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Der Goldstoff Pisco.

Als Student die Welt entdecken, ferne Länder bereisen und in fremde Kulturen eintauchen. Und den Weg nach Hause mit einer Geschäftsidee antreten. So, oder so ähnlich ging es drei jungen Männern, die vor wenigen Jahren in Südamerika unterwegs waren und in Chile über eine für sie unbekannte Spirituose stolperten. Sie entdeckten Pisco für sich und beschlossen auch in ihrer Heimat hierfür die Werbetrommel zu rühren.

Natürlich haben die Jungs nicht Pisco entdeckt. Dass die Spirituose für die Drei aber vollkommen unbekannt war, zeigt, welches Nischendasein Pisco in Deutschland noch immer fristet, auch wenn sich die Situation derzeit ein wenig verbessert.

Drei Gründer sind es, die hinter Goldstoff stecken. Ein Student, ein Software-Entwickler und ein Betriebswirt, alle ausgestattet mit Faible für Spirituosen und elektronische Musik. Aus der ersten Idee Pisco für sich und ihr Umfeld in Deutschland verfügbar zu machen, entstand 2011 bereits die Firma Goldjungs GmbH, die seit 2012 den Pisco Goldstoff in Deutschland vertreibt.

Dabei war die Suche nach dem Destillat eine durchaus hinderliche, wenn man den Internetauftritt studiert. Nach einer ersten Einigung mit einem Hersteller platzt das Geschäft doch. Eine glückliche Fügung, denn später sollte dieser geplatzte Deal nur noch eine Randnotiz sein. Durch Zufall stieß man auf einen Produzenten der Pisco auf traditionelle Weise produziert. Goldstoff entsteht nach einem überlieferten Rezept, welches die Gründer sofort überzeugte und momentan auch nur für sie produziert wird. Auf Nachfrage erklärt uns Philip Paetz, einer der drei „Goldjungs“, dass für ihren Pisco zwei verschiedene Moscateltrauben verwendet werden. Der daraus gewonnene Wein wird in Kupferkesseln nicht kontinuierlich gebrannt. Das Destillat wandert dann für ein halbes Jahr in zwei verschiedene Fässer. Die eine Charge ist französische die andere amerikanische Eiche. Aus beiden Fässern wird dann der Pisco geblendet, der als Goldstoff in die Flasche wandert. Filtriert, und nach chilenischem Gesetz erlaubt, mit 4 Gramm Zucker pro Liter versetzt wird. Die verwendeten Fässer werden übrigens nur sechsmal befüllt. Nach drei Jahren werden die Fässer dann ausgemustert.

Chile und Peru, aber wer hat es erfunden

Die ewige Frage ob Pisco nun eine chilenische oder peruanische Erfindung sei, begegnete den Dreien im Laufe der Produktentwicklung selbstverständlich auch. Man wolle sich damit aber nicht zu sehr auseinandersetzen. „Wir finden es gibt sowohl in Chile als auch in Peru hervorragenden Pisco. Peru hat andere Regeln bei der Herstellung, weswegen viele Lokalpatrioten oft sehr lautstark verkünden, dass peruanischer Pisco reiner ist und der einzig Wahre und so weiter. Aber wer lauter schreit, hat nicht unbedingt immer Recht“, stellt Paetz fest.

Und so steht auch kein über die Jahre gereiftes Konzept hinter Goldstoff. Die Drei sind überzeugt von ihrem Produkt und wollten es vorrangig ihrem Umfeld und sich selbst verfügbar machen. Interesse von anderer Seite wird dabei selbstredend wohlwollend aufgenommen.

Die Goldjungs machen aber nicht nur Pisco. Auf gleicher Stufe steht ihre Liebe zur elektronischen Musik in deren Rahmen sie Events veranstalten. Ein Stil, der im ersten Moment Assoziationen zu Vodka-Energy und großen Clubs hervorruft. Nicht unbedingt die perfekte Zielgruppe für einen Pisco. Aber auch hier wird schnell in die andere Richtung gerudert. Man sei „vielmehr Großstadtindianer als Großraumdiscothek“. Eine Entwicklung, die zufällig passierte. Dabei sieht man durchaus einen neuen Trend in „unserer Generation. Bioladen statt Riesensupermarkt. Alternatives Festival statt Madonna-Konzert im Riesenstadion. Mehr Qualitätsbewusstsein. Mehr regional. Mehr lokal. Weniger Coca Cola. Mehr fritz, mehr afri mehr Mate. Weniger Bacardi. Weniger Vodka-E. Mehr Goldstoff“. Man sei somit seine eigene Zielgruppe. Augenzwinkernd merkt man aber auch an, dass die Frage berechtigt ist, ob diese Strategie die wirtschaftlich sinnvollste ist

Die Verkostung

Aber am Ende zählt, was in der Flasche ist. Diese ist, analog zur elektronischen Musik, einigermaßen minimalistisch gehalten. Ein großes G ziert die Front. Mit den Slogans 0,7l Exotik und 35% Rausch sucht man eher doch in der jungen Zielgruppe seine Abnehmer. Nicht unbedingt ein Slogan für verantwortungsvollen Genuss. Aber von dem steht auch nichts auf der Flasche. Der Inhalt ist hellgelb. Erinnert eher an einen Weisswein als an ein gereiftes Destillat. In der Nase dann die ein oder andere Überraschung. Viel Frucht, eine nicht zu verkennende Süße. Kandierte Früchte und Zuckerwatte. Dazu die Aromen von Birne, Apfel und Pflaume.

Die Bestätigung dieser komplexen Aromen erfolgt im Mund. Auch hier wieder Birne und Apfel, dazu Trauben und Beeren. Keinerlei alkoholische Schärfe, dafür aber wieder diese Süße, die die anderen Aromen miteinander verbindet. Seltsamerweise macht sich das Gefühl im Mundraum breit das man auch hat, wenn man Zuckerwatte isst. In diesem Fall aber in keiner Form unangenehm. Ein sehr gefälliger Tropfen, der vielleicht keine Aromenexplosion nach sich zieht, aber durchaus Spaß macht.

Und Spaß soll Pisco an der Bar vor allem im Pisco Sour machen. Im Mix mit Limette, Zucker und Eiweiss ergibt Goldstoff Pisco einen Cocktail, der auch vielen Anhängern von peruanischem Pisco schmecken dürfte. Deutliche Fruchtnoten eine gut eingebettete aber vorhandene Spirituosennote, dabei mit wahrnehmbarer, eigener Süße. Vielleicht schon ein wenig zu rund. Bitters sind hier sicherlich angebracht, um dem Sour noch ein paar Ecken und Kanten zu verpassen.

Ein guter Pisco, der einen anständigen Sour ergibt. Gepaart mit der Geschichte von drei jungen Unternehmern, die ein Andenken an eine Reise mitbringen und damit ein Geschäft aufmachen. Sehr sympathisch.

 

Goldstoff Pisco

 

Preis: ca. 18 Euro

Vertrieb: Goldjungs GmbH

Herkunft: Chile

Füllmenge: 0,7 l

Alkoholgehalt: 35 Vol. %

Internet: www.goldstoff.co

 

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Goldjungs GmbH erhalten. Außer den Produkten – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)

Bildquelle: Flüssiges Gold via shutterstock.com

Comments (1)

  • Stefan Paetz

    Die Jungs sind wirklich so und das Zeug schmeckt gut

    reply

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