Vodka-Wars.Tumult im Haifischbecken.

Vodka 6.1.2013 3 comments

Mit Vorliebe stürzt sich die Bar-Branche auf neuen Gin. Einer nach dem Anderen wird in das Rennen um die raren Regalplätze geschickt. Die Augen sind schwer davon abzuwenden. Dabei kämpft unweit davon ein größerer Markt: die Vodka-Branche. Zahlreiche neue Marken, Vodkas und Vodka-Liköre, versuchen sich neben den großen Playern zu etablieren. e·Mixology verschafft einen kompakten Überblick.

Um zwischen den fetten Haien Smirnoff, Absolut, Russian Standart und Konsortien im deutschen Vodka-Becken schwimmen zu können, bedarf es mehr als nur einer Schnapsidee. Eins weiß jedoch jeder: Vodka ohne Marketing ist wertlos. Glitter und Glamour ist dabei nicht mehr der einzige Weg. Underground, Tradition und Geschichte versprechen Lifestyle. Manchen dünkt es sogar, Marktlücken zu entdecken.

So die Edelbrenner aus dem Hause Lantenhammer. In eine blaue, dem bayerischen Himmel entlehnte Flasche füllen Sie seit einigen Monaten ihren Bavarka Vodka. Die Bayern wagten sich damit an ein Kartoffeldestillat, eine Seltenheit im Segment. Jedoch lechzt noch ein anderes Erdapfel- Produkt nach dem deutschen Markt. Der High Roller Vodka aus den USA. Dieser ist aus Süßkartoffeln und daher angeblich der weichste seiner Art. Beide hochpreisigen Produkte wollen den Premiummarkt umkrempeln. Viel ist davon, noch nicht zu sehen.

Gläserne Totenkopfschädel

In ein ähnliches Preissegment zielt der ebenfalls in den USA entsprungene Crystal Head Vodka. Das Destillat von Schauspieler Dan Aykroyd im gläsernen Totenkopfschädel polarisiert seit seiner Niederkunft. Die Legende der 13 Kristallschädel – äußerst umstrittene, historische Artefakte – bieten die Basis für das übliche Marketing-Tamtam. Nahezu mystisch und spirituell soll sogar die Produktion sein, denn gefiltert wird durch esoterische Quarzkristalle.

Nicht so dick tragen die Dänen hinter Mama Vodka auf. Im ansprechenden, innovativen Packaging dedizieren sie ihr Produkt allen guten Müttern dieser Erde. Den fünffach destillierten Roggenvodka gibt es sogar im Plüschbezug oder in verschiedenen Aroma Varianten. Ebenfalls aus Skandinavien stammen Lignell & Piispanen, die sich mit ihrem Vodka gustav und dessen beerigen Derivaten derzeit nach einem Vertrieb in Deutschland umschauen. Wenn der Inhalt nicht völlig daneben liegt, sollte den eleganten Flaschen einige Tore offen stehen. Der Bedarf an »hübschem Vodka« ist ja offenbar endlos.

Vodka und Politik?

Doch warum in der Ferne schweifen? Auch Deutschlands Macher überschlagen sich. Schon in einigen Bar-Outlets vorhanden, ist der in Weißrussland, der »letzten Diktatur Europas« produzierte Partisan Vodka. Engagierte Erfurter kurbelten das Projekt an und sind seither auf dem Vormarsch als Undergroundlabel. Berliner Held Vodka versucht an die goldenen 20er anzuknüpfen, Hamburger Bazic Vodka unterstützt soziale und ökologische Projekte und die Saarländer hinter Dreyberg versuchen offenbar die 80er mit fies-farbigen Likören zu beleben. Jede Nische kann mit Vodka auf seine Kosten kommen. Ob es auch jede möchte, entscheidet der Markt.

(Dieser Artikel erschien erstmals in e-MIXOLOGY Issue 3/2012.)

Foto: Christian Kopp

3 comments

  1. Philipp Kurz

    Marketin Strategie hin oder her. Der High Roller hört sich interessant an. Wo kann man den kaufen?

  2. Lara Reder

    Bavarka ist echt ein fantastischer Vodka, wunderbare Süße und sensationell mild. Tolle Flasche! Dreyberg ist übrigens auch super, interessante Spirituose, es gibt eigentlich nichts vergleichbares, die Farben sind aber echt grell. 😉 dafür auffällig. Ist aber kein Vodka im eigentlichen Sinn, aber auch kein Likör, sehr schwer zu beschreiben.

    Schöner Artikel, beste Grüße
    Lara

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