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Deutscher Kornbrand mit amerikanischem Image.

Moonshine, so nannte man den hochprozentigen Alkohol, der in Amerika in vernebelten Nächten während der Prohibition gebrannt wurde.
In manchen Regionen hat das Schwarzbrennen bis heute überlebt und die weiche Variante feiert derzeit ein Comeback in den USA. Die Verbindung nach Deutschland fällt schwer. Hierzulande gab es in den letzten 150 Jahren kaum Probleme an Alkohol zu gelangen. Jedenfalls keine generellen Verbote. Schwarz gebrannt wurde und wird zwar auch hier, aber nicht in einem Umfang wie in den USA zur Prohibition. An die amerikanische Tradition möchte nun ein deutsches Start-up anknüpfen und ein wertiges Produkt unter dem bedeutungsschwangeren Namen Moonshine auf den Markt bringen.
Kornbrand mit importierter Geschichte
Dabei handelt es sich um einen traditionellen Kornbrand. Während in den USA der Schwarzgebrannte aus allem produziert wurde was gerade zur Hand war, folgt man in diesem Fall einer deutschen Tradition. Der zweifach destillierte und für zwei Jahre gelagerte Weizenbrand, hat also streng genommen mit dem Namensvetter aus Amerika nur wenige Gemeinsamkeiten. Vor allem in den frühen Jahren wurde sicherlich nicht mehrfach destilliert und selbstredend hätte man sich nie der Gefahr ausgesetzt, hochprozentigen Alkohol zu lagern.
Was aber identisch ist, ist die Art der Verpackung nämlich ein typisch amerikanisches Produkt, ein Mason Jar, (das amerikanische Pendant zum Weck-Glas. Über einen Shaker aus einem Mason Jar haben wir bereits vor einigen Monaten an dieser Stelle berichtet).
Diese Art der Verpackung kam in den USA sehr einfach zustande. Zum einen waren die Einmachgläser überall verfügbar und zum anderen machte man sich schnell verdächtig, wenn man leere Flaschen kaufte.
Raus aus dem Schatten
Aber zurück zum deutschen Moonshine. Die Idee stammt vom in Berlin lebenden August Ullrich, der die traditionellen Kornbrände aus dem Schattendasein befreien möchte, welches sie im Angesicht von Premium-Gin, -Vodka und anderen Spirituosen führen. Die Anknüpfung an die Geschichte des Moonshine folgt einem derzeitigen Trend. Für Ullrich erlebt Moonshine in den USA gerade eine Renaissance. Beflügelt von Fernsehserien wie Boardwalk Empire und getrieben von der Verklärung einer früheren, aufregenderen Epoche, gehört Moonshine zum Lebensstil des urbanen Hipsters, um ein wenig aus der streng reglementierten Gegenwart auszubrechen und einen Hauch Abenteuer zu atmen.
Regionalität und Unverfälschtheit sind dabei ein großes Thema. Sehr bewusst betont man nach außen hin kein Ableger eines globalen Konzerns zu sein, sondern eine regionale Philosophie zu verkörpern.
Gebrannt wird in Köln. Die Brauerei und Brennerei Sünner fertigt das Produkt im Auftrag. In einer Säulendestille wird der Weizenbrand durch zweifache Destillation auf eine Alkoholstärke von 96,5% gebracht. Eine zweijährige Lagerung in Eichenfässern die bereits über 100 Jahre alt sein sollen, verpasst dem Kornbrand den persönlichen Schliff. Mit Wasser auf Trinkstärke verdünnt und die Mason Jars von Hand befüllt, wird Moonshine dann an den Konsumenten gebracht.
Die Verkostung
Nicht so ganz einfach ist das Einschenken aus einem Mason Jar. Während der Redneck in den amerikanischen Wäldern natürlich direkt aus dem Einmachglas trinkt, möchte ich doch das normale Glas als Zwischenschritt wählen. Mit etwas Vorsicht und ruhiger Hand klappt es dann aber doch ganz gut. Für diejenigen ohne ruhige Hand gibt es im Übrigen auch einen Spezialdeckel mit Ausgießer.
Im Glas dann der strohgelbe Kornbrand. Sehr hell und leicht wirkt er, verströmt aber durchaus schon einen prägnanten Geruch. In der Nase erscheint er erst einmal alkoholisch. Gibt man dem Destillat ein wenig Zeit, so lassen sich aber schnell die typischen Weizentöne und Anklänge von Heu und grünem Apfel erahnen. Ganz leicht macht sich das Fass bemerkbar. Eine sehr dezente Vanillenote ist im Hintergrund zu erkennen.
Im Mund dann vordergründig eine leichte alkoholische Schärfe. Diese verschwindet aber schnell wieder und macht Platz für ein angenehmes und überraschend cremiges Mundgefühl. Deutlich schmeckt man das Getreide und auch das Fass lässt sich erahnen. Mit feinen Toffee und Karamellnoten verabschiedet sich Moonshine von der Zunge. Danach geht er leider auch nicht viel weiter. Einen großen Abgang, langanhaltenden Geschmack sucht man vergebens.
Für einen Moonshine, so wie man ihn aufgrund der Geschichte erwarten würde, ist dieser Brand viel zu rein und zu elegant. Für einen Kornbrand ist er allerdings sehr lecker und durchaus angenehm. Wer gern einmal einen Vodka oder Korn pur trinkt, wird an diesem leicht gereiften Produkt seine Freude haben. Und auch die Verwendung in Cocktails scheint naheliegend. Vielen klassischen Vodkadrinks könnte der O’Donnell Moonshine eine neue, ganz eigene Note verleihen. Noch dazu lassen sich die leeren Gläser hervorragend zum Einlegen weiterverwenden oder mit einem entsprechenden Aufsatz zu einem Shaker umbauen.
Ein traditionelles Produkt, das mit anderen Assoziationen spielt, dabei aber ehrlich und durchdacht wirkt.
Bildquelle: Hillibilly Moonshine via Shutterstock

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