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World’s 50 Best Bars – Der Stand der Dinge

Jährlich werden im Zuge der London Cocktail Week die besten 50 Bars der Welt gekürt. Während an der Spitze mit der berühmten Artesian Bar ein mittlerweile alter Bekannter thront, hat sich darunter einiges getan. Nils Wrage wagt für MIXOLOGY ONLINE eine kleine Bestandsaufnahme.
Da ist sie also, diese Liste, die für manchen Angehörigen der Barindustrie die Welt bedeutet. Am Abend des 9. Oktober wurden in London die World’s 50 Best Bars prämiert. Offiziell eine Initiative der Fachzeitschrift Drinks International, ist die Liste längst zu einer eigenständigen, globalen Marke avanciert.
Für diejenigen Bars, die auf den vorderen Plätzen landen, bedeutet die Auszeichnung nicht nur weltweiten Ruhm, sondern in vielen Fällen auch immense Gästeströme – darf doch stolz eine Vignette geführt werden.
Alte Bekannte
Wie schon in den letzten Jahren, dominiert auch 2014 wieder die anglo-amerikanische Barszene das Geschehen der prämierten Bars.

Allein 15 Bars, und damit knapp ein Drittel, befinden sich in New York und London. Daneben sind es Orte wie Seattle, San Francisco und Chicago, die eindeutig signalisieren, wo der aktuelle Cocktail-Hase läuft. Um dem sprachlichen Profil mehr Nachdruck zu verleihen, gibt es einige Abstecher in australische Bars.
Von der absoluten Spitze gar nicht mehr wegzudenken scheint indes die Artesian Bar im Londoner Langham Hotel. Bereits zum dritten Mal in Folge erhält die von den beiden Szene-Heiligen Alex Kratena und Simone Carporale geführte Bar die Auszeichnung als beste Bar der Welt, was bei so Manchem zum Eindruck eines gewissen Bayern-München-Syndroms führt.
Das Artesian ist mittlerweile nicht einfach eine außergewöhnliche Bar, sondern es ist eine Marke für sich geworden, die scheinbar nicht ohne weiteres wieder verdrängt werden kann.
Das Große „Warum?“
Preisverleihungen, die nicht auf objektiv messbaren Leistungen beruhen, führen meist zu Unkenrufen aus verschiedenen Richtungen. Auch im Zuge der in GSA-Land begehrten MIXOLOGY BAR AWARDS finden jedes Jahr öffentliche Diskussions-Grabenkämpfe statt, wenn Nominierungen und später Preisträger bekannt gegeben werden.
Solche Anwandlungen scheinen tief im Wesen der Menschen verankert. Dabei geht es ja bei Preisen an sich darum, bestimmte Dinge positiv hervorzuheben, und nicht – wie bisweilen dargestellt – alle nicht ausgezeichneten Personen oder Einrichtungen in ein schlechtes Licht zu rücken.
Die Debatte ist nicht neu – aber nachvollziehbar
Nichtsdestotrotz ist die Orientierung der World’s 50 Best Bars immer wieder Thema unter Fachleuten – jedes Jahr wird die Häufung der in den USA und Großbritannien ansässigen Bars bemerkt und nicht selten auch bemängelt. Dazu muss das Prozedere betrachtet werden, nach dem die Wahl der Bestenliste vor sich geht:
Anders als bei vielen Awards, die von einer überschaubaren Jury verliehen werden, ist es im Falle der World’s 50 Best Bars die sogenannte „Academy“, die sich aus derzeit über 330 internationalen Bartendern und sonstigen Fachleuten zusammensetzt. Für Deutschland sind in dieser Academy etwa Jörg Meyer, Charles Schumann und Goncalo de Sousa Monteiro vertreten, ebenso auch MIXOLOGY-Herausgeber Helmut Adam, Chefredakteur Markus Orschiedt und Autor Peter Eichhorn.
Gleiches Recht für alle?
Alle Angehörigen des Gremiums haben dasselbe Stimmrecht. Es gibt allerdings Einschränkungen in der Wahlfreiheit: Ebenso wie jedes Mitglied angehalten ist, wenigstens zwei ausländische Bars zu nominieren, gilt die Regel, dass mindestens drei der gewählten Bars im eigenen Land zu finden sind.
Bedenkt man die Tatsache, dass über 120 der Juroren aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien stammen, erscheint das Ergebnis plötzlich weit plausibler. Denn wenn jeder Academy-Angehörige mindestens drei Häuser aus seinem Heimatmarkt ins Ranking wählen muss, wird dadurch per se ein Übergewicht installiert. Eine Quote für internationale Nominierungen scheint ebenso wenig sinnvoll, sind doch die meisten Jurymitglieder bekannte Szene-Gesichter, die genügend reisen, um international bewandert zu sein.
Quo vadis, GSA?
Gerade aus Sicht von GSA-Land ist es natürlich schade, dass von den fünf im letzten Jahr prämierten Bars mit dem Buck & Breck (Berlin), dem Le Lion (Hamburg) und Schumann’s (München) nur noch drei in der neuen Liste vertreten sind. Im vergangenen Jahr waren zudem noch The Parlour (Frankfurt) und des Lebensstern (Berlin) gewürdigt worden.

„Gerne hätte ich mir gewünscht, dass mehr deutsche Bars platziert werden, denn verdient hätten es einige Bars allemal. Ich hoffe, das ändert sich nächstes Jahr“, äußert sich Cihan Anadologlu, Headbartender aus dem Schumann’s und selbst Academy-Mitglied.
Noch weniger versteht er die angebliche Konkurrenz, die auf der offiziellen Homepage der World’s 50 Best Bars zwischen seiner Bar und dem Le Lion propagiert wird. Von einer Wette zwischen beiden Bars, wer die bessere Platzierung erhält, ist dort die Rede. Ist das Konkurrenzdenken in Deutschland wirklich derart ausgeprägt?
„Da ist etwas hochgespielt worden, was nicht so war“, meint Anandologlu, und führt fort: „Wir haben mit dem Le Lion ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis. Da das Le Lion vor uns lag, haben wir (gemeinsam) im Schumann’s gefeiert, aber gleichzeitig auf unseren Award ‚World’s Best High Volume Cocktail Bar’ bei den ‚Tales of the Cocktail’ angestoßen.“
Wo ist der Rest der Welt?
Doch nicht nur die deutschen Bars scheinen gering vertreten: auch aus dem restlichem Europa tauchen nur einige Trinkstätten auf, aus Österreich und der Schweiz beispielsweise gar niemand. Südamerika ist durch das Floreria Atlantico (Buenos Aires) mit einer Bar vertreten, während Afrika aus Bar-Perspektive ein weißer Fleck bleibt. Das verwundert gerade aus Sicht der sich rasch entwickelnden südafrikanischen Barszene.
Ein kleiner Trost für die deutsche Community: in der All-Time-List, die eine Gesamt-Rangliste aller bisher durchgeführten Jahrgänge darstellt, sichert sich Jörg Meyers „Löwe“ einen beachtlichen fünften Rang – vor dem Artesian, das hier „nur“ auf Platz 10 rangiert.
Es bleibt dabei, dass Awards immer für Debatten sorgen. Solange diese auf sachlichem Niveau geführt werden, ist daran auch nichts auszusetzen. Vorerst bleibt abzuwarten, wie sich die Wahl im nächsten Jahr anlässt. Hamish Smith, federführender Mitarbeiter von Drinks International weist darauf hin, dass die Besetzung der „Academy“ sich durchaus jedes Jahr wandelt und darüberhinaus stetig wächst.
Man wird abwarten müssen, wann aus dem „World’s 50 Best Bars“ eine Liste wird, die sich in der Hinsicht auf Ihren Aspirantenkreis offener darstellt. Bis dahin ist es noch ein gutes Stück.

Credits

Foto: Artesian Bar

Comments (4)

  • Goncalo

    … kurze Korrektur zur Wahlfreiheit:
    Abgegeben werden 5 Nominierungen. Die eigene Bar ist ausgeschlossen. Und aus dem gleichen Land dürfen maximal 3 Nominierungen erfolgen. Sprich. Eine Stimm-Abgabe aus Deutschland muß keine Bar aus Deutschland zwangsweise berücksichtigen.
    Freundlichst,
    G.

    reply
  • Redaktion

    Danke für die Korrektur, lieber Goncalo! Diese Anmerkung von Dir als Academy-Mitglied ist in der Tat merkwürdig, da sich das Prozedere innerhalb der offiziellen Web-Präsenz anders darstellt. Ich bemühe mich um Rücksprache mit DrinksInt.
    Grüße, Nils

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  • Goncalo

    Nominations:
    Please nominate the five best bars in the world in your professional opinion. At least two of your votes must be international; the remaining three can either be from your own country, or further international votes.
    Please list the bars in order of preference and email your votes by Friday July 11.
    The rules:
    1. You must not currently work in or have a financial interest in the bars you vote for
    2. You must have visited the bars in the last two years
    3. The bar must still be open
    Other than that, there are no rules.

    reply
  • Goncalo

    P.S.
    Zitat aus der Einladung zur Wahl.
    Helmut Adam, Peter Eichhorn und Markus Orschiedt dürften die gleichen Zeilen erhalten haben.
    Freundlichst,
    G.

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