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Die Mixology-Verkostungsrunde im Mai 2022

Wieder einmal hat Marco Beier fünf Produkte einem monatlichen, prüfenden Blick unterzogen. Diesmal in unserer Verkostungsrunde mit dabei: ein CO2-neutraler Gin aus dem Hause Stork Club, ein Wermut aus dem Schwarzwald, ein japanischer Whisky-Blend, ein Pfirsich-Filler von Schweppes und ein in karibischen Rumfässern veredelter Irish Whiskey.

Wie gro0 zu sehen, ist der neue Stork Club Bio Rye Gin auch CO2-neutral

Stork Club Bio Rye Gin

„Noch ein Gin? Muss das sein?“ Mit dieser Frage kündigten die Köpfe hinter Stork Club in ihrem Newsletter an, dass sie es nach der – durch die Pandemie bedingten – Abgabe von Humboldt Gin noch einmal wissen wollen. Man komme der Nachfrage von Kunden und Geschäftspartnern nach und bringt einen Gin auf den Markt, der nicht nur das Bio-Label tragen darf, sondern zusätzlich vom TÜV noch als CO2-neutral zertifiziert ist. Ob diese Label das Rücketikett nun wirklich schöner machen, darüber darf man streiten, die Idee dahinter ist sicherlich richtig.

Neu ist auch, dass man den Gin direkt ins Stork Club Portfolio einbindet; somit gleiche Flasche und typisches Stork-Etikett, anstatt eine neue Marke aufzubauen. Eine Konzentration auf das Wesentliche, wie sie auch im Inhalt der Flasche passiert. Beschrieben wird der Gin als „klassischer Gin im eigentlichen Sinne“. Wollen wir mal sehen. In der Nase vorrangig Wacholder und frische Zitrusnoten. Im zweiten Moment eine leicht pfeffrige Schärfe. Der Eindruck wird am Gaumen bestätigt. Sehr frisch, sehr klar mit einer guten Portion Wacholder und viel Zitrus. Keine Schnörkel drum rum, sondern einfach ein ganz klassischer Gin, der perfekt zu klassischen Drinks passt und einen äußerst soliden Gin & Tonic ergibt. Die eingangs gestellte Frage lässt sich also ganz klar mit „Ja“ beantworten. Stork Club Bio Rye Gin passt definitiv in jede Backbar!

Flaschengröße: 700ml
Alkoholgehalt: 43%
UVP: 28,90€
Vertrieb: Spreewood Distillers

Apros Red Vermouth

Ein weiteres Produkt, von dem die Macher:innen behaupten, dass es sich auf das Wesentliche reduziert. Abgeleitet wird dies aus der Schwarzwälder Mentalität, einer Eigenschaft die man nicht immer zwingend mit den südwestlichen Gefilden assoziiert – man denke an die Bommel an den klassischen Kopfbedeckungen.

Die Flasche kommt allerdings schon sehr klar und spricht durchaus für sich. Zum Inhalt selbst: Pinot Noir als Grundwein wird hier mit heimischen Weindestillaten und verschiedenen Botanicals zu einem klassischen, roten Wermut veredelt. Aus dem Glas strömt ein intensiver und einnehmender Duft von Wermutkraut und Zimt, begleitet von einer leichten Frische. Wenn das eine Reduktion auf das Wesentliche ist, dann ist dieses äußerst intensiv. Im Mund dann das, was man sich von einem roten Wermut erwartet: Dominante Weinaromen, der Alkohol ist spürbar, aber sehr schön eingebunden, die einzelnen Aromen lassen sich schön erkennen. Klar und präzise mit einer sehr unterschwelligen Süße. Und hier könnte vielleicht der Knackpunkt sein. Für einen Negroni, z.B. im klassischen Verhältnis, fehlt ein wenig Körper. Wenn die Süße nicht so wichtig ist, beispielsweise im Martinez oder in Kombination mit Tonic, kommt Apros Wermut allerdings großartig zur Geltung und dürfte viele Liebhaber auch außerhalb des Schwarzwalds finden.

Flaschengröße 700ml
Alkoholgehalt: 18%
UVP: € 24,80
Vertrieb: Local Spirits

Apros Vermouth kommt aus dem Schwarzwald
Wörtlich ließe sich der Name des japanischen Shinsei Blended Whisky mit „himmlisch“ übersetzen

Shinsei Blended Whisky

Japanischer Whisky ist schon seit Langem kein Geheimtipp mehr. Kenner sind sich einig, dass die Qualität der Destillate aus dem anderen Winkel der Erde über jeden Zweifel erhaben ist. Mit der Idee, den „perfekten japanischen Whisky“ zu kreieren, sind vor fünf Jahren die beiden Franzosen Philippe Bienvenu und Samuel Praicheux gestartet und haben sich eine Destille gesucht, mit deren Produkten sich ein solcher Blend umsetzen lässt. Fündig wurde man in den japanischen Alpen am Fuße des Mt. Fuji. Wie „himmlisch“, so die ungefähre Übersetzung des Namens, das Ergebnis nun wirklich ist, wollen wir gern probieren.

Flasche und Label lassen noch nicht allzu viele Rückschlüsse zu, der Drehverschluss wirkt recht lieblos und Informationen zum tatsächlichen Inhalt sucht man vergeblich. Ein paar vage Tastingnotes und die Geschichte der Idee sind aufgedruckt, das war’s. Aber es kommt ja immer auf den Inhalt an. Dieser legt sich in heller Bronze ins Glas und verströmt ein Aroma von Honig, grünen Früchten und Eichenholz. Sehr elegant und beinahe leicht ist der erste Eindruck. Im Geschmack mit angenehmer Süße, harmonisch und rund, allerdings auch ohne viel Finesse oder eine deutliche eigene Note. Der bunte Fruchtmix, den das Etikett verspricht (Kirsche, Ananas, Birne und Quitte), ist nicht so wirklich spürbar. Eher fühlt man sich an die Aromen eines Süßweins erinnert. Wer einen japanischen Blend sucht, der rund, harmonisch und sehr schön balanciert ist, der wird bei Shinsei fündig. Viel mehr darf man aber nicht erwarten, und dafür ist der Preis vielleicht etwas ambitioniert.

Flaschengröße: 700ml
Alkoholgehalt 40% Vol.
UVP: € 59,90
Vertrieb: Waldemar Behn

Schweppes White Peach

Jedes Jahr dreht sich das Rad der flüssigen Innovationen ein Stückchen weiter, und so langsam sollte ich meine grundlegende Skepsis vielleicht durch eine einfache Neugier eintauschen. Nun ja, immer wenn ein großer Brand mit einem neuen Produkt um die Ecke kommt, wird das „next big thing“ angekündigt, und selten wird dann etwas präsentiert, was den Markt so richtig umkrempelt. Der Bitterlimonaden-Gigant Schweppes hat vor einigen Wochen zwei neue Aromen vorgestellt, und eines davon hört auf den blumigen Namen White Peach. Orange-rosa Etikett, hell orangene Flüssigkeit. Ab damit ins Glas.

Der erste Eindruck ist schon fast ein wenig übertrieben. Wahnsinnig viel Frucht in der Nase und der ewige Eindruck von Eistee, sobald Pfirsich im Spiel ist. Im Mund dann das, was man von Schweppes erwartet. Kohlensäure bis zum Anschlag, eine leichte, sehr angenehme Bitternote und der Pfirsich perfekt abgerundet von leichten, floralen Aromen. Es mag nicht das flüssige erste iPhone sein, das hier präsentiert wird, aber man darf sich ziemlich sicher sein, dass uns White Peach in diesem und dem kommenden Sommern regelmäßig begegnen wird. Pur schon sehr lecker, muss man lange nach Kombinationen suchen, mit denen sich der neue Filler nicht kombinieren lässt. Einzig, dass sich manche Spirituose vielleicht nicht gegen die Aromen durchsetzen kann, könnte als Einwand kommen. Aber das soll nicht das Problem von Schweppes sein. Auch wenn man auf der Homepage komplett auf Nummer sicher geht und lediglich Spritz-Varianten ins Rennen schickt, darf man sich vor allem auf Sommerdrinks aus kreativen Bars freuen, die White Peach in Szene setzen.

Flaschengröße 200ml
Alkoholgehalt 0%
UVP: wie die restliche Schweppes-Range
Vertrieb: Krombacher

Flasche leer, weil lecker: Schweppes White Peach hat das Zeug zum Sommerkracher
Irish Whiskey, in karibischen Rumfässern veredelt

Grace O'Malley – Rum Cask Finished Irish Whiskey

Wer mag sie nicht, die verklärend romantischen Piratengeschichten aus lange vergangenen Zeiten. Unzählige Filme, Bücher und Spiele basieren auf den heldenhaften Geschichten verschiedener Outlaws, die meist den Obrigkeiten ein Schnippchen schlagen konnten und, leicht verklärt, meist die gute Seite in den Geschichten einnehmen. Zur Popkultur gesellt sich nun eine irische Whiskymarke, die sich nach der legendären Piratenkönigin Grace O’Malley benannt hat, die im 17. Jahrhundert politische Gegenspielerin der englischen Königen Elizabeth I. war. Neben klassischen Abfüllungen und Single Casks bringt Grace O’Malley nun eine wirkliche Seeräuber:innen-Edition in Form eines Irish Whiskey, der in karibischen Rumfässern veredelt wurde.

Wenn man sich durch den Wachsverschluss gearbeitet hat, ergießt sich ein recht helles, goldgelbes Destillat ins Glas. In der Nase wechseln sich Getreide und getrocknete Früchte sehr schön ab und ergeben ein harmonisches Gesamtbild. Auf der Zunge dann sehr cremig mit Noten von Toffee und ganz leichter Vanille, nach kurzer Zeit kommen auch wieder die ungewohnten, aber sehr leckeren fruchtigen Noten, die den Rumfässern zugeschrieben werden. Hier wird Whisky sicher nicht neu erfunden, aber wer auf der Suche nach einem leckeren Tropfen ist, der einen in den kommenden Wochen beim Spielen der neusten Auflage vom besten Computerspiel aller Zeiten, Monkey Island, begleitet, der dürfte hieran Gefallen finden.

Flaschengröße: 700ml
Alkoholgehalt 42%
UVP: € 65,-
Vertrieb: Kammer-Kirsch

Credits

Foto: Marco Beier

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