladerer Geschäftsführer des Familienunternehmens Schladerer, der Obstbrennerei im Schwarzwald.
Ein Wermut also, in diesem Fall ein süßer Wermut. Unabdingbare Zutat in unzähligen Klassikern und immer wieder eine gefragte Zutat in modernen Drinks, wenn es darum geht, ein komplexes Aroma einzubringen.
Und ein solch komplexes Produkt wollen die Herren hinter Belsazar geschaffen haben. Bevor wir uns der Verkostung widmen, wollen wir den Schöpfern, an dieser Stelle vertreten durch Maximilian Wagner, kurz ein paar Fragen stellen:
MIXOLOGY MAGAZIN: Wie kam es zu dem Namen Belsazar? Wieso benennt man ein Produkt nach einem eher unglücklichen Königsvertreter oder babylonischen Kronprinzen?
Maximilian Wagner: Für jedes Produkt sucht man natürlich einen Namen, und als wir uns mit Schladerer zusammensetzten und auch alte Rezepturen durchforsteten, stießen wir irgendwann auf einen Ahnen von Philipp Schladerer der Sixtus Balthasar hieß.
Der Name war direkt recht eindringlich, aber an sich nicht zu schützen, so dass wir etwas recherchierten und so auf die Grundform von Balthasar kamen – Belsazar.
Natürlich stießen wir auch auf die entsprechende Bibelstelle in Daniel 5 mit dem etwas derben Ende, fanden aber auch andere interessante Bezüge, wie beispielsweise den Architekten Balthasar Neumann, dem Herren mit wallendem Haar auf dem alten 50 DM Schein.
Und schlussendlich überzeugte uns auch die Bedeutung des Namens – „Gott schütze sein Leben“.
MIXOLOGY MAGAZIN: Auf Eurer Internetseite werden die „besten Weine aus dem Südbadischen“ als Ausgangsstoff für eure Wermuts genannt. Welche Rebsorten findet man denn genau?
Maximilian Wagner: Wir arbeiten mit Cuvees aus Weinen/Rebsorten, die in Baden, genauer aus dem Kaiserstuhl und Markgräfler Land – einem der meist prämierten Weinbaugebiete Deutschlands und im internationalen Vergleich renommiert – heimisch sind, dazu zählen unter anderem Müller Thurgau, Muskateller, Gutedel, Spätburgunder, Gewürztraminer und Süßweine.
MIXOLOGY MAGAZIN: Generell haltet Ihr Euch sehr bedeckt was die verwendeten Kräuter angeht. Versuchen wir es trotzdem. Könnt Ihr uns verraten, wie viele verschiedene Kräuter verwendet werden und wie der Auszug der Aromen vonstatten geht?
Maximilian Wagner: Wir haben lange getüftelt und probiert, Auszüge in Wein und in Alkohol angesetzt, dabei immer wieder die Menge der Drogen, die Kombination der Drogen und die Lagerung variiert –ein anstrengender aber genau so spannender Prozess!
Ungern wollen wir hier zu sehr ins Detail gehen, was wir aber gerne preisgeben ist:
– bis zu 30 verschiedene Drogen (Schalen, Blüten, Kräuter, Gewürze) kommen zum Einsatz (die Anzahl und die Auswahl variiert zwischen den vier Sorten – Dry, Red, Rosé, White)
– es wird nicht ausschließlich im Alkohol oder im Wein mazeriert
– auch die Lagerung des Weines spielt eine wesentliche Rolle, hier stehen wir in engem Austausch mit unserem Winzer
– die Dauer der Mazeration und Lagerung der einzelnen Bestandteile unserer Vermouths variiert und kann so nicht genau festgesetzt werden.
Insgesamt ist es ein Prozess, der dauert und nicht eben mal so übers Knie gebrochen werden kann.
Dabei ist es natürlich ein enormer Vorteil mit einer Traditionsbrennerei wie Schladerer zusammenzuarbeiten, die auch eine gewisse Größe hat und über ein ausgedehntes Rohstofflager verfügt, von denen unterschiedliche Zutaten zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Herstellung zum Einsatz kommen.
MIXOLOGY MAGAZIN: – Welche Schladerer Produkte kommen denn zum Einsatz, und wie hoch ist der Anteil von Schladerer Bränden im Endprodukt?
Maximilian Wagner: Das würden wir gerne im Rahmen unseres „Rezepturgeheimnisses“ für uns behalten.
Sie sind nicht der wesentliche Teil der Vermouths, würde man sie aber weglassen, würde die ein oder andere Feinheit wohl auf der Strecke bleiben.
Feine Einblicke in den Prozess einer Produktentwicklung. Kommen wir also zur Verkostung des Wermuts. Die ein oder andere Irritation während der Verkostung werde ich unterschlagen. Hierbei ging es um Handling und Optik der Flasche. Dass dies nicht ganz Optimal war ist dem Umstand geschuldet, dass mir einer Vorab-Abfüllung zur Verkostung zugeschickt wurde. Die von mir den Herstellern gegenüber angesprochenen Punkte waren bekannt und werden beim finalen Produkt nicht vorhanden sein, können also vernachlässigt werden.
Die Verkostung
Im Glas überrascht der Belsazar Red erst einmal. Anders als bei anderen Vertretern dieser Variante ist es keine dichte, dunkle Flüssigkeit, sondern erinnert rein farblich vielmehr an einen lang gereiften Rum. Ein bräunliches Rot, verhältnismäßig hell und klar. In der Nase eine dezente Süße, leichte Kräuter und die Ahnung von kandiertem Ingwer. Ich bilde mir ein Anklänge von Frucht wahrzunehmen. Ob dies nun an den verwendeten Bränden liegt oder an etwas anderem, soll erst einmal keine Rolle spielen.
Der Geschmack gibt den verwendeten Weinen angenehm viel Raum. Kein zuckriger Vorhang, der sich vor die Aromen des Weines zieht. Eher eine trockene Süße bestimmt das Gefühl im Mund und bildet die Grundlage für die dezenten Kräuteraromen des Wermuts. Cremig macht sich der Belsazar Red im Mund breit und ist durchaus lange präsent. Im Abgang lassen sich die bereits in der Nase wahrgenommenen Fruchtnoten wieder erahnen und hinterlassen einen sehr runden Gesamteindruck. Insgesamt wirkt er aber sehr dezent.
So dezent, dass man ihm einen Einsatz in Cocktails im Zusammenspiel mit allzu dominanten Partnern nicht recht zutrauen mag. Eine Kombination mit leichteren Spirituosen, wie zum Beispiel mit Gin im Martinez, drängt sich schon eher auf und funktioniert durchaus auch in der Praxis. Wer sich an einem Manhattan versuchen möchte und dabei gern auf einen kräftigen Bourbon oder gar Rye zurückgreift, wird den Belsazar Wermut vermutlich erschlagen.
Insgesamt ein leckeres Produkt, das hervorragend pur zu trinken ist, und in Kombination mit eher leichten Spirituosen durchaus seine Stärken ausspielen kann. Eine gute Idee in meinen Augen ist der Verkauf auch in kleinen Flaschen. Neben der Standardgröße von 0,7l wird es auch die „halbe“ Flasche mit 0,375l Inhalt geben.
Preislich wird man sich sicherlich nicht am unteren Ende der Staffelung orientieren können, man möchte aber auch nicht abheben. „Die Barleute sollen mit unseren Produkten arbeiten können, ohne dass diese eine Rarität sind“, so Maximilian Wagner.
 
Belsazar Vermouth Red
Herkunft: Deutschland
Inhalt: 0,375 und 0,7 Liter
Alkoholgehalt: 18% Vol.
Preis: keine Angabe
Vertrieb: Belsazar GmbH
 
(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Belsazar erhalten. Außer den Produkten – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)
 

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