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Was hält der Trend? Witbiere im Test

Nachdem sich Craft-Brauer in der jüngsten Vergangenheit vor allem mit verschiedenen Spielarten des Ales beschäftigt haben, wird es für viele Zeit, andere Stile in ihr Angebot aufzunehmen. Mit dem belgisch-stämmigen Witbier begegnet uns in letzter Zeit ein vergessener Bierstil vermehrt. Doch was hat es eigentlich mit dem Wit auf sich? Wir schaffen Abhilfe und vergleichen drei Marken, die jüngst auf den Markt gekommen sind.
Wit – oder manchmal auch Witte – ist eine obergärige Weizenbiersorte, die größtenteils belgischer Provenienz ist. Seine Besonderheit rührt in erster Linie daher, dass das Wit traditionell mit Orangenschalen und Koriandersaat gewürzt wird. Diese Zusätze sind zwar nicht vorgeschrieben, ergeben sich jedoch aus der Historie des Bieres. Aufgrund der Zugabe von Gewürzen, ist der Stil wiederum grundsätzlich nicht mit dem Reinheitsgebot kombinierbar. Doch es gibt einige Möglichkeiten, dies zu umgehen.
Bier oder Brauspezialität
Im vorliegenden Vergleich betrachten wir drei Witbiere aus deutschen Brauereien, die kürzlich neu lanciert wurden. Zur Verkostung standen: Köstritzer Witbier (5,4% Vol.) Das Wit aus dem thüringischen Hause wird aus Weizen- und Gerstenmalz gebraut. Aufgrund einer Sondergenehmigung, die mit der Tradition des Stils begründet wurde, hat man die Genehmigung erhalten, den Sud trotz der Gewürzbeigabe als „Bier“ anbieten zu dürfen.
Ratsherrn Belgisches Wit (5,1% Vol.) Anders als im Fall Köstritzer, begnügt man sich in Hamburg damit, das Wit als „Brauspezialität“ zu verkaufen, um nicht mit dem Reinheitsgebot in Konflikt zu geraten. Zusätzlich wird das Ratsherrn auch mit Hafermalz eingebraut. In den Sudkessel wandern zudem Kamillenblüten als weiteres Aromat. Das Wit wird in der hauseigenen Microbrauerei als limitierte Edition hergestellt. Crew Republic X 4.0 – Witbier (4,4% Vol.) Das Problem der Namensgebung stellt sich für die Münchener Brauer gar nicht erst:
Hier verzichtet man auf die Gewürzbeigabe und versucht dagegen, das typische Aroma durch die Hopfensorten Wakatu, Kazbek und Mandarina zu erzeugen. Das Crew X 4.0 ist damit ein „Bier“ im Sinne der gesetzlichen Regelung. Ähnlich wie im Falle von Ratsherrn, gehört das Wit zur Reihe „X“, also der Experiment-Range von Crew.  Man sieht also, dass bereits von der Anlage her mit drei unterschiedlichen geschmacklichen Resultaten zu rechnen ist. Für Craft-Freunde stellt sich außerdem eine Glaubensfrage: Kann das Konzern-Bier (Köstritzer ist Teil von Bitburger) mit den beiden Suden aus kleineren Manufakturen mithalten? Wir machen den Test.
Alle drei Sorten wurden bei 8° Celsius im Rastal-Verkostungsglas begutachtet.

Köstritzer Witbier
Das Wit kommt mit einem hellen Strohgelb und leichten Reflexen von Orange ins Glas. Die Trübung ist nur leicht bis mittelstark ausgeprägt, der Schaum ist recht instabil und sackt rasch zusammen. In der Nase zeigen sich zuerst pfeffrige Noten und die Frische des Korianders. Nach einigen Augenblicken treten Töne von Honig und eine „brotige“ Röstnote hinzu. Die versprochenen Fruchtaromen bleiben jedoch, abgesehen von etwas Grapefruit, aus. Am Gaumen ist das Köstritzer trockener als erwartet, obwohl eine leichte Süße präsent ist.
Vorneweg zeigt sich eine relativ aggressive Kohlensäure, die zum Eindruck einer eher heterogenen Textur beiträgt. Die Anklänge von malzigen Röstnoten bleiben, vertragen sich aber nur passabel mit einer leicht orangigen Bitterkeit. Im Abgang entwickelt das Wit dann dominante vegetale Töne, die jedoch nach mehreren Schlucken in eine etwas seifige Dimension abgleiten. Insgesamt ein frisches, leichtes Bier, das nicht genau weiß, wo es mit den tieferen Malznoten und der kräftigen Perlage hin möchte.
Rastherrn Belgisches Wit
Auch das Ratsherrn leuchtet hellgelb. Durch die stärkere Trübung bleiben Reflexe aus. Der Schaum ist geringfügig stabiler, jedoch nicht langlebig. Beim Nosing zeigen sich selbstbewusste Fruchtaromen von Zitrone, Orange und Grapefruit, außerdem eine deutliche erdig-florale Spur der zugesetzten Kamillenblüten. Nach längerer Zeit treten dezente Hefenoten hinzu.
Im Mund kommen die Blüten dann noch deutlicher zum Ausdruck, unterstützt durch die verwendeten Aromahopfen Aramis und Triskel. Die Bitterkeit ist sehr dezent und lässt einem säuerlich-fruchtigen Eindruck den Vorrang, der an Birne und Stachelbeere sowie Estragon erinnert. Im Abgang zeigt sich prägnanter Koriander mit feinen Hefetönen. Zusammengefasst ist das Belgische Wit aus Hamburg durch seinen säuerlich-blumigen, unbeschwerten Grundcharakter vor allem ein ideales Sommerbier. Bis auf Weiteres limitiert, bleibt abzuwarten, ob ein Verkauf auch in der kalten Jahreszeit erfolgreich sein wird.
Crew Republic X 4.0
Der Sud aus München weist die stärkste Eintrübung auf. Das Bier ist minimal dunkler als seine beiden Test-Vorgänger und erzeugt wenig, dafür jedoch recht konsistenten Schaum. Das erste, was sich der Nase preisgibt, ist ein deutlicher Aspekt von Mango, flankiert durch Grapefruit und Quitte. Dazu kommen präsente Noten von frischem Gras und Blüten, die durch leichte Röst- und Hefearomen unterlegt werden. Beim ersten Schluck offenbart sich eine fein eingebundene Kohlensäure mit viskoser Textur.
Das Bier entfaltet eine bei 16 IBU* unerwartete Bitterkeit, die jedoch nicht klassisch hopfig, sondern fruchtbetont bleibt: es dominieren Anklänge von Pomeranzen und frischem Ingwer. Insgesamt wird der fruchtige Grundcharakter aus dem Nosing beibehalten, während die Röstaromen am Gaumen kaum noch präsent sind. Im Finish zeigt sich das für viele Weizenbiere so typische Aroma reifer Bananen.
Das Fazit
Insgesamt ist der Sud aus dem Hause Crew der komplexeste. Jedoch ist er wiederum kein „Wit“ im typischen Sinne, auch wenn der Gewürzzusatz nicht obligatorisch ist. Das macht eine direkte Vergleichbarkeit nur bedingt möglich. Mit dem Ratsherrn Wit liegt ein typisches Sommerbier vor, das trotz seiner Frische Platz für abseitige Aromen bietet und aufgrund seiner Säurestruktur am ehesten auch als Begleiter für leichte Speisen aufwarten könnte. Das Köstritzer wiederum wirkt als eigenständiges Bier noch etwas unausgereift, könnte jedoch mit seinen vegetalen Aromen und der kräftigen Kohlensäure eine interessante Option für moderne Twists im Bereich von Fizzes und Collins’ bieten. Abschließend kann festgehalten werden, dass Witbier in der Bar durchaus als Alternative zu bekannteren Stilen wie Lager oder Hefeweizen angeboten werden kann.

Credits

Foto: Zwei Männer via Shutterstock

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