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Die Mixology-Verkostungsrunde Juni 2015

Zweimal Gin, zweimal Vodka: die Verkostungsrunde erprobt Nordés Vodka, New Amsterdam Vodka, Wint Gin und Bluecoat Barrel Aged Gin.Dazu kommt das Münchener Weihwasserund mit den Sprays von Vallendar eine regelrecht Aromenbombe. Wer kann überzeugen, wer enttäuscht?

 

Das Jahr ist schon wieder halb vorbei, und damit auch der Juni — Zeit für unsere Verkostungsrunde. Gleich zweimal gehen wir nach Spanien, außerdem in die USA: daher kommen der Bluecoat Gin und der New Amsterdam Vodka. Nicht so wirklich heilig erscheint uns hingegen das „Weihwasser“, während die Vallendar’schen Aromensprays ein Lächeln am Konferenztisch hinterlassen. Doch lesen Sie selbst, was die Redaktion diesen Monat empfiehlt.

Nordés Vodka

Von der galizischen Atlantikküste erreicht uns der Nordés Vodka, der seine maritime Herkunft nicht verhehlt: eine tiefblaue, wuchtige Flasche thront auf dem Tisch.

Die Nase ist äußerst verhalten und offenbart kaum Aromen, lediglich ein leicht alkoholisches Stechen macht sich bemerkbar. Daneben kommen flüchtige Zitrusnoten zum Tragen. Keine Spur hingegen hinterlassen die Kartoffeln, die die Grundlage des Destillats liefern, eine Hommage an die in der nordspanischen Küche extrem beliebten Knollen.

Im Mund ist der Nordés relativ süß sowie leicht und flüchtig, dafür sind allerdings die spritigen Aromen vom Nosing verschwunden. Insgesamt aber ein sehr dünnes Mundgefühl, das lediglich durch kaum ausgeprägte Anis- und Süßholztöne untermalt wird. Kein schlechter, aber ein sehr simpler Vodka.

0,7 l
40 % Vol
ca. 35 €

New Amsterdam Vodka

Eine typisch russische Flasche mit dem Konterfei des Empire State Building und einem niederländischen Namen? Schließlich hieß New York in seinen Anfangstagen noch Nieuw Amsterdam. Aber woher der russische Bezug? Vielleicht möchte man sich mit dem Packaging auch einfach abgrenzen vom stereotypen Premiumsegment. Dieser Eindruck wird unterstrichen durch die Trinkstärke des New Amsterdam: mit geradezu konservativen 37,5%/Vol., also dem vorgeschriebenen Mindestgehalt, wird der Vodka abgefüllt. Entgegen dem Namen entstammt der Vodka übrigens nicht Neuengland, sondern der kalifornischen Riesenweinschmiede E & J Gallo.

Trotz seines niedrigen Alkoholgehalts präsentiert sich der Brand jedoch mit schöner Bindung im Glas und besticht mit einer angenehmen, zurückhaltenden Nase aus Noten von Buttergebäck, Orange und etwas Vanille. Hier macht sich zweifellos die Basis von 100% Mais bemerkbar. Der Geschmack ist sehr trocken und dezent, etwas cremig. Dabei ist der New Amsterdam gut trinkbar, jedoch auch sehr filigran. Diese fehlende Konzentration dürfte ihn jedoch als Mixspirituose schwierig einsetzbar machen.

0,7 l
37,5 % Vol
ca. 22 €

Wint & Lila Gin

Auch, wenn dies nicht der erste Gin aus einer Tonflasche ist, gibt es für das Packaging des Wint & Lila Gin eine glatte „1“. Die schwere, dick-zylindrische Flasche mit dem charakteristisch ausgeformten Holzstopfen dürfte noch jedes reich bestückte Backshelf verschönern und bereichern. Dazu ein stimmiges grünes Label, das aufgeräumt und vital gleichzeitig wirkt.

Ansonsten haben wir es mit einem klassischen New-Western-Spanier zu tun: es findet kein Wacholder statt, in erster Linie dominieren starke Zitrusnoten, die derart voluminös sind, dass sie ins Synthetische abzugleiten drohen. Die anderen auf dem Etikett angegebenen Botanicals, etwa Angelika und Zimt, machen sich nicht bemerkbar. Lediglich eine leichte Krautigkeit von Basilikum und Thymian schiebt sich mit der Zeit hervor — aber auch diese bleibt sehr hintergründig.

Gemessen an der verwendeten Bezeichnung „London Dry Gin“ ist der Wint & Lila dann allerdings vergleichsweise süß. Die Zitrusnoten verlagern sich im Mund recht deutlich in Richtung Orangenschale. Was fehlt, sind pikante und herzhafte Aromen, die sich für kraftvollere Drinks empfehlen würden. Der Wint hingegen scheint wie gemacht für bunt ausdekorierten, sommerlichen Gin & Tonic.

0,7 l
40 % Vol
ca. 39 €

Bluecoat Barrel Reserve Gin

Die USA haben sich in der jüngsten Vergangenheit als Wiege einiger der aufregendsten Gins hervorgetan. Die Beliebigkeit und Abkehr vom starken Aromenprofil, die den europäischen Herstellern häufig vorgeworfen wird, wird durch ambitionierte US-Brenner nivelliert: Neben kraftvoll-innovativ gewürzten Gins sind es besonders jene gelagerten Qualitäten, die den amerikanischen Stil neuerdings prägen. So ist auch die neue Qualität aus dem Hause Bluecoat im Fass veredelt worden.

Das Fass dient hier, wie es bei gereiftem Gin immer sein sollte, allerdings nicht zur Überdeckung der zuvor mazerierten Aromen, sondern der Bereicherung des Brandes: der Bluecoat vereint bereits in der Nase die ölig-holzige, „tannige“ Frische des Wacholders (auch in der regulären Abfüllung überaus markant) mit deutlichen Zimt- und Pimentnoten, die für eine schöne Tiefe und Komplexität sorgen. Die Anklänge des Fasses machen sich mit der Zeit durch einen deutlichen Akzent von Zedernholz bemerkbar.

Die 47%/Vol. sind überaus harmonisch eingebunden und sorgen für eine hohe Konzentration der Aromen, im Mund tritt zu den bereits offenbarten Aromen eine deutliche Spur von frisch geschnittenem Gras. Die Komplexität des Gins wird außerdem bereichert durch eine feine Salzigkeit. Ein hochdifferenzierter Gin mit einer absoluten Empfehlung an Herrn Martinez.

0,75 l
47 % Vol
kA

Weihwasser Sanctus

Man macht schon ein Fass auf, wenn man auf seine Flasche den Begriff „Lifestyle-Getränk“ schreibt. Allein um welchen Stil der Lebensführung es sich handeln soll, wird seitens der Hersteller leider verschwiegen. Wir müssen uns also jener Informationen behelfen, die die Flasche auf den ersten Blick hergibt. Beim Weihwasser handelt es sich um einen alkoholfreien Erfrischungsdrink unter Zunahme von Zitrone, Limette, Havana-Minze, etwas Kohlensäure, viel Koffein — und Goldstaub. Welcher Lifestyle gemeint ist, wird allmählich klar. Münchener BlingBling, da sind wir. War nicht auch die Prunksucht eine Todsünde? Ohne den Begriff Weihwasser und die Zutaten als Anlass für einen theologischen Diskurs zu nehmen, müssen wir einräumen, dass das Weihwasser am Ende eine ziemliche Enttäuschung ist.

Der Geruch ist herbal, erwartungsgemäß dominiert ein minzig-süßes Aroma, das so erst einmal in Ordnung ist. Das eigentliche Problem des Weihwassers ist seine geschmackliche Disharmonie: auch die minzige Frische schafft es nicht, die immense Süße aufzufangen. Die beiden kommen im Mund nicht zusammen. Dazu kommt eine leichte blaugrünliche Färbung und die Sprenkler aus Goldstaub, die zusammen einen alles andere als appetitlichen Eindruck machen.

0,2 l
0 % Vol
ca. 2 €

Brennerei Hubertus Vallendar Gourmet-Sprays

Die Obstbrennerei Vallendar genießt unter Bartendern einen mehr als guten Ruf für ihre Brände und Geist. Einen ähnlich aromatischen Ansatz bieten die Aromensprays, die für Küche und Bar geeignet sind. Zum Test lagen die sechs Sorten Wacholder, Ingwer, Orange, Minze, Haselnuss und Weinbrand mit einem jeweils hochkonzentrierten Gehalt von 71%/Vol. vor.

Während einzig das Minz-Spray einen leicht staubigen Eindruck hinterließ, zeigte sich die Runde durchweg begeistert von den übrigen Produkten. Alle Produkte überzeugen mit intensiven, aber durchweg natürlich anmutenden Gerüchen und empfehlen sich, um Drinks oder Speisen ein gewisses Etwas zu verleihen. Besonders das Haselnuss-Spray konnte die Verkoster begeistern. Eine tolle Möglichkeit, um ein nussig-schokoladiges Aroma in einen Drink zu bekommen, ohne die Dryness zu gefährden. Eine nicht ganz günstige, aber hervorragende Produkt-Range.

0,1 l
71 % Vol
ca. 19,50 €

Credits

Foto: via Sarah Liewehr

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