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Die MIXOLOGY-Verkostungsrunde November 2019

Die MIXOLOGY-Verkostungsrunde November 2019

Wermut vom Rheingau, fassgelagerter Gin von Martin Miller’s, Alkoholfreies und Alkoholisches von Lantenhammer sowie Gin von Amazon – die Verkostungsrunde im November

Lantenhammer Guilty

Lantenhammer – Guilty

Guilty ist eine Kooperation der Brennerei Lantenhammer mit Tom Collet und Till Grönemeyer, seines Zeichens Neffe des Sängers Herbert Grönemeyer. Es handelt sich um eine alkoholfreie Spirituose – genauer gesagt alkoholfreien Gin –, mit der nun auch das bayrische Traditionshaus in einen Trendmarkt einsteigt. In der Nase macht sich ein Aroma von Mandarine und Clementine breit, das auf einem laktilen Fundament gebettet ist, das stark an Buttermilch erinnert. Dazu gesellt sich eine leichte, krautige Basilikumschärfe, die am Gaumen in eine leichte, stumpfe Bitterkeit überwechselt. Wie alle Produkte der Kategorie, die sich alkoholfreier Gin nennen, dominiert beim Pur-Trinken eine starke Wässrigkeit, aber sie sind ja ohnehin für den Filler konzipiert. Mit Tonic Water (Aqua Monaco) aufgegossen, wird die krautige Note leicht unterstrichen, das Gefühl von Buttermilch bleibt erhalten. Sowie auch ein leichtes Achselzucken.

500 ml | ca. € 24,90 | lantenhammer.de

Ankermühle & Wohlfahrt-Franke – Rheingau Riesling Vermouth Black Venuss

Black Venuss ist ein Wermut auf Riesling-Basis, für das sich beiden Rheingauer Weingüter Ankermühle und Wohlfahrt-Franke zusammen geschlossen haben. Alle Zutaten stammen aus der direkten Umgebung der Ankermühle aus Oestrich-Winkel und sind nachhaltig produziert. So viel zu den Hard Facts. In der Nase überzeugt der Black Venuss sofort mit einer duftigen, würzigen Nase aus Wermutkraut, Nelke und Orange, die von einem starken, weinigen Aroma begleitet wird, das an Trockenbeerenauslese denken lässt. Trotzdem ist das Produkt am Gaumen nicht zu süß, bleibt weinig bei einer sehr präsenten Bittere. Je mehr Luft der Wermut bekommt, umso weiniger präsentiert sich sein Bouquet. Alles in allem ein toller Wermut, bei dem vielleicht einzig verwundert, dass die als Hauptrolle angeführte Walnuss – zumindest in unserem Test – nicht durchdringt. Im Cocktail könnte der Black Venuss in einem Bamboo, einem Adonis oder einem milden Rye Manhattan eine tolle Figur machen.

750 ml | 15 % | ca. € 29,90 | blackvenuss.de

Ankermühle & Wohlfahrt-Franke – Rheingau Riesling Vermouth Black Venuss
Martin Miller's – 9 Moons Solera Reserve Gin

Martin Miller's – 9 Moons Solera Reserve Gin

Der Name des 9 Moons Solera Reserve gibt vor, was in dem Gin drin steckt: Fasslagerung nach dem Solera-Verfahren. Dafür verwendet der englische Gin, der mit isländischem Quellwasser eingestellt wird, französische Eichenfässer, die neun Monate in Island reifen. Wie also schmeckt das europäische Nord-Süd-Gefälle? Alles andere als gefällig. In der Nase zuerst stark nach Kamille und Heu, dabei erdig und frisch. Zitrone und Wacholder – die laut Eigenangabe etwas anders proportioniert sind als beim regulären Martin Miller’s Gin, der bereits im Jahre 1999 eingeführt wurde – sind trotzdem angenehm präsent. Am Gaumen schlägt sich die Fassreifung in einem sehr milden, beinahe cremigen Produkt nieder, es dominieren helles Karamell und eine Spur Eukalyptus. Ganz klar ein Gin, der auf den Purgenuss abzielt, wofür auch der Preis steht. Der 9 Moons Solera Reserve Gin wird ab 2020 in Deutschland vertrieben.

 

350 ml | 40% Vol. | ca. € 58 | trinkladen.de

Amazon – Tovess Gin

Wenn Amazon, der Internet-Gigant, einen Gin launcht, kann man das im Vorfeld verdammen oder sich dem Produkt mit umso objektiverer Aufmerksamkeit nähern. Wer über so viel Kapital verfügt, könnte schließlich auch einen kapitalen Gin entwickeln, oder? Wir haben uns dem Tovess Gin also mit höchster Neutralität genähert, weswegen man getrost sagen kann: Der Tovess Gin ist ein Reinfall. In der Nase riecht er minimal nach Zitrus, dabei sehr matt und dunstig. Das Aroma erinnert vielmehr an einen Gin, den man bereits mit Wasser verdünnt hat. Wacholder tritt nur im Hintergrund auf, und am Gaumen fehlt jede Crispiness, die für britische Gins so typisch und wichtig ist. Auf Nachfrage ist auch nicht mehr zu erfahren, als dass Tovess Gin irgendwo in Birmingham in Kupferkesseln hergestellt wird. Tja.

 

700 ml | 41,5% | € ca. 24,99 | amazon.de

Amazon – Tovess Gin
Sild – Crannog Single Malt Whisky

Sild – Crannog Single Malt Whisky

Wir haben die heutige Verkostung mit einem Produkt von Lantenhammer begonnen, und wir schließen sie auch –sozusagen – mit einem Produkt von Lantenhammer ab. Hergestellt wird der Sild Crannog Singe Malt Whisky nämlich in der bayrischen Slyrs Destillerie von Lantenhammer, bevor er in kleinen Eichenholzfässer auf einem Fischkutter aus dem Jahre 1946, namentlich The Angel’s Share, im Hafen von List auf Sylt reift. Ob Sylter Fischkutter im Jahre 1946 tatsächlich so benannt wurden, lassen wir mal dahingestellt, ansonsten überzeugt der Crannog auf voller Seemannslinie. Erstaunlich weich für 48% Vol., eröffnet der Single Malt mit einer angenehmen Wucht von Teer und Benzin, begleitet von Piment, Nelke, Schwarzem Pfeffer, am Ende gesellen sich Biskuit und Buttertoast hinzu. Am Gaumen breitet sich zarter Rauch aus, bei einem Geschmack von Trockenobst und Datteln. Und ja, tatsächlich, auch eine spürbare Salzigkeit bzw. Jodigkeit, die einen gedanklich natürlich rasch an die Nordsee versetzt. Ein überzeugender Whisky, der aber seinen Preis hat.

700 ml | 48% Vol. | € 79,95 | sild-whisky.de

Credits

Foto: Caroline Adam

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